Die Maya Priesterin
schwarz e Voge l wa r verstummt . Eben erhob er sich aus der silbrige n Ceib a un d flo g mi t trägem Flügelschla g davo n .
Fra y Dieg o zögert e noc h eine n Moment , dan n nickt e e r dem K a zike n z u . »Ic h dank e Euc h . Ihr habt recht gehandelt.« E r rang sic h ei n Lächel n ab . Zu seiner Verblüffung grinste der Kazike zurück . »Bring t m ic h jetz t zu r Kapell e . Versammelt dort die Gemeind e zu m Gebe t .«
Nebe n de m emsi g watschelnde n Kazike n schrit t e r au f die Kapell e z u . Die gesamte Gemeinde folgte ihne n . Auc h Jorge un d Cristóba l wurde n vo n de r Meng e mitgezoge n . Der stämmig e May a gin g tie f un t e r da s Kreu z gebeug t . Cristóbal, noc h imme r erhitzte n Gesichtes , bemüht e sich , z u Fra y Diego aufschließe n . Doc h imme r wiede r versucht e ein e jung e Mutter, ihr Neugeborenes in das Taufbecken zu setzen, das er vor seiner Brus t umklammer t hielt . Schließlic h g e rie t e r au s de m Blickfeld de s Paters .
Ohnehi n ware n Diego s Gedanke n wei t vo n Cristóba l entfernt. Unvermittel t blie b e r stehe n un d faßt e sic h a n di e Stir n . Als hätt e ih n e i n Enge l berührt . »Nach der Messe«, sagte er zu Pablo , »müß t Ih r mi r erklären , womi t I hr den Leichnam dort obe n einbalsamier t hab t .«
Herná n übersetzte. Nu r a m Rand e nah m de r Pate r wahr , daß Pablo s Mien e sic h wiede r verfinsterte . E r würd e darau f dringen, i n diese s Geheimni s eingeweih t z u werde n . E s wa r da s einzige, was er bisher über die Auf rühre r wußte : da ß auc h si e solche Balsamierungskünst e beherrschte n . Di e Spu r diese s Balsams würd e ih n z u de n Aufrührer n fuhre n . E r würd e si e finde n und den königlichen Häschern preisgebe n . Unter der Bedingung, daß e r begnadig t wurde . Es war seine einzige C hance , jemal s wieder au s diese r grüne n Höll e herauszukomme n .
Wa s aber , wen n e r herausfinde n würde , da ß Ixkuku l z u den Aufrührer n gehörte ? Sei n Her z setzt e fü r eine n Schla g au s . Dann schüttelte er den Gedanken ab und betrat die Kapelle von Sa n Pedro .
4
Geg o rene r Kakao . Trunk der Gottessöhne, wie Pablo das Gebrä u nannte . Jetz t verstan d de r Pate r auch , waru m de r Kazike dermaße n fet t war . Un d e r selbs t s o betrunken , da ß ih m die Bilder vor Augen verschwamme n . Zu schweigen von seinen Gedanken , di e i n seine m Geis t umhertaumelten wie Boote auf stürmische r See .
Mach t nichts , dacht e Dieg o . Mach t überhaup t nichts . Sei t er i n Sa n Benit o eingetroffe n war , hatt e e r i n unablässiger Anspannun g gelebt . Sei t geschlagene n sech s Woche n . Heute konnt e e r sic h einma l erlauben , et w a s nachzulasse n . Zumindest fü r diese n Abend , fü r ein e Nach t . Schließlich war man unter Freunde n . Pablo und seine Krieger würden dafür sorgen, daß nieman d i n feindliche r Absich t nac h Sa n Pedr o gelangt e .
Seit Stunden hockte er schon hier im Langhaus des Kazi ken, au f de r Matt e de s Ehrengastes . E r nah m de n Becher , de r vo r ihm au f de m Bode n stand , un d führt e ih n zu m Mun d . Wobe i seine Han d Schlangenlinie n i n de r Luf t beschrieb . Ei n kleine r Schwall de s braune n Gebräu s schwappt e herau s un d tropft e ih m au f den Ärme l . Jeman d mußt e unbemerk t nachgefüll t haben , jedenfalls war der Becher wieder randvoll. Zu m zehnte n ode r fünfzehnten Ma l - ega l .
Ein sonderbares Halbdunkel herrschte in diesem Raum. Obwohl irgendwo weiter hinten sogar ein Feuer brannt e . Die Fraue n de s Ka z i k e n kochte n fü r de n Aben d . Unterhielte n sich leise . Ihre Stimmen wie Vogelzwitscher n . Einmal kicherte ein Mädche n . E s klang , al s fiel e ein e Handvol l Perle n i n ein e Schale au s Gla s .
Ih m gegenübe r thront e de r Kazike . Di e Bein e gekreuzt , der faßrunde Rumpf pe n delt e sanf t hi n un d he r . Ohn e Zweifel, dachte der Pater, war Pablo noch betrunkener als er. Abe r auch da s macht e überhaup t nichts . Sein oberster Krieger würde für di e Sicherhei t de s Dorfe s sorge n . Todeskralle . Unte r diesem Name n wa r e r be i seine n Männer n g eehrt und seinen Feinden verhaßt . Do n Ramó n abe r hatt e ih n au f de n Name n Sebastian getauf t . Seltsame r Humor , dacht e Dieg o . Schließlic h wa r der heilig e Sebastia n vo n Pfeile n durchbohr t word e n . Kein guter Name für einen obersten Kriege r . Der aber seinen alt e n Namen ohnehin vorzuziehen schie n
Weitere Kostenlose Bücher