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Die geheime Braut

Die geheime Braut

Titel: Die geheime Braut Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brigitte Riebe
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großzügig überlassenen Haus umgegangen. Das helle Sonnenlicht offenbarte unbarmherzig Spuren von Nachlässigkeit und Verfall, wohin man auch schaute.
    Konnte er sich in dem Apotheker so gründlich getäuscht haben?
    Lucas Cranach hasste Misserfolge. Und erst recht diejenigen, die sie verursachten.
    Sein Blick wurde schärfer.
    »Wer behauptet so etwas?«, sagte Relin mit verzerrtem Mund.
    »Rechtschaffene Männer. Professoren, an deren Glaubwürdigkeit es nichts zu zweifeln gibt. Sie haben Margarethas Blessuren zu deren Lebzeiten mit eigenen Augen gesehen. Und selbst als ihr Leichnam vor uns aufgebahrt in der Leucorea lag, waren noch deutliche Spuren zu erkennen. Habt Ihr sie so zugerichtet? Und seid später sogar noch weiter gegangen? Weil Ihr im Streit die Beherrschung verloren habt und einfach nicht mehr aufhören konntet, selbst wenn Ihr gewollt hättet? Was hat Euch so weit getrieben? Wut? Eifersucht? Oder war es Rache?«
    »Es reicht!« Der Apotheker bäumte sich auf. »Ich verbitte mir dererlei Unterstellungen. Ich habe ihr nichts angetan. Und was diese rechtschaffenen Herren betrifft: Dann waren sie wohl stets dabei, wenn Margaretha sich gestoßen hat oder hingefallen ist? ›Gib acht auf der Treppe!‹, hab ich sie immer wieder beschworen. ›Pass endlich besser auf dich auf!‹ Aber hat das jemals auch nur das Geringste genützt? Tollpatschig war sie und dickköpfig dazu.«
    Schwer atmend griff Relin nach einem Becher und leerte ihn schlürfend.
    »Ich glaube Euch kein Wort«, sagte Cranach. »Margaretha sah übel aus. Und sie hatte Angst, das haben mir verschiedene Zeugen übereinstimmend bestätigt.«
    »Aber doch nicht vor mir!«
    »Vor wem sonst?«, bohrte Cranach nach. »Gab es Feinde, die Margaretha hätte fürchten müssen? Und wenn ja – welche? Namen, Relin, Namen!«
    Der Apotheker zuckte stumm die Achseln.
    »Jetzt gehen Euch die Antworten aus«, sagte Cranach, der sich immer mehr in seinem schrecklichen Verdacht bestärkt fühlte. Stand er dem Mörder Margarethas gegenüber? Dann würde der für seine schreckliche Tat büßen müssen. »Ich will Euch auch sagen, weshalb: Euer Weib war stets freundlich und liebenswürdig – zu jedem. Ohne sie wäre Euer Geschäft sehr viel schlechter gelaufen. Wen in Wittenberg hätte Margaretha sich schon zum Feind machen sollen? Nein, der Einzige …«
    »… mit dem es Streit gab, war jener Maler, der immer hier herumgeschlichen ist«, fiel Relin ihm ins Wort. »Der mit dem frechsten Mundwerk, den Ihr zu uns geschickt habt, um die Pigmente und Salze abzuholen, als hätten das Eure kräftigen Söhne nicht ebenso gut erledigen können. Ich musste ihn schließlich sogar rauswerfen, weil er mir gegenüber unverschämt geworden ist.«
    »Ihr sprecht von Jan Seman?«
    Relin nickte. »Ganz genau. Ein Ausbund an Hochmut und Dreistigkeit. Und ein Weiberheld der allerübelsten Sorte, das weiß die ganze Stadt. Wie er meine Margaretha angeglotzt hat! Als ob sie ihm gehören würde. Ihr scheint es peinlich gewesen zu sein, denn sie ist rausgelaufen, als ich ihn des Hauses verwies.«
    Cranachs Lid begann zu zucken.
    »Jan und Margaretha haben die Apotheke gemeinsam verlassen?«, fragte er.
    »Seid Ihr taub? Nichts anderes habe ich doch gerade gesagt.«
    »Und danach wollt Ihr Euer Weib nicht mehr gesehen haben?«
    »Nein«, sagte Relin stöhnend. »Erst als Wasserleiche. War es das jetzt? Ich bin nämlich am Ende. Lasst mich endlich in Frieden!«
    »Das kann ich Euch so nicht versprechen. Eure Angaben müssen zuerst sorgfältig überprüft werden.«
    »Aber Ihr werdet so einem dahergelaufenen Hundsfott doch nicht mehr Glauben schenken als mir!«, schrie Relin aufgebracht. »Ich bin ein ehrbarer Bürger Wittenbergs – und er ist nichts als ein räudiger Pinselkleckser von irgendwoher.«
    Cranachs Gesicht verschloss sich jäh.
    »Das sollte natürlich nicht gegen Euch gehen. Oder gegen Eure Zunft.« Relin bemerkte den Fehler, den er begangen hatte, und griff an sein Herz, als habe er Angst, es könnte zerspringen. »Jeder in der Stadt weiß, welch großer und bedeutender Maler Ihr seid. Und wir alle sind überglücklich, einen Künstler wie Euch in unserer Mitte zu …«
    »Bemüht Euch nicht!«, unterbrach ihn Cranach. »Mit Schmei cheleien kommt man bei mir nicht weit, das solltet Ihr eigentlich wissen. Alles, was ich will, ist die Wahrheit und den Mörder entlarven, und ich komme wieder, bis ich beides gefunden habe, das garantiere ich Euch!«
    Relin sank aschgrau

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