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Die Tiefe einer Seele

Die Tiefe einer Seele

Titel: Die Tiefe einer Seele Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kate Dakota
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Familienmitglieder starrten Silvia völlig entgeistert an. Sie kannten sie als eine äußerst temperamentvolle Frau, aber dass sie dermaßen böse wurde, das hatten sie nicht sehr oft erlebt. Betroffen senkten die beiden Streithähne die Köpfe.
    »Ist schon gut, Mom«, murmelte James. »Vermutlich ist immer noch Anabel das Problem, was? Ich denke, der Familienrat sollte unbedingt ein weiteres Mal tagen, damit diese Sache nicht vollends eskaliert. Nur nicht heute. Vielleicht ist es besser, wenn Ihr jetzt alle geht. Mein Kopf tut wahnsinnig weh und ich brauche wohl noch ein paar Stündchen Schlaf.«
    Seine Eltern und seine Geschwister nickten. Sie verabschiedeten sich wortreich und mit innigen Gesten, die zwar gut gemeint waren, den pochenden Schmerzen im Schädel des Sohnes und Bruders aber weiteres Futter gaben. Schließlich schob Silvia Prescott ihren Mann im Rollstuhl zur Tür hinaus, gefolgt von den beiden ältesten Söhnen und von einer immer noch schluchzenden Erin. Erleichtert seufzte James auf und bettete sein geplagtes Haupt wieder auf das Kissen. Er liebte seinen Clan über alles, doch an manchen Tagen waren sie einer Heuschreckenplage nicht ganz unähnlich.
    Mittlerweile war auch die Erinnerung an den Unfalltag zurückgekehrt. Er hatte gemeinsam gegessen mit der Familie und ihnen mitgeteilt, dass er probeweise in die Leitung der Firma mit einsteigen wollte. Verdutzt zog er die Augenbrauen hoch. Komisch, sein Dad hatte gar nichts davon gesagt. Hatten sie ihm das etwa noch nicht gesteckt? Wäre sehr erstaunlich, wenn man bedachte, wie gerne bei den Prescotts getratscht wurde. Na ja, vielleicht hatten sie wegen des Unfalls dichtgehalten oder ganz einfach, weil sie ihm überlassen wollten, dem Vater die langersehnte Nachricht zu überbringen. Ja genau. Das hatte er nach dem Essen im Morton’s doch sofort machen wollen. Er war in Eile gewesen, weil er abends zurück nach Europa fliegen wollte, und dann waren ihm auf dieser verfluchten Treppe die Beine weggerutscht.
    Moment mal! James setzte sich ruckartig auf. Den explosionsartig protestierenden Schmerz in seinem Kopf ignorierte er stoisch.
    Verdammter Mist! Ich wollte nach Deutschland. Zu Amy! Wie lange ist das jetzt her? Zwei Tage? Verdammt, verdammt, verdammt!
    Hektisch sah er sich um. Wo war sein Handy? Sicher hatte sie versucht, ihn zu erreichen. Es sei denn, sie wäre immer noch sauer auf ihn. Aber das konnte doch überhaupt nicht sein, wenn sie etwas in den Medien von seinem Unfall mitbekommen hatte.
    James Prescott, Dir ist schon klar, dass Du in den Staaten zwar über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügst, aber danach kräht in Deutschland kein Mensch. Dass Dein Missgeschick dort publik gemacht wurde, ist eher unwahrscheinlich.
    Verflixt, er musste sein Handy finden. Im Nachtschränkchen, das er eilig durchsuchte, fand er es nicht. Er schwang die Beine aus dem Bett und stand auf. Schwindel erfasste ihn, und für einen Moment glaubte er, das Bewusstsein zu verlieren, doch dann fing er sich und taperte vorsichtig los. Hoffentlich war das Smartphone im Schrank. Zufällig sah er an sich herunter und stöhnte peinlich berührt auf. Warum in aller Welt steckte man bloß wehrlose Patienten, insbesondere gestandene Männer immer in diese indiskutablen Hemdchen? Die, die hinten offen waren. Er wollte sich gar nicht erst ausmalen, welchen Anblick seine Kehrseite derzeit bot. Das kam doch einer Entmannung gleich, zumindest war es ein unverzeihlicher Angriff auf die Menschenwürde. Da konnten sie noch so oft sagen, dass das praktisch war. Wo zum Teufel stand geschrieben, dass ein kranker Mensch praktisch zu sein hatte. Aber egal, eines Tages würde er einen Artikel darüber verfassen, jetzt hatte etwas anderes Vorrang. James öffnete den Schrank und sah erleichtert sein Handy im oberen Fach liegen. Er griff danach und taumelte wieder zurück zum Bett. Großer Gott, zuletzt hatte ihm seine Rübe so weh getan, als er Silvester 1999 mit Ruben und Bill zwei Flaschen Tequila den Kampf angesagt hatte. Der im Übrigen erfolgreich zu Ende geführt werden konnte, wofür die drei allerdings am Morgen danach auch einen hohen Preis zu zahlen hatten.
    Mit zitternden Händen öffnete James den Bildschirm seines Smartphones. Der Akku war fast leer, aber für das, was er wissen musste, würde es noch reichen.
    Sie hatte tatsächlich versucht, ihn zu erreichen. Sieben Mal sogar. Ein unsagbares Glücksgefühl durchströmte ihn und ließ ihn seine irdischen Beschwerden in die

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