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Erebos

Erebos

Titel: Erebos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ursula Poznanski
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den Gesichtern war kein bekanntes. Nick atmete auf. Schon die gemeinsame Fahrt mit der U-Bahn war anstrengend gewesen, da Brynne ohne Punkt und Komma geredet hatte. Jetzt würden sie zusammen etwas trinken, Nick würde Brynnes Cola bezahlen und dann nichts wie ab nach Hause. Als Sieben die nächste Quest bestreiten.
    »… war gestern komplett mit den Nerven fertig. Ich glaube, sie hat bei irgendeinem Kampf ziemlich Federn gelassen.«
    Von wem war noch mal die Rede? Nick fragte nach und erntete einen glühenden Blick.
    »Hörst du mir denn nicht zu? Zoe, die Dicke aus der Siebten. Hat geheult, dass ihr die Rotze übers Gesicht gelaufen ist.« Brynne zog ein angeekeltes Gesicht. »Dann hat Colin ihr was ins Ohr geflüstert und es war Ruhe.«
    Colin schien seine Nase neuerdings in alles hineinzustecken.
    Eine Kellnerin mit drei Lippenpiercings nahm ihre Bestellungen auf. Zu Nicks Überraschung orderte Brynne ein Bier.
    »Ich steh auf Bier, du nicht?«, gurrte sie.
    »Hm«, sagte Nick und sah zur Seite. Wie lange musste er hier sitzen, damit der Bote es als vollwertiges Date gelten lassen würde? Die fünf Minuten, die er bisher abgeleistet hatte, waren vermutlich zu wenig. Mist.
    »Colin ist echt ein cooler Typ«, sagte Brynne in gespielter Nachdenklichkeit. »Beinahe so cool wie du, Nick.«
    Nick entfuhr ein gequälter Seufzer, den er sofort durch ein breites Lächeln wettzumachen versuchte. Sie sollte sich wohlfühlen, das war der Deal. Aber mal sehen – vielleicht fühlte Brynne sich auch auf Glatteis wohl.
    Er überprüfte noch einmal, ob sich unter den Gästen ein bekanntes Gesicht befand. Nein. Also war es einen Versuch wert.
    »Ich wüsste wirklich gern«, sagte er langsam, »unter welchem Namen Colin spielt. Hast du eine Idee?«
    »Ach, Nick«, sagte Brynne und legte eine heißfeuchte Hand auf seinen Arm. »Dafür bin ich nicht dumm genug.«
    »Wie meinst du das?«
    »Ich verstoße nicht gegen die Regeln. Es fliegt immer auf und dann wird es hässlich. Weißt du doch.«
    Nick widerstand dem Impuls, seinen Arm wegzuziehen.
    »Hier hört uns aber niemand.«
    »Kann man nie wissen.«
    Die Getränke kamen und Nick konnte seine Gliedmaßen unauffällig außer Reichweite bringen.
    »Was meinst du mit: Es wird hässlich? Man fliegt raus. Das ist natürlich großer Mist, aber –«
    »Warst du schon mal dabei, wenn sie einen Verräter geholt haben?«, unterbrach ihn Brynne. »Ich nämlich schon. Sie haben ihn geholt und … hingerichtet. Das passiert mit jedem, der sich auf Ortolans Seite schlägt.«
    Sie nippte an ihrem Bier, ohne ihn dabei aus den Augen zu lassen. Nick senkte seinen Blick in die dunklen Tiefen seines Colaglases.
    » Weißt du, wer Ortolan ist?«, fragte er. »Darüber können wir och reden, oder?«
    »Siehst du ein Feuer?«
    Offenbar war sie nun völlig durchgedreht. »Feuer? Wovon redest du?«
    Statt einer Antwort zog Brynne einen zerknautschten Zettel aus ihrer Tasche. »Ich habe die Regeln meistens bei mir, siehst du, hier steht es: Mit den Spielern kannst du dich, während du spielst, an den Feuern austauschen.«
    Sie zog ein Feuerzeug hervor, ließ ein Flämmchen herausspringen. »Jetzt müssen wir nur noch spielen«, flüsterte sie und fuhr mit ihrem Finger seinen Handrücken entlang. Das Gefühl war angenehm, solange Nick verdrängte, dass es von Brynne hervorgerufen wurde. Er schloss die Augen.
    »Ich könnte mir vorstellen, dass Ortolan ein Magier ist«, wisperte Brynne nahe an seinem Ohr. »Oder ein Drache mit drei Köpfen. Er ist auf jeden Fall sehr stark. Die Spieler im Inneren Kreis bekommen eine spezielle Ausbildung, damit sie später eine Chance gegen ihn haben.«
    Wäre nicht Brynnes Haremsparfum gewesen, hätte Nick sich vorstellen können, dass es Emily war, die seine Hand streichelte. Der Gedanke tat sofort weh, weil er ein Bild von Emily und Eric im Schlepptau hatte. Nick öffnete die Augen. Das Feuerzeug brannte immer noch und Brynne sah ihn voller Erwartung an. Nein, ich küsse dich nicht.
    »Na ja, lassen wir uns überraschen«, sagte er laut und griff nach seinem Glas.
    Einen Moment lang wirkte Brynne verunsichert, doch sie fing sich sofort wieder.
    »Was war heute mit Jamie los? Der ist vielleicht mit einem Gesicht herumgelaufen … Na ja, sein Gesicht ist sonst auch kein erfreulicher Anblick, aber heute …« Sie sah Nick verschmitzt an. »Hat er dir gesagt, was sein Problem ist?«
    »Nein.«
    »Ah. Ich dachte, ihr wärt so eng miteinander. Ist gar nicht so, oder? Finde ich

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