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Die Geliehene Zeit

Titel: Die Geliehene Zeit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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seine Hände, die still auf seinem Schoß lagen. »Ich konnte mich nicht entscheiden«, sagte er leise, »ob ich kommen sollte oder nicht. Deshalb bin ich zu Fuß gegangen, um Zeit zum Nachdenken zu haben, von Paris bis nach Fontainebleau. Und fast die ganze Strecke wieder zurück. Immer wieder bin ich umgekehrt, ich kam mir vor wie ein Mörder, wie ein Narr, und wußte nicht, ob ich lieber mich oder dich umbringen sollte...«
    Seufzend blickte er zu mir auf.
    »Ich mußte kommen«, sagte er schlicht.
    Darauf erwiderte ich nichts, sondern legte meine Hand auf die seine. Von den gärenden Weintrauben auf dem Boden stieg ein stechender Geruch auf, der Wein und damit Vergessen versprach.
    Die halb von Wolken verhüllte Sonne würde bald untergehen, und vor ihrem goldenen Licht sah ich die Silhouette von Hugo, der mit einer Verbeugung am Eingang der Laube auftauchte.
    »Verzeihen Sie, Madame«, sagte er. »Meine Herrin wünscht zu wissen, ob le seigneur zum Essen bleibt?«
    Ich sah Jamie an. Still saß er da, die durchs Laub dringenden Sonnenstrahlen malten ein Tigermuster auf sein Haar und warfen Schatten auf sein Gesicht.
    »Ich glaube, du solltest bleiben«, sagte ich. »Du bist schrecklich dünn.«
    Er musterte mich amüsiert. »Du auch, Sassenach.«
    Dann stand er auf und bot mir seinen Arm. Gemeinsam gingen wir hinein zum Essen und überließen die raschelnden Blätter ihrem wortlosen Gespräch.
     
    Eng aneinandergeschmiegt lagen wir im Bett; Jamie schlief, und seine Hand ruhte auf meinem Schenkel. Ich starrte in die Dunkelheit, horchte auf seine ruhigen Atemzüge und sog die frische, feuchte Nachtluft ein, die von Glyzinienduft erfüllt war.
    Mit St. Germains Tod war der Abend für die Beteiligten beendet gewesen - mit Ausnahme von Louis. Als sich die Gesellschaft unter aufgeregtem Gemurmel zum Aufbruch rüstete, nahm er meinen Arm und führte mich durch die kleine Tür, durch die wir eingetreten waren. Der wortgewandte Herrscher bedurfte nun keiner Worte mehr.
    Ich wurde zu der grünen Chaiselongue geführt und auf den Rücken gelegt. Bevor ich einen Laut über die Lippen brachte,
wurden meine Röcke sanft hochgehoben. Er küßte mich nicht; er begehrte mich nicht. Was nun folgte, war ein rituelles Einfordern der vereinbarten Bezahlung. Louis war ein gerissener Geschäftsmann, und eine Schuld, die ihm zuzustehen schien, trieb er ein, ganz gleich, ob die Bezahlung für ihn von Wert war oder nicht. Und vielleicht war sie es ja, denn in seinen Vorbereitungen zeigte sich eine halb ängstliche Erregung - wer außer einem König konnte es wagen, La Dame Blanche zu umarmen?
    Ich war trocken, einfach nicht bereit; ungeduldig griff er nach einem Flakon und rieb mir nach Rosen duftendes Öl zwischen die Beine. Reglos lag ich da und spürte, wie ein hastig tastender Finger durch ein kaum größeres Glied ersetzt wurde, und - »erduldete« ist das falsche Wort, da weder Schmerz noch Demütigung im Spiel war, es war eine Transaktion - wartete also das Ende jener hastigen Stöße ab, und schon stand er wieder auf den Beinen und beeilte sich, die Hose über der kleinen Schwellung zuzuknöpfen. Offenbar wollte er es nicht riskieren, einen halbköniglichen Bastard zu zeugen - nicht, solange Madame de La Tourelle ihn in ihren Gemächern am anderen Ende des Korridors erwartete und ihn, wie ich hoffte, mit mehr Glut empfangen würde als ich.
    Ich hatte gegeben, was stillschweigend vereinbart worden war. Nun konnte der König meine Bitte erfüllen, ohne sich dabei etwas zu vergeben. Was mich betraf, so erwiderte ich seine höfische Verbeugung mit einem Knicks und verließ das Audienzzimmer wenige Minuten, nachdem ich es zum zweitenmal betreten hatte mit dem Versprechen des Königs, am nächsten Morgen Jamies Freilassung anzuordnen.
    Auf dem Korridor erwartete mich der köngliche Kammerjunker. Er verbeugte sich vor mir, ich machte einen Knicks, und dann folgte ich ihm durch den Spiegelsaal, wobei ich das glitschige Öl zwischen meinen Schenkeln spürte und den Rosenduft einatmete, der aus meinem Schoß aufstieg.
    Draußen vor den Toren des Palastes hatte ich die Augen geschlossen und gedacht, ich würde Jamie nie wiedersehen. Und wenn er mir zufällig doch über den Weg liefe, so wollte ich seine Nase in diesen Rosenduft tauchen, bis seine Seele vor Ekel starb.
    Doch statt dessen hielt ich nur seine Hand und lauschte seinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen. Und die Tür zum Audienzzimmer seiner Majestät ließ ich für immer ins

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