Kryson 02 - Diener des dunklen Hirten.epub
Drachen seines Vaters gegenüber, den er seit seiner Kindheit kannte, und der Geist der Drachen sprach zu ihm. Zwischen den Worten des Haffak Gas Vadar kniff sich Sapius in den Arm, um sich zu vergewissern, dass er wirklich nicht träumte. Die Stimme der Drachen fuhr fort: »Wir beobachteten das Ringen der Lesvaraq um das Gleichgewicht, erschraken über die plötzlich entfesselten Naturgewalten während der Kämpfe. Ulljan und Pavijur waren die letzten Lesvaraq. Das Unvermeidliche geschah. Ein schrecklicher Unfall mit Folgen. Ulljan tötete den Lesvaraq des Lichts. Zu allem Unglück gab es keinen Nachfolger. Das Gleichgewicht war in Gefahr. Ulljan wusste das und musste handeln. Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Ulljan zog die Saijkalrae heran. Ein Fehler, den er entweder übersehen hatte oder zur Wahrung des Gleichgewichts bewusst in Kauf nahm. Im Hass geboren, zerfressen von Neid, Eifersucht und Machtgier zerstörten die falschen Brüder Ulljan mitsamt seinem Geist und rissen die Herrschaft an sich. Eine Schreckensherrschaft, der nur die Tartyk in der Abgeschiedenheit des Südgebirges und durch den Schutz der Drachen widerstehen konnten. Es gelang den Brüdern, starke Jünger um sich zu scharen, die mit ihrem Leben und ihrer Seele für die Sache der Saijkalrae eintraten. Die ersten Saijkalsan trugen bekannte Namen. Haisan, Hofna, Quadalkar, Kallahan und Rajuru gehörten zu den Dienern. Einige unter ihnen wurden zur lebenden Legende. Die Saijkalrae bündelten die Macht der Magie in ihren heiligen Hallen. Sie beschränkten den Zugang und entzogen dadurch den Völkern der Altvorderen die Grundlage für ihre Stärke.
Jedes dieser Völker hatte eine eigene Art, das Magische zu interpretieren. Die Burnter waren unschlagbar im Umgang mit Erde, Stein und Fels, dem Stoff, aus dem sie geboren waren. Der Natur aufs Tiefste verbunden, eng mit den Wäldern, den Tieren und dem Wasser nahe, waren die Naiki. Kein anderes Wesen läuft so ausdauernd wie ein Waldläufer. Die Nno-bei-Maya beteten die Sonnen Krysons an. Sie beherrschten die Sprache der Pferde und ihre Kunst war der Umgang mit Feuer, Stahl und dem Kampf. Den Tartyk gehörten die Luft und die Verbindung zu den Drachen. Nur wenig später erstarkte ein neues Volk, die Nno-bei-Klan. Dieses Volk stammt von den Nno-bei-Maya ab. Alleine die Namensähnlichkeit beweist diesen Umstand und doch fehlt ihnen die magische Begabung der Altvorderen. Alles, was ihnen an Magie fehlte, glichen sie durch Fruchtbarkeit, Neugierde, Eroberungslust und Tatendrang aus. Sie verbreiteten sich rasch über den ganzen Kontinent, gründeten Siedlungen, Dörfer und Städte. Ruitan Garlak hieß ihr erster Anführer. Er verabscheute die Magie und die Völker der Altvorderen, wie er alles ablehnte, was er nicht kannte oder nicht verstand.
Die Eisenhand, wie er auch genannt wurde, einte die sich rapide vermehrenden Stämme der Nno-bei-Klan und schuf eine große Streitmacht, mit der er gegen die Altvorderen vorging und sie bis zu seinem Gifttod mit aller Härte aus ihren angestammten Gebieten vertrieb. Mit dem Schwinden der Macht, das seinen Grund in den Saijkalrae hatte, waren die einst magischen Völker den Angriffen beinahe schutzlos ausgeliefert. Die wenigen Überlebenden flohen und versteckten sich vor den Übergriffen des unerbittlichen Eroberers. Ruitan Garlak wurde nebenbei von der Inquisition der Praister begleitet, deren Ansinnen es war, jegliche Magie – außer ihrer eigenen, aus der Verehrung der Kojos stammenden – zu bannen. Sie konzentrierten sich auf den Kampf gegen die Diener der Saijkalrae. Quadalkar und Kallahan zählten zu ihren berüchtigsten Opfern, die durch Verrat in Gefangenschaft gerieten und in den Folterkammern der Inquisition bis aufs Blut gequält wurden. Beide entkamen ihren Peinigern. Während Kallahan Zuflucht in der Einsamkeit der Berge suchte und sich von den Sterblichen zurückzog, war Quadalkar durch die Folter dem Wahnsinn verfallen. Die Drachen weinten, als sie Quadalkars Rache und den Zerfall der Klanlande mit ansehen mussten. Die Wut der Zerstörung war ohnegleichen. Es gab kein Zurück, schließlich wandte er sich sogar gegen seine Herren, besiegte die Leibwächter Haisan und Hofna und schickte die Brüder Saijrae und Saijkal in den ewigen Schlaf. Doch zuvor traf ihn der Fluch des dunklen Hirten, der ihn und seine Kinder zu einem vom Blut der Sterblichen abhängigen Wesen der Dunkelheit machte. Sie zogen sich in das raue Vorgebirgsland des Riesengebirges zurück.
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