Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Tiefe einer Seele

Die Tiefe einer Seele

Titel: Die Tiefe einer Seele Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kate Dakota
Vom Netzwerk:
und jetzt eine Antwort zu finden. Wie es weitergehen sollte mit ihr. Wohin ihr Weg künftig führen würde. Nun, wo die Tür zu einer Zukunft mit ihm verschlossen schien. Amelie drehte sich zur Seite und setzte sich in Bewegung. Schon nach wenigen Metern hatte sie sich an die ernüchternde Temperatur der ihre Füße neckisch umtanzenden Wellen gewöhnt. Eine Zukunft mit James! Ihre Stirn kräuselte sich, und ihr Mund nahm einen verbissenen Ausdruck an. Sie sollte aufhören, darüber nachzudenken, denn das, was sie sich erträumte, das würde niemals wahr werden. Wie hatte sie nur überhaupt eine Sekunde daran glauben können? Dass er sie lieben könnte. So richtig, …..mit Leib und Seele. Dass er genau dasselbe für sie empfand, wie sie für ihn. Dass er sich nach ihr verzehrte, ohne sie nicht mehr sein wollte. Das alles war nur ein Hirngespinst gewesen, ein Luftschloss, eine verirrte Phantasie. Von vornherein hätte es ihr sonnenklar sein müssen. Dass das mit ihnen zum Scheitern verurteilt war. 
    Aber davon zu träumen, das war so unendlich schön gewesen. So schön, dass die Rückkehr in die Realität umso härter für sie ausgefallen war. Doch sie würde sich zusammenreißen. Das musste sie sogar. Seit ihrem Gespräch mit dem Vater stand sie unter ständiger Beobachtung. Egidius Johannson hatte seiner Frau und Elias zwar nicht gesagt, dass Amelie sich verliebt hatte, aber instinktiv ahnten die Mutter und der Bruder, dass das Mädchen an einem Scheidepunkt in seinem Leben stand. Mal wieder! Die Spannung innerhalb der Familie Johannson war in den vergangenen 48 Stunden auf ein unerträgliches Maß angestiegen. Natürlich hatte der Pastor seine Tochter mehrfach gefragt, ob sie sich hatte aussprechen können mit James. Als sie das immer wieder verneinen musste und stetig trauriger wurde, fühlte sie die Angst ihres Vaters, die sekündlich größer zu werden schien. Sie war so deutlich vernehmbar, dass sie mit den Händen danach hätte greifen können. Und diese Furcht hatte sich auf den Rest der Familie übertragen. Selbst Elias konnte mit dieser Situation nicht mehr unbeschwert umgehen und schlich wie ein argwöhnischer Panther um sie umher. So auch jetzt. Er lief etwa 200 Meter hinter ihr und meinte wohl, dass sie ihn nicht bemerken würde, aber natürlich tat sie das. Amelie erkannte, dass das nicht so weitergehen durfte. Eine große Wahl hatte sie nur leider nicht. Es blieb ihr nur die endgültige Kapitulation oder die Option, es anzupacken, es in den Griff zu bekommen.
    Noch einmal gab sie sich ihren Träumereien hin. Marterte sich selbst mit Bildern von einer glücklichen und erfüllten Beziehung mit James, von kleinen Jungen, die aussahen wie er und von kleinen Mädchen, die ganz nach ihr gingen. Dann aber zwang sie sich, diese Phantasien auszublenden. Entschlossen verließ sie das Wasser und stapfte durch den schweren Sand. Schon bald hatte sie den Fußweg erreicht, der sie über die Dünen zurück nach Hause führte. Eines gab es noch für sie zu tun, bevor sie aufbrechen würde.
     
    Minuten später nahm sie in ihrem Zimmer in dem kleinen Friesenhäuschen das iPad ihres Vaters zur Hand und öffnete das E-Mail-Programm.
     
    Lieber James,
     
    nachdem Du in den letzten beiden Tagen konsequent meine Anrufe und auch meine SMS‘ ignoriert hast, wollte ich mich gar nicht mehr bei Dir melden. Wollte es ganz einfach dabei belassen. Denn eigentlich spricht Dein Verhalten ja für sich. Du willst nichts mehr mit mir zu tun haben. Dennoch spüre ich, dass ein klarer und sauberer Schnitt nötig ist, ein klärendes Wort zum Abschluss sozusagen. Weißt Du noch, was ich Dir in Berlin gesagt habe? Dass ich nicht gut für Dich bin? Dazu stehe ich mehr denn je, und ich ahne, dass Du mittlerweile ebenso zu dieser Überzeugung gelangt bist. Ja, ich bin nicht gut für Dich, auch deswegen, weil ich nicht in aller Konsequenz ehrlich zu Dir war. Das hättest Du verdient gehabt, und dafür möchte ich mich entschuldigen. Wofür genau, tut dann jetzt aber gar nichts mehr zur Sache. Nur so viel: Hätte ich den Mut gehabt, mich Dir ganz anzuvertrauen, dann hättest Du vielleicht ohnehin die Flucht ergriffen, oder Du wärst nur aus einer Art Pflichtgefühl heraus bei mir geblieben. Letzteres halte ich sogar für sehr wahrscheinlich, denn so bist Du nun mal, James Prescott. Darum bin ich letztendlich dankbar und erleichtert, dass es nun so gelaufen ist, und Dir diese Entscheidung damit erspart bleibt.
    Eine weitere Erkenntnis hat mir

Weitere Kostenlose Bücher