Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
Menge Indianer, alle bewaffnet, mit ihren Trommeln und andern Instrumenten, die sie mit in den Kampf nehmen, herannahen. Sie
hatten sich in mehrere Haufen getheilt und so das Lager in die Mitte genommen. Als es nun heller Tag geworden war und sie
auf das Lager losstürzten, gab der Statthalter Befehl sie tapfer zu empfangen. Bei dem ersten Angriffe wurden mehrere unserer
Leute und Pferde verwundet; daaber unser Herr und Gott die, welche in seinem Dienste handeln, in der Noth begünstigt und unterstützt, so wurden die Indianer
geschlagen und ergriffen die Flucht. Die Reiterei verfolgte die Flüchtigen und hieb nieder und verwundete so viel sie konnte,
so daß eine große Anzahl Feinde den Tod fanden. Darauf kehrte sie in das Lager zurück, weil die Pferde ermüdet waren, denn
die Verfolgung hatte vom Morgen bis zum Mittag gedauert. Am folgenden Tage theilte der Statthalter seine Mannschaft in mehrere
Haufen, um den Feind auf der ganzen Insel aufzusuchen und ihn zu bekriegen. Darüber vergingen zwanzig Tage und die Eingeborenen
wurden derb gezüchtigt. Zehn der Vornehmsten wurden nebst dem Caziken gefangen, von denen der letztere aussagte, daß sie ihn
zur Anzettelung des Aufstandes verleitet hätten, daß er selbst nur Theil daran genommen hätte, weil er sie von ihrem Vorhaben
nicht habe abbringen können. Der Statthalter hielt Gericht über sie und ließ theils sie verbrennen, theils ihnen die Köpfe
abschlagen. Wegen des Aufstandes und des Verrathes, welchen der Cazike und die Indianer der Insel Santiago sich hatten zu
Schulden kommen lassen, wurde der Krieg so lange gegen sie fortgesetzt, bis sie sich gezwungen sahen die Insel zu verlassen
und nach dem festen Lande überzugehen. Da aber die Insel sehr bevölkert, fruchtbar und reich war und sie der Statthalter nicht
völlig verderben wollte, so entschloß er sich den Caziken in Freiheit zu setzen, um die zerstreuten Bewohner zu sammeln und
sie zur Wiederbevölkerung der Insel zu vermögen. Der Cazike, welchem man in dem Gefängnisse alle mögliche Achtung bewiesen
hatte, war sehr erfreut darüber und wollte für die Zukunft gern Sr. Majestät dienstbar seyn.
6. Ueberfahrt nach Tumbez. Ermordung einiger Spanier. Züchtigung der Eingebornen. Friedlicher Verkehr mit dem Caziken von
Tumbez.
Da man nun aus dieser Insel keinen weiteren Vortheil ziehen konnte, so reiste der Statthalter mit einer Anzahl von Leuten
und Pferden, welche die drei vor Anker liegenden Schiffe fassen konnten, nach dem Orte Tumbez, welcher zur Zeit noch Frieden
hielt, ab; die übrige Mannschaft blieb unter den Befehlen eines Hauptmanns, bis die zurückkehrenden Schiffe sie abholen konnten.
Um die Ueberfahrt in kürzerer Zeit zu bewirken, kamen auf Befehl des Statthalters Flöße von Tumbez, welche der Cazike schickte,
und auf einem derselben gingen drei unserer Leute mit einigen Waaren voraus. Nach drei Tagen landeten auch die Schiffe an
dem Gestade von Tumbez. Als der Statthalter ans Land stieg, fand er dieBevölkerung der Oerter in vollem Aufruhr, und von einigen Indianern, die man erhaschte, erfuhr man, daß die Leute mit den
Waaren, welche sich auf den Flößen befanden, aufgegriffen und eingesteckt worden seyen. Sobald die Leute und Pferde am Land
waren, ließ der Statthalter die Mannschaft, welche auf der Insel zurückgeblieben war, abholen. Er selbst legte sich mit den
bei ihm befindlichen Leuten in dem Wohnorte des Caziken in zwei befestigte Häuser, von denen das eine einer Burg glich. Darauf
gab er Befehl die Gegend zu durchstreifen und auf einem Flusse, welcher zwischen diesen Oertern hinfließt, aufwärts zu gehen,
um über die Leute, welche auf den Flößen gefangen worden waren, Nachricht einzuziehen und zu versuchen ihrer habhaft zu werden,
ehe die Indianer sie tödteten. So große Mühe sich aber auch die Spanier sogleich nach ihrer Landung gaben die Umgegend zu
durchforschen, so konnten sie doch weder die drei Leute finden noch etwas von ihnen hören. Die ausgeschickte Mannschaft war
mit allen Lebensmitteln, die man erhalten konnte, auf zwei Flößen vertheilt und nahm einige Indianer gefangen, welche der
Statthalter als Boten zu dem Caziken und zu einigen Vornehmen schickte, um ihnen von Seite Sr. Majestät kund zu thun, daß
sie friedlich zu ihm kommen und die drei Leute, ohne ihnen Böses oder Schaden zuzufügen, mitbringen möchten, er wolle sie
alsdann, obschon sie bereits ihre Pflicht übertreten hätten,
Weitere Kostenlose Bücher