Die Quelle
väterlich, lächelte Sulidian
ihn an. „Das ist alles? Du fürchtest Lidriak? Ich könnte dir deinen
Wunsch gewähren, doch der Preis für dein Schweigen scheint mir zu
niedrig zu sein. Ich würde mich schämen, dein Angebot anzunehmen. Mit
diesem dummen, schwerfälligen Krieger müsstest du allein fertig
werden können.“
Schlagartig wurde Sulidian wieder ernst, dabei wirkte er
fast bedrohlich. Er fuhr leise und bestimmt fort, während Leathan
versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr er ihn beeindruckte.
„Ich mache dir ein weitaus gerechteres Angebot. Der
gefährlichste Gegner des Turniers bin ich, und ich verspreche dir, ich
werde mich von dir fernhalten, so lange du dies auch tust. Ich werde mich
außerdem bemühen, Sihldan nicht zu verletzen, denn das schuldet ihm
mein Clan, nach diesem feigen Anschlag… Aber ich verspreche dir auch, mein Clan
wird alles daran setzen, auch gegen Isentiens Clan den Sieg davon tragen.
Einigen wir uns darauf?“
In Sulidians Gedanken konnte Leathan sehen, wie ehrlich
sein Vorschlag gemeint war. Einmal mehr schien Sulidian seine Gedanken direkt
an Leathan richten zu wollen, denn Kampfszenen, in denen Lidriak verwickelt
war, tauchten in Sulidians Gedächtnis auf. Tatsächlich war der
Krieger langsam. Obwohl seine Schläge verheerend waren, würde ein
schneller, leichtfüßiger Krieger nichts von ihm zu befürchten
haben. Leathan nickte zustimmend.
„Wer wirklich siegen wird, wird sich noch zeigen. Ansonsten
sind wir uns einig.“
Sulidian lächelte zufrieden. „Das ist die Antwort
eines Kriegers! Möge Anthalion euch nicht disqualifizieren, ich freue mich
schon, mich mit euch in der Arena zu messen… eines noch: halte dich in Zukunft
aus meinen Gedanken fern. Es reicht, wenn die Priester uns ständig ausspionieren.“
„Ich verspreche es. Dir ist sicherlich bewusst, dass du ohnehin
schwer zu lesen bist. Ein Priester hätte wohl kaum Chancen auf Erfolg.“
„Doch du und die deinen schon, nicht wahr?“
„Ja. Wir tun es jedoch nur, wenn es unbedingt erforderlich
ist.“
„So sollte es sein, ja.“
Viele fragende Blicke hatten das Gespräch begleitet,
doch die beiden Männer verabschiedeten sich mit einem Kopfnicken, ohne
dass jemand den Inhalt des Gespräches hätte erraten können. Als
Leathan sich zu den Kriegern Isentiens gesellte, spähte er ein letztes
Mal, in die Gedanken Sulidians, in der Hoffnung diesmal nicht erwartet zu
werden. Tatsächlich wähnte der Clananführer sich in Sicherheit
und war nachdenklich geworden. Er fragte sich, was geschehen wäre, wenn er
sich mit seinem Clan auf der Suche nach Ker-Deijas begeben hätte, anstatt
Anthalion die Treue zu schwören. Kurz darauf erschrak er selbst über
seinen verräterischen Gedanken und hoffte, keiner der Götter habe ihn
bei dieser Überlegung ertappt.
Leathan musste ein Lächeln unterdrücken. Nein,
dachte er, die Götter haben diesen Gedanken nicht gelesen. Aber ich.
Kapitel 17
Für gewöhnlich war Anthalions Insel fast
menschenleer, da nur wenige Auserwählte die erforderlichen Passierscheine
erhielten. Während der Turniertage bot sich jedoch ein ganz anderes Bild
auf der Palastinsel. Schon in unmittelbarer Nähe der Brücke waren
Markstände aufgebaut worden und Gaukler sorgten für Unterhaltung.
Wetten wurden lauthals abgeschlossen, während die Menschenmassen auf ihre
Helden warteten.
Den Kriegern Isentiens gebührte als Sieger des
Vorjahres die Ehre, als erste die Brücke zur Palastinsel zu
überqueren. Sihldan betrat die Brücke, dicht von seinen Kriegern
gefolgt, und löste somit frenetischen Jubel unter dem Volk aus. Histalien
war unter den Gardisten, die zum Schutz des Clans abkommandiert worden waren.
Vom ersten Anschlag gegen seinen Bruder gewarnt, beobachte er ganz genau, was
sich unter den Menschen abspielte. Der gesamte Weg wurde von Gardisten
flankiert, die unsanft die Scharen von Bewunderern zurückhielten und in
ihre Schranken verwiesen.
Leathan bedauerte es, den Weg zur Arena nicht wie sonst
zur Beruhigung nutzen zu können. Die Volksfestatmosphäre, die
vorherrschte, war nicht nur unangenehm laut, sie strahlte auch etwas Ungesundes
aus. Er konnte nicht umhin einige Gedanken zu lesen und hatte feststellen
müssen, dass viele der Menschen sich darauf freuten, bald Blut
fließen zu sehen. Diese primitive Art des Vergnügens war für
ihn nicht nachvollziehbar. Hatten die Menschen hier kein Mitgefühl?
Obwohl ihm das gesamte Ambiente zuwider war, bemühte
er sich, das
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