Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Titel: Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
Vom Netzwerk:
stellten Jeremiah und er sich wieder vor und hinter Linden auf, rissen die Arme hoch. Vor einem Hintergrund aus unvereinbaren Magien mit der Gewalt einer zu Tal rasenden Lawine spürte sie rasch zunehmende Energien. Sie hatte noch Zeit, zu denken: Das haben sie getan, das war ein Trick von ihnen ...
    Weil es manchmal nützlich ist, zwischen Baum und Borke zu stecken.
    Dann wölbte sich ein Blitzstrahl oder Donnerschlag über ihren Kopf, und alles verschwand, als sei ihre Existenz mit einem Axthieb beendet worden. In dem unmessbar kurzen Intervall zwischen zwei Augenblicken flüchteten Lindens Gefährten mit ihr.
     
    *
     
    Die beißende Düsternis der Gräuelinger und die zornige Musik des Forsthüters sprangen übergangslos in die Ferne zurück. Linden, die auf unebenem Grund aufgekommen war, ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht zu bewahren. Dann sah sie sich noch immer schwankend um.
    Covenant und Jeremiah hatten sie am Rand eines weiteren gezackten Felsgrats der Letzten Hügel abgesetzt. Auf einer Seite ging der Steilhang in Felsklippen und -zinnen über: Mit jedem »kurzen Sprung« wurden die Hügel hier Bergen ähnlicher. Auf der anderen schwappte die Würgerkluft gegen die Hügel, als hätten Winter und Kälte die Bäume dabei ertappt, dass sie über die Grenze hinweg ausgreifen wollten. Auf den ersten unsicheren Blick konnte Linden an dem Wald keine bedeutsamen Veränderungen erkennen. Leichte Variationen der Textur des Waldgebiets; hier und dort anders gruppierte Bäume. Das war alles. Trotzdem spürte sie, dass die Absichten der Würgerkluft sich grundlegend geändert hatten. Der Wald gierte nicht mehr nach Menschenfleisch. Stattdessen konzentrierte der Hunger der Würgerkluft, deren Stimmung in Zorn umgeschlagen war, sich jetzt auf andere Wesen: Im Südosten, mindestens zwei bis drei Meilen entfernt, bekriegten die Gräuelinger und Caerroil Wildholz einander. Ihre Macht war so gewaltig, dass Linden jeden Peitschenhieb aus Verachtung und Schwärze deutlich unterscheiden konnte – ebenso wie jede Note, jeden Ausdruck reinen Zorns, in dem endlosen Lied des Forsthüters. Vor dem Horizont der Hügel waren zügelloser Obsidian und Glanz, hektisch und unversöhnt, deutlich sichtbar. Noch hier bebte die Erde von den Kräften der Kämpfenden.
    Covenant und Jeremiah waren rasch auf die Knie gesunken, um Lindens Schwanken auszuweichen, aber Jeremiah hielt die Arme weiter emporgereckt. Aus seinen Händen strömten Energien, als bemühe er sich, den Einsturz des Himmels abzuwehren oder in eine bestimmte Richtung zu lenken. Der Muskel in seinem linken Augenwinkel morste eine Botschaft, die Linden nicht entziffern konnte.
    Einen Herzschlag später begann es aus wolkenlosem Himmel Holz zu regnen. Abgestorbenes Holz, knotig und verdreht: unbelaubte Äste und Zweige in allen möglichen Größen und Formen, durch Wetter oder Theurgie von einer einst bestimmt majestätischen Eiche abgerissen. Dieser plötzliche Hagel hätte Linden und ihren Gefährten blutende Platzwunden zufügen oder sie erschlagen können, doch Jeremiahs Macht schützte sie. Fingerstarke schlanke Zweige und gewaltige Äste vom Umfang eines Riesenbeins wurden in der Luft abgelenkt und plumpsten entlang der Grenze von Jeremiahs Schutzbereich kreisförmig zu Boden.
    Voll Schock und Überraschung stützte Linden sich auf ihren Stab. Zu vieles hatte sich allzu schnell ereignet: Ihre Nerven konnten sich nicht rasch genug darauf einstellen. Sie glaubte noch immer, die Worte der Gräuelinger zu sehen, die dunkel vor ihrem Blick zu erblühen, nach ihrer Haut zu krallen schienen. Sie hatte nichts unversucht gelassen, um die Schöpfer der Dämondim von ihrem Weg ins Verderben abzubringen. Aber das war ihr nicht gelungen ... zwischen Baum und Borke. Mit den Wäldern des Landes würden die Gräuelinger jetzt nie mehr Frieden schließen. Sie hatten gelernt, die Bäume zu hassen.
    Im nächsten Augenblick sprang Covenant auf. »Los jetzt«, knurrte er Jeremiah an. »Uns bleibt nicht viel Zeit.« Dann wandte er sich an Linden und verlangte barsch: »Tu, was ich dir sage. Stell keine Fragen. Denk nicht mal. Wir sind weiterhin in Gefahr. Wir brauchen dich.«
    Linden dachte nicht. Als sie sagte: »Du hast sie ausgetrickst«, war sie überrascht, sich laut sprechen zu hören. »Die Gräuelinger und den Forsthüter.« Wie Covenant war auch Jeremiah aufgesprungen. Jetzt sammelte er in fliegender Hast das dürre Holz ein, zog und zerrte die dicken Äste auf einen Haufen

Weitere Kostenlose Bücher