Extra scha(r)f
einem Türken einzulassen. Und das ist noch nicht alles.
»Was gibt es da zu grinsen?«, fragt Emily.
»Ich glaube, du hast mir einen Riesengefallen erwiesen, Em.«
»Ja?«
»Nun, nach dem Chaos, das die Georgious vorhin zu sehen bekommen haben, wird von einer Hochzeit zwischen Dino und mir sicher keine Rede mehr sein.«
Man kann die Georgious hören. Selbst durch die geschlossene Tür hindurch sind ihre Stimmen unten in der Diele laut und deutlich zu hören. Offenbar sind sie im Begriff zu gehen.
»Die nächste Mal du kaufst eine Jott Cee Vau«, sagt George, als würde er die Geschichte mit der Explosion glauben. Gott allein weiß, was er und Maroulla in Wirklichkeit denken.
Ich höre, wie die Haustür ins Schloss fällt. Ein kurzer Abschied - kurz und herzlich, völlig untypisch griechisch -, ohne dass der Name »Dino« fiel. Hmm, wahrscheinlich bin ich aus dem Schneider.
»Die Luft ist rein«, sage ich zu Emily. »Kommst du mit nach unten?«
Sie schüttelt den Kopf. Ich kann sie verstehen.
Als ich mich zur Tür drehe, sagt sie: »Willst du die wiederhaben?« Sie hält meine künstlichen Haare hoch, die sie mir vorhin ausgerissen hat.
»Nein, danke«, entgegne ich. »Ich war sie ohnehin leid. Zeit für eine neue Frisur.«
Mum saugt gerade die letzten Scherben auf, als ich in das Wohnzimmer zurückkehre. Dad sitzt in seinem Sessel. Der Fernseher steht wieder in der Ecke. Man könnte fast den Eindruck haben, als sei alles wieder wie immer, würden die Drähte und Platinen, die vorne aus dem Fernseher herausragen, nicht vom Gegenteil zeugen.
»Du hast gesprochen mit deine Schwester?«, fragt Dad.
»Ja.«
»Wie geht es ihr?«, fragt Mum, die jetzt den Staubsauger ausschaltet und sich auf das Sofa plumpsen lässt.
»Sie ist ziemlich fertig. Sie schämt sich, wie es sich gehört.«
»Danke, Charlie, dass du nach ihr geschaut hast«, sagt Mum.
»Ja, das war wirklich nett von mir, nicht?«, erwidere ich und fahre dabei mit dem Finger über den langen Kratzer auf meiner Wange.
»Ja, sogar sehr nett.«
»Also, rede«, fährt Dad schroff dazwischen. »Wer ist diese Schwein?«
»Nur ein Junge, den sie von der Schule kennt. Du brauchst dir keine Gedanken mehr zu machen. Sie wird sich nicht mehr mit ihm treffen.«
Ich könnte ihnen auch die Wahrheit sagen - schließlich hätte Emily das verdient nach den Prügeln, die sie mir verpasst hat. Aber heute ist schon genug Blut geflossen.
»Hmmpff«, schnaubt Dad. Sieht so aus, als wäre seine Mordlust ebenfalls verflogen. Er wird niemanden umbringen ... jedenfalls heute nicht mehr.
Ich setze mich neben Mum auf das Sofa. Keiner von uns sagt ein Wort. Wir starren alle stumm auf den Fernseher. Wahrscheinlich die Macht der Gewohnheit. Eine merkwürdige Erfahrung. Ich lebe nun seit vierundzwanzig Jahren unter diesem Dach und kann mich an keinen einzigen Moment erinnern, in dem die Glotze nicht lief. Der Erste, der aufsteht, schaltet sie morgens an, und der Letzte, der ins Bett geht, schaltet sie abends aus.
Tja, und nun sitzen wir ohne Fernseher da. Oh Gott, das heißt, wir müssen miteinander sprechen. Eine Unterhaltung führen. Ansichten zu diversen Themen austauschen, bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen.
Schweigend sitzen wir da ...
... Bis Mum plötzlich auf ihre Armbanduhr sieht und sagt: »Mist, jetzt verpasse ich Der Schwächste fliegt.«
»Ist nicht wichtig«, entgegnet Dad. »Ist mehr wichtig ich verpasse meine Serie. In die Moment ist sehr spannend. Die Vater weiß, seine Sohn und seine Tochter bekommen eine Baby, und jetzt spielt verrückt mit die Schrotflinte.«
Hmm, das kommt mir doch bekannt vor.
»Und ausgerechnet heute Abend läuft eine besonders gute Folge von Corrie «, bedauert Mum weiter.
Nun, das ist schon einmal ein Anfang. Der Anfang einer Unterhaltung, auch wenn das einzige Gesprächsthema das schmerzlich vermisste Fernsehprogramm ist. Ich beschließe, ein anderes Thema anzuschneiden. Es ist zwar riskant, aber ich muss wissen, woran ich bin. »Und, wann werden wir die Georgious wieder zu Gesicht bekommen?«, frage ich vorsichtig.
»Es ist vorerst nichts geplant, oder, Jimmy?«
»Wenn ich bin ehrlich, die Georgious gehen auf meine Geist«, erwidert Dad. »Sind immer hier. Ich will haben meine Ruhe zu Hause.«
»Vielleicht sollten wir mal eine Pause einlegen«, bemerkt Mum dazu.
Oh ja, die Hochzeit hat sich wohl erledigt.
»Gehst du morgen zur Arbeit, Charlotte?«, fragt Mum gleich darauf. »Die Dokumentation ist momentan bestimmt
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