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Frauen, die Geschichte machten

Titel: Frauen, die Geschichte machten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Reinhard Barth
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nicht, Uraufführungen dieser
     Rivalen zu besuchen wie etwa Shakespeares »Komödie der Irrungen« und »Ein Sommernachtstraum« und zu beklatschen. Der Name
     dieses Dichters steht für den einsamen Gipfel, den die dramatische Kunst im elisabethanischen England erreichte. Hätte die
     Königin nicht trotz massiver Proteste der Geistlichkeit die Öffnung der Bühnen auch für weltliche Stoffe durchgesetzt, der
     wohl bedeutendste Dramatiker der Neuzeit hätte sich nicht entfalten können.
    Das Theater war auch eine ihrer Leidenschaften in späteren Jahren, als sie nicht mehr reiten, tanzen und zur Jagd gehen konnte.
     Alle ihre Wegbegleiter waren gestorben. Dudley starb 1588 kurz nach dem Triumph über die Armada, Drake folgte ihm acht Jahre
     später. Cecil schloss 1598 für immer die Augen, die |136| so lange und so aufmerksam für sie Akten studiert und wachsam Gefahren beobachtet hatten. Sie regelte ihre Nachfolge, indem
     sie in Verhandlungen mit Jakob VI., dem Sohn ihrer unglücklichen Rivalin Maria und König von Schottland trat. Da er über den
     Vater Lord Darnley ihr Vetter war, kam er als nächster Verwandter, wenn auch aus dem Hause Stuart stammend, allein in Betracht.
     Die Staatsräte waren zufrieden, Elisabeth sah in ihm einen würdigen Nachfolger. Am 24. März 1603 starb sie in Richmond.

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Elisabeth Stuart
    Die Königin der Herzen

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Queen of the hearts
, Königin der Herzen, so wurde die 1997 tödlich verunglückte Prinzessin Diana genannt. Mit diesem Titel bezeichnen die Briten
     weibliche Mitglieder der Königsfamilie, die aufgrund ihrer Schönheit, ihres Charmes oder ihrer Güte die Sympathien des Volkes
     erobert haben. Bereits im 17. Jahrhundert genoss eine Prinzessin ähnliche Verehrung: Elisabeth Stuart, die Tochter des Königs
     Jakob I.
    Das Geschlecht der Stuarts, das zwischen 1603 und 1714 mehrere Könige und eine Königin stellte, war bei der Bevölkerung nicht
     sonderlich beliebt, es gab Bürgerkriege und Revolutionen. Elisabeths Popularität blieb in England aber unangefochten. Das
     mag daran liegen, dass der Schauplatz ihres politischen Wirkens hauptsächlich auf dem Kontinent lag und das Unheil, das damit
     verbunden war, auf der Insel wenig Folgen zeitigte.
    Elisabeth Stuart wurde am 19. August 1596 auf Schloss Falkland in Fifeshire (Schottland) geboren. Im Alter von sieben Jahren
     kam sie nach England, wo ihr Combe Abbey als Aufenthaltsort bestimmt wurde. Das Aufwachsen bei einer Adelsfamilie getrennt
     vom Hof war üblich für Prinzen und Prinzessinnen. Sie erhielt Unterricht in Französisch, Italienisch, Tanz, Gesang, Reiten
     – die übliche Ausbildung für ein junges Mädchen ihrer Herkunft. Die Prinzessin liebte Tiere über alles, sie schaffte sich
     zahlreiche kleine Hunde und Affen an, und man konnte ihr kein größeres Vergnügen machen, als ihr immer noch weitere zu schenken.
    Will man den Berichten der Zeitgenossen glauben, war das schöne und temperamentvolle Mädchen schon in früher Jugend imstande,
     jeden zu betören, der in ihre Nähe kam. Wie unter den damaligen Verhältnissen im Hochadel üblich, wurde um ihre Verheiratung
     lange verhandelt. Nacheinander waren der französische und der spanische Thronfolger, schließlich auch Gustav Adolf von Schweden
     als möglicher Ehemann im Gespräch. Die Wahl fiel schließlich auf Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz. Der Brautvater Jakob
     I. sah in dieser Verbindung seinen Einstieg in die so genannte Union, ein Bündnis, das die protestantischen Stände Deutschlands
     als Gegengewicht gegen die Machtansprüche der katholischen Habsburger gegründet hatten. Und der junge Mann tat, wie ihm geheißen,
     eigene, politische Ideen hatte er nicht. Ahnungsvoll äußerte sich sein Onkel und Erzieher, der Herzog von Bouillon, über seinen
     Schützling: »Das Höchste, was wir erreichen werden, ist, dass er gutem Rat |139| folge. Aus sich wird er nie eine Entscheidung treffen, noch etwas Bedeutendes unternehmen.«
    Der Bräutigam traf im Oktober 1612 mit einem Gefolge von 150 Personen in London ein und beeindruckte alle, die ihn sahen,
     die Braut eingeschlossen. Bei der Hochzeit im folgenden Jahr wurde nicht gespart, allein die Inszenierung einer Schlacht kostete
     9000 Pfund.
    Die aus nüchternen, politischen und dynastischen Zwecken gestiftete Ehe gedieh zur Liebesheirat. Das Paar lebte in ständigen
     Flitterwochen und schwelgte in Neckereien, gespielten Krächen und Versöhnungen. Elisabeth warf

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