Liberty: Roman
warten.«
»Na, okay. Ich glaube, er kommt ganz gut zurecht«, sagt sie und fügt hinzu: »Ich weiß nicht, wo du schlafen kannst. Hm, im Wohnzimmer ist es nicht so gut, wenn du länger schlafen willst als die Mädchen.«
Ich sitze mit einer Cola auf dem Sofa. Solja ist in der Schule, um zu schwimmen, denn der Swimmingpool ist offen, obwohl die Ferien begonnen haben. Rebekka ist bei einer Freundin. Es ist ein typisches, schlecht durchdachtes Haus im Kolonialstil: zwei Schlafzimmer, die Mädchen haben das eine, Katriina das andere.
»Was ist mit der Dienstbotenwohnung?« Sie wäre mir sehr recht, denn ich habe keine Lust, mit irgendjemandem zu reden.
»Ja, das ist möglich. Issa wohnt in einem der Zimmer, aber das andere nutzen wir als Abstellraum. Ich glaube, die Sachen können wir auch in der Garage unterbringen.« Issa ist jetzt der Koch. Juliaz musste gehen, als Vater mit Katriina zusammenzog.
»Gibt’s da ein Bett?« Ich bin erschöpft.
»Nein. Aber ich habe noch eine Reserve-Matratze.« Sie klingt skeptisch, ich bin es auch. Matratze auf dem Boden: Kakerlaken, vielleicht Ratten, Spinnen.
»Ich schau mal, ob mir irgendwas einfällt«, sage ich. Ich gehe in die Dienstbotenwohnung im Garten hinter dem Haus und schaue sie mir an. In dem Raum stehen zwei große Transportkisten aus Aluminium von Ostermann. Sie reichen mir bis zur Mitte des Oberschenkels. In der Garage finde ich ein paar lange Bretter, die ich zwischen die beiden Kisten legen kann. Ich befestige die Bretter mit breitem Klebeband, damit sie sich auf dem glatten Aluminium nicht verschieben. Es fühlt sich gut an. Also nicht … Samantha ist überall. Ich kommuniziere mit der Toten. Sie ist nicht zufrieden. Ich bin auch nicht zufrieden.
Eine der Kisten von Ostermann ist schwer und verschlossen. Ich finde einen Kuhfuß und hebele das Vorhängeschloss auf. In der Kiste liegen eine Menge Unterlagen über FITI , die Imara Möbelfabrik, TanScan, den West-Kilimandscharo und die Sägemühlen: Jonas’ Sachen. Ich hebe einen Stapel Papier hoch – darunter liegt eine Plastikschachtel, die ich öffne. Ein Revolver. Marcus hat mir mal erzählt, dass Jonas einen Revolver hätte. Es gibt auch eine Schachtel mit Patronen. Vorsichtig nehme ich die Waffe heraus. Sie hat leichte Rostflecken. Ich klappe die Trommel auf. Der Revolver ist nicht geladen. Ich packe ihn wieder ein und lege die Papiere darauf. Dann baue ich mein Bett zu Ende. Lege mich drauf und starre an die Decke. Was nun? Vater kommt in einigen Tagen aus Shinyanga. Er arbeitet dort mit der Baumwollunion SHIRECU , hofft aber, wieder Arbeit in Moshi zu bekommen, denn hier ist es weitaus angenehmer. Außerdem möchte Katriina nur ungern umziehen und Solja aufs Internat schicken, obwohl sie bereits vierzehn ist. Ich gehe davon aus, dass DANIDA ihr Schulgeld zahlt, nachdem Vater Katriina geheiratet hat.
Was soll ich jetzt unternehmen? Vielleicht gehen wir auf eine Safari, wenn der Alte kommt – ich weiß es nicht. Ich schaffe es nicht.
Am Abend gehe ich früh zu Bett. Ich onaniere, denke an Marianne – es sagt mir nichts. Sif. Irene. Shakila. Nichts passiert. Ich versuche, es zu lassen, aber es endet damit, dass ich an sie denke – die Tote. Es ist furchtbar. Es funktioniert. Ich schlage Victor tot.
Marcus
AFRIKA SIEGT
Kommt Christian, oder kommt er nicht? Ich fahre mehrmals zu Katriinas und bwana Knudsens Haus und erfahre: »Nein, er ist in Dar, wir wissen nicht, wann er kommt.« Und eines Tages kommt Katriina in ihrem Nissan Patrol direkt zu meinem Ghetto und sagt: »Christian ist gekommen.«
Ich recke den Hals, um zu sehen, ob er im Auto sitzt. Katriina schüttelt den Kopf. »Ich weiß nicht, wo er ist«, sagt sie. »Vielleicht … Ich glaube, er ist krank.«
»Krank? Etwa Malaria?«
»Nein, er ist müde und … ich weiß auch nicht. Kannst du vorbeikommen?«
»Klar«, sage ich. »Ist er jetzt zu Hause?«
»Nein. Ich weiß nicht, wo er ist.«
»Ich komme heute Abend.« Katriina fährt wieder. Krank?
Als ich komme, ist er nicht da. Niemand weiß, wo er ist.
»Vielleicht ist er im Club und spielt Golf«, sagt Solja.
»Es ist dunkel.«
»Vielleicht hängt er in der Bar.«
Ich fahre in der Dunkelheit mit dem Motorrad langsam in Richtung Moshi Club und achte auf den Straßenrand, wo Hirten ihr Vieh zum Schlachthof in Pasua treiben. Und dort geht er, wie eine Ziege in der Nacht.
»Christian!«, rufe ich, fahre vor ihn und stelle den Motor ab. »Willkommen in Tansania. Ich habe dich
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