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Lennox 01 - Lennox

Titel: Lennox 01 - Lennox Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Craig Russell
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gesprochen hatte. Von dort ging es zu vier Schlafzimmern. Jedes war leer. Ein eigentümlicher Geruch aus kaltem Tabakrauch, Parfüm und Whisky hing in der Luft. Irgendwo spielte leise ein Radio. Oben. Ich rief nach Parks, bekam aber keine Antwort. Eine beschnitzte Treppe führte ins Obergeschoss, wo Parks seine Privaträume haben sollte.
    Als ich das obere Ende der Treppe erreichte, wurde das Dekor weniger aufdringlich und geschmackvoller. Die Musik aus dem Radio war nun lauter: Guy Mitchell machte mir klar, dass sie – wer auch immer »sie« war – rote Federn trug. Ich folgte dem Treppenabsatz und kam in ein großes helles Wohnzimmer. Die Wände waren weiß und mit gerahmten Drucken und Plakaten verschiedener Theateraufführungen behängt. Die Einrichtung war modern und geschmackvoll und stand erneut in Kontrast zu der künstlichen, reißerischen viktorianischen Verruchtheit des Dekors im »Arbeitsbereich« des Hauses.
    »Guten Morgen, Arthur«, sagte ich zu Parks. Er antwortete nicht. Doch damit hatte ich auch nicht gerechnet. Kaum war ich in das Wohnzimmer gekommen und hatte Parks in die Augen geblickt, hatte ich schon gewusst, dass nur einer von uns noch sehen konnte.
    Er saß mitten im Zimmer. Jemand hatte Couchtisch und Sofa auf die Seite geschoben, damit genug Platz war, um Parks zu bearbeiten, den sie an einen Küchenstuhl gefesselt hatten. Und bearbeitet hatten sie ihn im Sinne des Wortes. Sein Kiefer stand in völlig falschem Winkel zu seinem Gesicht. Vielleicht hatten sie versucht, seinen Fehlbiss zu richten. Sein Gesicht war zum größten Teil zu purpurnen Beulen aus aufgeblähtem Fleisch geschwollen. Es dauert eine Weile, bis eine Prellung zu dieser Größe angeschwollen ist, und ich vermutete, dass Parks’ Mörder viel Zeit mitgebracht hatten.
    Parks trug nur seine Weste und seine Unterhose, und unter seinem Stuhl war der helle Teppich mit Blut und Urin befleckt. Seine Zunge hing über den ausgerenkten Kiefer, und seine Augen glotzten mich an, als wollten sie es noch einmal mit aller Deutlichkeit sagen: Ich bin tot. Ich ignorierte den Gestank, trat näher und untersuchte seinen Hals. Etwas Dickes, ein Gürtel vielleicht, war benutzt worden, um ihn zu erdrosseln, und ich sah das blauschwarze Spinnwebgeflecht der geplatzten Äderchen.
    Parks zeigte sämtliche Merkmale eines langen Verhörs unter Folter mit anschließender Hinrichtung. Doch um fair zu bleiben: So etwas gehörte nun mal zu der Spielwiese, auf der Parks sich herumgetrieben hatte. Die Spielwiese, auf der auch ich mich herumtrieb. Der Gedanke, dass Sneddon hinter seiner Ermordung steckte, mochte albern erscheinen, doch ich hatte Twinkletoes seit gestern nicht mehr gesehen und ertappte mich dabei, wie ich rasch Parks’ nackte Zehen zählte.
    Ich setzte mich auf das beiseite geschobene Sofa und starrte auf die Leiche. Das brachte mich aber nicht weiter, denn der Tote wusste auch nicht, was ich als Nächstes tun sollte. Trotzdem, einen Hinweis bekam ich, als ich das hektische Klingeln näher kommender Polizeiwagen hörte. Nett. Wieder musste ich an MacDonald denken, den Stürmer beim Eishockey in meiner Jugend, der Ringe um mich hatte ziehen können. Wie wunderbar das doch passte. Die Polizeisirenen hörten sich an, als wären sie noch eine Straße entfernt; eine Flucht zur Haustür hinaus kam also nicht mehr in Frage. Ich rannte in die Küche. Sie war winzig, hatte aber ein riesiges Schiebefenster nach hinten hinaus. Die Polizei würde zwar einen Streifenwagen hinter das Haus schicken, doch ihre Aufmerksamkeit würde sich hauptsächlich auf die Haustür richten. Ich schob das Fenster auf. Vom Abflussrohr der Küche verlief ein Rohr schräg zur Hauptabwasserleitung. Das Hauptabflussrohr hinunterzurutschen wäre nicht allzu schwierig – vom Abflussrohr in der Küche dorthin zu gelangen allerdings schon.
    Trotzdem, es sollte kein Problem sein: Wenn die Bullen mich mit gebrochenen Beinen in Parks’ Hinterhof entdeckten, nachdem sie seine gefolterte Leiche in der Wohnung gefunden hatten, aus der ich soeben geflohen war, brauchte ich mir keine große Mühe mit Erklärungen mehr zu geben.
    Ich nahm den Hut ab und warf ihn in den Hof hinunter. Dann stieg ich zum Fenster hinaus und ertastete mit der Spitze meiner Wildlederschuhe den steilen Winkel des Rohres, suchte am Sandstein nach Halt, ließ mich hinunter und verlagerte mein Gewicht auf die Fensterbank. Während ich mich auf das Rohr zuschob, wurden die Polizeiwagen immer lauter. Auf dem

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