Im Namen des Todes: Roman (German Edition)
gewähren, werde ich sicher wissen, ob ich es mit Flores zu tun habe oder mit einem Hochstapler. Und falls es ein Hochstapler ist…«
» …ist Flores wahrscheinlich seit gut sechs Jahren tot.« Roarke strich mit einem Finger über ihr Gesicht. » Weshalb du dich auch für ihn zuständig fühlen wirst.«
» Er hätte indirekt was mit dem Fall zu tun, also… ja«, räumte sie ein. » Dann fiele auch er in meinen Zuständigkeitsbereich. Der Lebenslauf von Flores sieht solide aus. Also, lass mich dir eine Frage stellen. Wenn du dich– dich und vielleicht irgendetwas– verstecken wolltest, weshalb dann nicht als Priester?«
» Da wäre zum einen diese Geschichte mit der Hölle und zum anderen wären da all die Pflichten, die man erfüllen müsste, um in dieser Rolle glaubwürdig zu sein. Die Vorschriften, die Rituale und weiß Gott was es bei den Katholen sonst noch alles zu beachten gilt.«
» Ja, aber die Vorteile wären nicht zu verachten. Wir sprechen von einem Priester ohne eigene Familie, dessen geistiger Vater, wenn wir ihn so nennen wollen, vor sechs Jahren im Sterben lag. Einem Priester, der sich über ein Jahr von seinem Job hatte beurlauben lassen und keine engen Bindungen an wen auch immer hatte. Also hat man ihn umgebracht– oder er ist passenderweise im richtigen Moment von selbst gestorben–, hat seinen Ausweis und seine anderen Besitztümer an sich gebracht, sein Gesicht verändern lassen, damit man ihm möglichst ähnlich sieht, oder sich einfach ein neues Passfoto besorgt.«
» Hast du dir die alten Fotos von ihm angesehen?«
» Ja. Er ist der tote Mann, oder war es zumindest vor zehn Jahren. Allerdings«, sie bedachte Roarke mit einem nachdenklichen Blick, » bräuchte man einen echten Fachmann oder jede Menge Geld, um einen echten Fachmann anzuheuern, der einen alten Pass so manipuliert, dass er problemlos durch die Scanner geht.«
» Das stimmt.«
» Ebenso bräuchte man einen echten Fachmann, um zu überprüfen, ob– wer auch immer die alten Ausweise verändert hat– irgendwelche Spuren hinterlassen hat.«
» Das stimmt ebenfalls.« Er klopfte mit dem Zeigefinger unter ihr Kinn. » Und, hast du nicht echtes Glück, dass du einen solchen Fachmann näher kennst?«
Sie beugte sich ein wenig vor und gab ihm einen Kuss. » Erst bestelle ich uns etwas zu essen. Wie wäre es mit etwas Mexikanischem?«
» Olé!«
Sie aßen auf der Terrasse, spülten die Mole Poblane mit kaltem mexikanischen Bier herunter und das wunderbar legere Mahl, die milde Abendluft und das Flackern der Kerzen auf dem Tisch kamen Eve wie der totale Luxus und zugleich irgendwie typisch für Eheleute vor.
Echt nett.
» Wir waren schon eine ganze Weile nicht mehr in unserem Haus in Mexiko«, bemerkte Roarke. » Wir sollten mal wieder ein paar Tage frei machen und hinfliegen.«
Eve legte ihren Kopf fragend auf die Seite. » Waren wir schon überall, wo du ein Haus besitzt?«
Eindeutig amüsiert trank er einen Schluck aus seiner Bierflasche und schüttelte den Kopf. » Noch nicht.«
Hatte sie sich’s doch gedacht.
» Vielleicht sollten wir erst einmal alle deine Häuser abklappern, bevor wir allzu oft an einen Ort fahren.« Sie griff sich eine Handvoll Nachos und tauchte sie in die Salsa, die so scharf war wie ein ausgewachsener Dobermann. » Warum hast du eigentlich kein Haus in Irland?«
» Ich habe diverse Immobilien dort.«
Die Salsa machte aus ihrem Mund ein Kriegsgebiet, und trotzdem tauchte sie die nächsten Nachos in die Sauce ein. » Hotels, Geschäfte, Grundstücke. Aber kein eigenes Haus.«
Er dachte kurz darüber nach und überraschte sich dann selber mit der Antwort, die er darauf gab. » Als ich Irland verließ, habe ich mir versprochen, erst dorthin zurückzukehren, wenn ich alles erreicht hätte, was mir jemals wichtig war. Macht, Geld und, obwohl ich mir das damals bestimmt nicht eingestanden habe, eine gewisse Respektabilität.«
» All das hast du doch längst erreicht.«
» Ich bin ja auch dorthin zurückgekehrt und fliege inzwischen beinahe regelmäßig hin. Aber ein Haus, nun, das ist ein Statement, findest du nicht auch? Etwas, wodurch man gebunden ist. Selbst wenn man noch ein Heim woanders hat, schafft ein Haus eine solide, spürbare Verbindung. Dazu bin ich noch nicht bereit.«
Sie nickte verständnisvoll.
» Würdest du ein Haus in Irland wollen?«, fragte er.
Sie brauchte nicht zu überlegen, und sie war von ihrer Antwort auch nicht überrascht. Nicht, als sie ihm in die Augen
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