Drachentempel 02 - Drachenfeuer
der Skins unternehmen sollten; sie warteten darauf, dass die Eindringlinge den ersten Schritt unternahmen. Während sie ins Zentrum des Dorfes marschierten, tauchten immer mehr Neue Eingeborene auf und folgten in respektvollem Abstand. Falls nicht die Hälfte der Kuppeln unbewohnt war, passten die Zahlen nicht zueinander. Lawrence fragte sich, wie viele Einwohner in der Gruppe gewesen waren, die die Vögel aus dem Tigergras aufgescheucht hatte. Und wie viele von ihnen überlebt hatten.
Ntoko blieb neben einem großen, ausladenden Baum stehen, der von einer Schicht allgegenwärtiger Asche bedeckt war. »Kann mir vielleicht jemand sagen, was hier vorgeht?«
»Ihr habt unser Land angesteckt«, sagte eine Stimme. Sie besaß einen starken Akzent.
Lawrence identifizierte den Besitzer, eine Frau, die ihm nicht bis zu den Schultern reichte. Ihr üppiges Haar war schneeweiß, obwohl er nicht sicher war, ob dies ein Hinweis auf Lebensalter war. Sie besaß ein flaches Gesicht mit ein paar Falten auf den Wangen, die ihrem Unterkiefer beträchtliche Flexibilität verliehen. Sie trug ein Gewand mit silbernen Verzierungen; eine DNS-Helix in Purpur und Türkis war auf die Vorderseite gestickt.
»Sie sind die Chefin hier?«, fragte Ntoko.
»Nein. Ich bin Calandrinia.« Sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare und schüttelte ein paar letzte Reste von Asche heraus.
»Werden Sie mit mir verhandeln?«
»Werden Sie mich töten?«
»Nicht, solange Sie mir keinen Grund dafür geben.«
Sie entblößte die Zähne, die lang genug waren, um als Fänge durchzugehen. »Ich hätte eine Menge Gründe, aber ich werde ihnen heute nicht nachgeben.«
»Danke sehr. Würden Sie mir nun vielleicht erzählen, was zur Hölle hier überhaupt vorgeht?«
»Sie sind in unser Leben eingedrungen. Das ist unsere Art zu reagieren. Was hatten Sie erwartet?«
»Weniger Gewalt wäre für den Anfang nicht schlecht. Ihr müsst doch völlig verrückt sein! Habt ihr überhaupt eine Ahnung, wie viel Feuerkraft wir im Rücken haben?«
Calandrinia zeigte erneut ihre Fangzähne. »Nicht mehr ganz soviel wie zum Zeitpunkt eures Auftauchens.«
Lawrence benutzte seinen abhörsicheren Kommandolink. »Kann ich mit ihr reden, Sarge?«
»Sicher, nur zu, wenn du glaubst, dass es zu irgendetwas führt. Ich hasse diese Klugscheißer.«
»Danke.« Lawrence war nicht ganz sicher, doch Calandrinia schien sich ihm zuzuwenden, kurz bevor er anfing zu sprechen. »Ich würde gerne erfahren, warum Sie Ihre Fabriken aufgegeben haben.«
»Warum gibt man etwas auf, Erdmensch? Sie sind obsolet und bedeutungslos. Wir züchten, was immer wir benötigen, auf direktem Weg.«
»Aber Ihre Produkte waren auf der Erde nicht obsolet. Sie waren sogar verdammt nützlich. Warum haben sie aufgehört, Ihre Waren zu exportieren?«
»Warum hätten wir weitermachen sollen? Wenn die Erde Medikamente braucht, soll sie sie gefälligst selbst herstellen.«
»Beispielsweise, weil Sie für Ihre Exporte das Geld bekommen hätten, ohne das Sie nicht imstande sind, die Produkte zu importieren, die Sie nicht selbst auf Ihrer Welt herstellen.«
Sie lachte ihn offen aus. »Was wir nicht selbst herstellen, brauchen wir auch nicht. Was wir nicht brauchen, stellen wir nicht her.«
»Das ist alles? Sie haben der technologischen Zivilisation den Rücken gekehrt? Sie stürzen sich munter in die Regression?«
Irgendwo in seinem Hinterkopf drängte sich die Frage auf, wie oft er diese Konversation noch würde führen müssen und auf wie vielen Welten. Regressortypen schien es tatsächlich überall zu geben.
»Der Technologie – nein«, erwiderte Calandrinia. »Der mechanischen Technologie – ja. Wozu brauchen Sie Maschinen? Biologische Systeme sind sehr viel effizienter in der Herstellung von allem, was wir benötigen.«
»Aber Sie können unmöglich für alles biologische Äquivalente erschaffen.«
»Nicht für alles, was unsere Gesellschaft zum Funktionieren benötigt, nein. Andererseits haben wir auch keine Gesellschaft mehr, wie Sie sie kennen. Wir haben uns angepasst und nicht die Welt nach unserer Vision verbogen. Welten sind viel zu groß dafür. Warum sollten wir in isolierten Siedlungen auf tödlich verstrahlter Erde leben, wenn wir uns so anpassen können, dass wir die Freiheit der gesamten Welt zu genießen imstande sind.«
»Das muss eine ziemlich beeindruckende Ideologie sein, die Sie da entwickelt haben, wenn Sie Menschen überzeugen, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.«
»Es ist
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