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Hiobs Brüder

Titel: Hiobs Brüder Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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Euch?«, konterte der junge de Clare.
    »Nun, ein wenig geheimnisvoll ist meine Mission auch.« Becket klopfte auf die Ledertasche, die halb unter dem Mantel verborgen an seiner Seite hing. »Ich bringe dem Herzog der Normandie ein paar brisante Neuigkeiten.«
    Simon und die Zwillinge tauschten einen verwunderten Blick. Mehr aus alter Gewohnheit entgegnete Simon: »Und ich war sicher, König Stephen sei der Herzog der Normandie.«
    Die schmalen, geraden Brauen fuhren in die Höhe. »Du meine Güte, wo habt Ihr gesteckt, de Clare? In einem Erdloch? Der Graf von Anjou hat die Normandie erobert und den Herzogstitel schon vor drei Jahren angenommen.«
    Simon nickte seufzend. »Ja, ich weiß.«
    »Ob er ein Recht dazu hatte, darf man in Zweifel ziehen, selbst wenn er behauptet, nur das Recht seiner über alles geliebten Gemahlin, Kaiserin Maud, auszuüben. Aber wie dem auch sei. Der König von Frankreich hat ihm einen Lehnseid für die Normandie abgenommen. Das nennt man Fakten schaffen.«
    »Ja, Monseigneur, auch das ist mir bekannt.«
    »Und ich sehe, Ihr wisst nicht so genau, was Ihr davon halten sollt. Ehrlich gesagt, ich beneide Euch Edelleute nicht, die Ihr Euch für eine Seite entscheiden müsst. Wenigstens hin und wieder. Da haben wir Kirchenmänner es leichter.«
    »Ihr seht nicht aus wie ein Priester«, befand Godric.
    »Das bin ich auch nicht. Und keineswegs sicher, ob ich das je werden will.« Mit einem beinah verliebten Blick betrachtete er seine edlen Stiefel und das kostbare Schwert an der linken Seite. »Ich stehe im Dienst des Erzbischofs von Canterbury, der ein sehr großzügiger Gönner und Förderer meiner nicht unbeträchtlichen Talente ist, aber der Priesterweihe bin ich bislang entronnen.« Er sah in die drei verständnislosen Gesichter, und ihre Mienen schienen ihn zu amüsieren. Dann erklärte er seine eigenartige Position: »Mein Vater war Kaufmann und kam als normannischer Einwanderer nach London. Er brachte es schnell zu ziemlich viel Geld, und bald gehörte ihm halb Cheapside. Aber all die hübschen Häuser gingen in Rauch auf, und über Nacht waren wir bettelarm. Also brauchte ich plötzlich Arbeit. Ich habe eine Zeit lang einem Londoner Bankier die Bücher geführt, aber vor zwei Jahren konnte ich in den Haushalt des Erzbischofs wechseln. Das ist eine weitaus reizvollere Stellung. Und weil ich wieder einmal meine große Klappe aufreißen musste und behauptet habe, ich sei durchaus in der Lage, eine diplomatische Mission zu erfüllen, hat er mich nun zu dem fürchterlichen Geoffrey von Anjou geschickt.« Er klopfte kurz auf seine Ledertasche. »Aber was ist mit Euch? Irgendetwas lässt mich ahnen, dass Eure Geschichte viel interessanter ist als meine.«
    Während die Leinen losgemacht wurden und das Schiff ablegte, berichteten Simon und die Zwillinge abwechselnd. Von der Insel, der Flucht von dort und so weiter.
    »Alan of Helmsby?«, unterbrach Becket erstaunt, als der Name fiel. »Du meine Güte. Illustre Freunde habt Ihr.«
    »Ihr kennt ihn?«, fragte Wulfric.
    »Nein. Aber natürlich habe ich von ihm gehört. Mauds schärfstes Schwert. Und er schickt Euch in die Normandie?«
    »Nein«, erwiderte Simon und zögerte einen Moment. Dann traf er seine Entscheidung. »Wenn Ihr die Wahrheit wissen wollt, Master Becket: Wir wollen uns auf die Suche nach Henry Plantagenet machen und uns ihm anschließen. Auf unserer Wanderung durch England ist er uns praktisch in die Arme gelaufen.« Der Rest war schnell erzählt. »Mir ist ein wenig unheimlich bei dem, was ich tue«, gestand er zum Schluss, »denn mein Vater hat mich gelehrt, dass Stephen der rechtmäßige König ist und ich treu zu ihm stehen muss. Mein Vater ist tot, und es fühlt sich abscheulich an, gegen seine Wünsche zu verstoßen. Aber ich habe König Stephen gesehen …« Er brach ab. Er brachte es einfach nicht fertig, zu beschreiben, wie er den König vorgefunden hatte.
    Aber das erwies sich als unnötig. Becket nickte. »Ja, ich weiß«, sagte er leise, mit einem Mal sehr ernst. »Ihr solltet Euch nicht gar zu sehr grämen, weil Ihr einen anderen Weg eingeschlagen habt als Euer Vater, de Clare. Was England braucht, haben weder König Stephen noch Kaiserin Maud. Das glaubt übrigens auch Erzbischof Theobald.«
    Simon sah ihn unsicher an. »Und das ist der Grund für Eure Reise zum Herzog der Normandie?«, fragte er.
    »Sagen wir es mal so: Ich glaube kaum, dass der Erzbischof seinem Amtskollegen in Winchester, König Stephens Bruder,

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