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Die Pellinor Saga Bd. 4 - Das Baumlied

Die Pellinor Saga Bd. 4 - Das Baumlied

Titel: Die Pellinor Saga Bd. 4 - Das Baumlied Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alison Croggon
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wir den Wagen zurückließen, und davon wollte Karim nichts hören … Er meinte, wenn wir es bis nach Benil schafften, gäbe es gleich danach eine Steinstraße, die in höhere Gefilde führt, also trieben wir die Pferde an, sosehr wir es wagten. Karim dachte, wenn wir Trigallan erreichten, müssten wir aus dem Gefahrenbereich der schlimmsten Flut sein. Unterwegs begegneten wir vielen Menschen, die denselben Einfall hatten, weinenden Kindern, panischen Tieren. Es war ein Chaos.« Kurz schloss sie die Augen.
    »Wie auch immer, um es kurz zu machen: Wir haben es nach Trigallan geschafft. Der Ort glich einer großen Insel: Als die Sonne am nächsten Tag aufging, erstreckte sich in jeder Richtung Wasser, so weit das Auge reichte. Nur Dächer, Bäume und kleine Hügel ragten daraus hervor. Ich habe so etwas noch nie gesehen … Man konnte Menschen sehen, die auf den Dächern kauerten oder sich an Bäumen festklammerten, und andere fuhren mit Booten los, um sie zu retten. Die Dorfbewohner nahmen so viele auf, wie sie konnten, aber es waren weit mehr, die Hilfe brauchten, als solche, die helfen konnten, so viele steckten in Schwierigkeiten … und Menschen aller Art, Saliman. Da waren zahlreiche Soldaten, ebenso Bauern und Dorfbewohner und eine Menge Kinder, die zu niemandem zu gehören schienen; aber alle hatten mit denselben Problemen zu kämpfen, und man sah niemanden streiten oder kämpfen, obwohl es von nichts genug gab, um alle daran teilhaben zu lassen. Die Dorfälteste von Trigallan, Narim, sorgte dafür, dass es friedlich zuging.
    Ich war sehr froh über den Wagen, weil wir dadurch zumindest einen Platz zum Schlafen hatten; andere mussten draußen im Regen hocken, weil sie nirgendwohin konnten. Wir suchten uns also ein Fleckchen für uns, schirrten die Pferde ab und warteten auf das Ende des Regens. Und letztlich hörte er auch auf, und dann begann das Wasser ebenso schnell zu sinken, wie es zuvor gestiegen war …« Hekibels Stimme verklang, und sie schwieg eine Weile mit geneigtem Haupt. Hem glaubte, sie könnte eingeschlafen sein, und überlegte, ob er sie wecken sollte, doch dann schüttelte sie sich und setzte sich auf.
    »Als wir in Trigallan eintrafen, tat ich, was ich konnte, um Narim und den anderen zu helfen, die versuchten, etwas gegen die Wirren zu unternehmen. Deshalb war ich nicht viel beim Wagen. Außerdem wisst ihr ja, wie es mit Karim und Marich war. Um ehrlich zu sein, war ich regelrecht froh, von ihnen wegzukommen; sie zankten die ganze Zeit, schlimmer als je zuvor. Ich glaube, Marich hatte ein schlechtes Gewissen, weil wir euch zurückgelassen hatten, ein schlechteres, als er zugeben wollte. Jedenfalls fand ich es so oder so besser, hinauszugehen und etwas zu tun. Deshalb war ich nicht da, als …«
    Kurz erzitterten ihre Züge, doch sie fasste sich rasch, und als sie weitersprach, erklang ihre Stimme gefestigt. »Ein Untoter kam zu unserem Wagen. Er hat nach euch gesucht. Marich hat es mir erzählt.« Sie verstummte kurz und rang die Hände. »Ich kehrte spät am Nachmittag zum Wagen zurück. Karim war tot, und Marich war … nun, er hatte eine Stichwunde und war zum Sterben zurückgelassen worden, aber er war nicht tot, er war …«
    Saliman ergriff ihre Hand; sie drückte die seine kurz, dann schob sie ihn von sich. »Es war grauenhaft«, fuhr sie fort. »Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Überall war Blut… Marich litt solche Schmerzen, und ich hatte keine Ahnung, wie ich ihm helfen konnte. Der Untote hatte sich als alter Bekannter Karims ausgegeben, und als er herausfand, dass ihr beide in Hiert geblieben wart, wurde er fuchsteufelswild, und ich vermute, er … er ließ seine Maske fallen. Marich meinte, er wusste, dass es ein Untoter war, obwohl er nie zuvor einen gesehen hatte. Die Kreatur ließ Karim einfach erstarren, sodass er sich nicht mehr bewegen konnte, dann holte sie einen Dolch hervor und sagte, sie würde ihn leiden lassen. Marich versuchte, den Untoten aufzuhalten, aber der drehte sich nur um und stach auf ihn ein. Marich verlor das Bewusstsein, und als er wieder zu sich kam, war Karim tot. Aber Marich - er hat mir einige Dinge erzählt, bevor er starb.«
    Mit vor Entsetzen geweiteten Augen starrte Hem Saliman an. Er hatte Marich gemocht, und so sehr er Karim misstraut hatte, ein solches Schicksal hätte er ihm niemals gewünscht. Nur allzu gut erinnerte er sich an die unbekümmerte Grausamkeit der Untoten.
    »Marich sagte, der Untote hätte nach euch beiden gesucht, und

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