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In Nomine Mortis

In Nomine Mortis

Titel: In Nomine Mortis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Cay Rademacher
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Reise zur
     Hölle«, vollendete ich. »Nun, Gernot, seid versichert:
     Wenn Ihr einen Inquisitor anlügt, dann reist Ihr ganz sicher zur Hölle.«
    Er hob abwehrend die Hände,
     dann schlug er hastig ein Kreuz. »Nein, ich schwöre es bei der
     Seele meiner Mutter: Ich weiß nicht mehr über diese Reise als
     das, was ich Euch bereits gesagt habe.« So kam ich denn, unauffällig
     genug, wie ich hoffte, auf das eigentliche Anliegen meines Besuches auf
     der Kogge zu sprechen. »Vielleicht segelt Ihr zum Land der Periöken?«,
     fragte ich. Gernot sah mich mit erstaunten Augen an. »Wo soll das
     liegen, Herr?«
    »Ihr kennt es nicht?«,
     erwiderte ich enttäuscht. »Ich habe nie davon gehört.«
     Nun floss der Schweiß in dicken Strömen von seinem Haupt.
     »Sagt, ist dies das Land des Satans?«
    »Nein«, rief ich
     hastig und schlug nun meinerseits das Kreuz. »Das glaube ich nicht.
     Ich hatte nur gehört, dass es ein fernes Land sei. Und da die
     ›Kreuz der Trave‹ für eine weite Reise vorbereitet
     wird, dachte ich, dass ihr Ziel vielleicht dort läge. Es war nur so
     ein Gedanke von mir, der ich noch nie zur See gefahren bin.«
    Der Steuermann schüttelte
     den Kopf. »Ich habe von Meerjungfrauen gehört und von riesigen
     Kraken, die aus den Tiefen emporsteigen und Schiffe verschlingen. Von
     bretonischen Fischern hörte ich, die Wale jagen und mitten im Ozean
     tote Ratten treiben sahen. Und von Gras, das auf den Wogen wächst und
     Segler festhält, bis die Mannschaft an Bord verdurstet ist.
    All dies habe ich selbst noch
     nie gesehen und hoffe auch, es niemals zu erleben. Doch gehört habe
     ich schon davon. Das Land der Periöken aber kenne ich nicht. Noch nie
     hat jemand zu mir von diesem Land gesprochen«, versicherte er
     erneut. »Und ich glaube nicht, dass Schiffe dorthin segeln.
     Zumindest keine Schiffe der Christenheit.« Ich nickte und dankte
     ihm. Niedergeschlagen wollte ich schon die Kogge verlassen, weil sich
     wieder eine Spur, der ich zu jenem geheimnisvollen Land der Periöken
     gefolgt war, in Nichts aufgelöst hatte.
    Dann, einer Eingebung
     folgend, drehte ich mich an der Planke noch einmal um und rief den
     Steuermann mit einer Geste zu mir. »Traut Ihr mir, Gernot?«,
     fragte ich ihn mit leiser Stimme, sodass uns niemand belauschen konnte.   
    »Ja, Herr«,
     versicherte der vierschrötige Steuermann eifrig und nickte dabei so
     stark, dass sein wallendes, rotes Haar am Kopf züngelte wie Flammen.
    »Gut, dann müsst
     Ihr mir etwas versprechen.«
    »Alles, was Ihr
     befehlt, Herr!«
    »Sorgt Euch nicht«,
     beruhigte ich ihn. »Ich möchte nur, dass Ihr mir eine Botschaft
     zukommen lasst, sobald Euch Herr Helmstede sagt, wann die Reise losgeht
     — und wohin sie Euch führen soll. Könnt Ihr nicht selbst
     kommen, dann schickt mir Euren vertrauenswürdigsten Matrosen. Der
     Segen des HERRN wird auf dieser Fahrt ruhen, wenn Ihr Euch nur rechtzeitig
     offenbart.«                  
    »Das werde ich«,
     versprach Gernot der Steuermann und legte zur Bekräftigung seine
     massige Hand auf das Herz.
    *
    Müde schlich ich schließlich
     zurück zum Kloster in der Rue Saint-Jacques. Ermattet war ich von den
     Spielen der Sünde, zu denen mich Klara Helmstede verführt hatte;
     erschöpft an Geist und Seele von den immer neuen Rätseln, die
     sich mir auftaten; niedergedrückt von der Hitze und der Angst und dem
     Zorn, die in den Straßen herrschten. Doch später, in meiner
     Zelle, wollte ich keinen Schlaf finden. Ich hatte mich mit Wasser und Brot
     gestärkt und mit meinen Brüdern die vorgeschriebenen
     Gottesdienste besucht. Den Staub hatte ich mir von den Füßen
     gewaschen. Bruder Malachias hatte mir in Augen und Rachen geblickt und
     mich für wieder vollständig genesen befunden. Meister Philippe
     war nirgendwo zu sehen, niemand wusste, wo er sich befand. Ich hätte
     mich ohne schlechtes Gewissen auf meine Pritsche legen und meine müden
     Glieder ausstrecken können. Doch ich fand keine Ruhe. Während
     draußen das Dunkel der Nacht wie eine Decke Paris überwölbte,
     lauschte ich nach verdächtigen Geräuschen. Das Kloster jedoch
     schlief und war still wie eine Gruft. Ich dachte an die Reedersgattin und
     erinnerte mich unserer Stunden der Wollust. Doch selbst dies vermochte
     meinen unruhigen Geist nicht abzulenken. Ständig quälte mich die
     eine Frage: Was bedeutet terra perioecp.
    Seeleute, so viel glaubte ich
     nun sicher zu wissen,

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