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Georgette Heyer

Georgette Heyer

Titel: Georgette Heyer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Junggesellentage
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Auch seine Konversation machte großen Eindruck auf sie, und
es schmeichelte ihr, daß er voraussetzte, sie wüßte über die Persönlichkeiten
und die on-dits der eleganten Welt ebenso Bescheid wie er. Wäre er und
nicht Lindeth der Peer gewesen, sie hätte ihn vorgezogen, weil er so modisch
war und weil er sie nie mit Erzählungen über sein Landhaus langweilte, was
Lindeth oft tat.
    Sie hätte
ihn auf jeden Fall gerne an ihre Schürzenbänder geheftet, weil es sie quälte,
daß irgendein junger Mann (selbst ein so unbedeutender wie Humphrey Colebatch)
sich entweder unempfänglich für ihre Reize zeigte oder gar verriet, daß er eine
andere vorzog. Im Falle Laurence gab es noch einen Grund, seine Courtoisien zu
ermuntern; sie hatte entdeckt, daß Lindeth seit den Ereignissen in Leeds eine
gewisse Zurückhaltung an den Tag legte, vermutliche Rivalen wie Mr. Ash, Mr.
Jack Banningham und Mr. Arthur Mickleby nichtbeachtete, aber sie konnte nicht
glauben, daß er der Konkurrenz seines modischen Cousins gleichgültig
gegenüberstehen werde. Es war ihr sofort klar, daß er Laurence nicht mochte.
Nicht, daß er ein herabsetzendes Wort geäußert hätte, sondern weil er, wenn
man ihn fragte, in kühlen Worten von ihm sprach, die sich sehr von dem
auffallenden Enthusiasmus, mit dem er von seinem anderen Cousin sprach,
unterschieden. Da aber Tiffany Laurence sehr bewunderte, zögerte sie nicht,
Julians Abneigung der Eifersucht auf sie zuzuschreiben. Es kam ihr gar nicht in
den Sinn, daß Lindeth
seinen Cousin einfach nicht mochte, und hätte es ihr jemand gesagt, sie hätte
es nicht geglaubt.
    Als Lindeth
einmal Besuch in Staples machte, sagte sie ihm mit einem herausfordernden Blick
hinter ihren langen Wimpern, daß sein Cousin seine Dienste angeboten hatte, als
er erfuhr, daß sie zwar eine vollendete Reiterin sei, aber nie jemanden
gefunden hatte, der ihr den tadellosen Gebrauch der Zügel hätte beibringen
können.
    Lindeth
blickte sie erstaunt an.
    «Mr. Calver
sagt, er wollte mich kutschieren lehren, daß die Pferde auf den Zoll genau
gehorchen», sagte sie mit ihrem kecksten Lächeln. «Laurence?» fragte er mit
sonderbarem Gesichtsausdruck.
    «Warum
nicht?» gab sie mit erhobenen Brauen zurück.
    Er öffnete
den Mund, schloß ihn wieder und wandte sich, um seinen Hut und seine Handschuhe
zu nehmen.
    «Nun»,
sagte Tiffany, mit dem Erfolg ihres Angriffs zufrieden, «haben Sie eine
Einwendung?»
    «Nein,
nein, keine einzige», sagte er eilig. «Wie sollte ich? Nur – ich – aber kümmern
Sie sich nicht darum!»
    Das
genügte, Tiffany in ihrem Glauben zu bestärken, daß sie den Dämon der
Eifersucht in seiner Brust geweckt hatte. Sie wußte nicht, daß Seine Lordschaft
(den Laurence einen Dudelsack nannte) die erste Gelegenheit ergriff, seinem
Cousin Waldo den Witz zu erzählen, der zu saftig war, um ihn bei sich zu
behalten. «Ich weiß nicht, wie ich meine Fassung bewahren konnte. Laurie lenkt
auf Abstand eines Zolles! O Gott! Ich werde noch krank, wenn ich länger lache!»
    Aber
Tiffany, die keine Ahnung hatte, daß sie Lindeth reichlich Stoff zum Lachen
geboten hatte, war zufrieden. Ihre früheren Bewunderer, die düster, aber ohne
Groll Lindeth' Stern aufgehen sehen hatten, empfanden heftige Eifersucht gegen
Laurence; sie sah daher nicht ein, warum Lindeth nicht ähnlich empfinden
sollte. Tagelang war sie berauscht von ihrem Erfolg, hielt sich für
unwiderstehlich und herrschte wie eine Königin über ihren Hofstaat, mit stets
wachsender Launenhaftigkeit. Da sie sich – wie Mrs. Mickleby – über den
angeblichen Grund für die täglichen Besuche des Unvergleichlichen nicht den
Kopf zerbrach, hatte sie auch nicht einen Moment lang vermutet, daß er ihre
Gesellschafterin ihrem unnachahmlichen Selbst vorziehen würde; sie war sicher,
daß auch er ihr nicht widerstehen könne. Das schien ihr selbstverständlich, und
sie dachte nicht darüber nach, daß sein Benehmen, wenn er nach Staples kam,
keinesfalls dem eines Mannes glich, der ihrem Charme erlegen war. Da sie ihn
für unberechenbar hielt, vermutete sie, daß er schon zufrieden war, sie nur
anzusehen.
    Courtenay,
der aufgebracht von ihrer Überheblichkeit und böse auf seine
Freunde war, weil sie solche Narren aus sich machten, sagte ihr, sie sei nicht
besser als ein gewöhnliches leichtes Mädchen, und er prophezeite ihr, daß ihr
Hochmut zu Fall kommen werde. Da sie darüber lachte, versicherte er ihr, daß
Lindeth bloß der erste war, der von ihr abgestoßen

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