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Märchen aus 1001 Nacht

Märchen aus 1001 Nacht

Titel: Märchen aus 1001 Nacht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mathias Lempertz GmbH
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hatte, hinein. Als er sie dann umwendete, spaltete sich plötzlich die Wand und ein schwarzer Sklave, groß wie ein Stier oder ein Spross vom Riesenstamme, kam heraus; er hielt in seiner Hand einen grünen Baumast und rief mit heller, durchdringender Stimme: “Fische, Fische, haltet ihr auch euren alten Schwur?”, worauf die Fische wieder den Kopf aus der Pfanne hoben und riefen: “Ja, ja” und dann den Vers sprachen:
    â€œKommst du wieder, so kehren wir auch wieder, Bist du treu, so sind wir es auch; Fliehst du aber, so tun wir ein Gleiches.”
    Dann trat der Sklave an die Pfanne heran, stürzte sie mit dem Ast um, dass die Fische zu schwarzen Kohlen verbrannten und ging auf derselben Stelle, von wo er gekommen war, wieder hinaus. Als er ihren Blicken entschwunden war, sagte der König: “Das ist ein Vorfall, der nicht mit Schweigen bedeckt werden darf; mit den Fischen muss es eine ganz besondere Bewandtnis haben.” Darauf ließ er den Fischer holen und fragte ihn: “Woher hast du die Fische?” Der Fischer erwiderte: “Aus einem See zwischen vier Bergen hinter jenem Berge, der sich außerhalb der Stadt erhebt.” Nun fragte der König den Fischer weiter: “Wie viele Tagesreisen von hier?” Der Fischer antwortete: “Ach, mein Herr und Sultan, nur eine halbe Wegstunde.” Der König verwunderte sich hierüber und befahl, dass die Truppen sogleich mit dem Fischer ausziehen sollten. Sie marschierten nun mit dem Fischer, der in einem fort den Ifrit verfluchte, bis sie den Berg erstiegen hatten und von dort in eine weite Steppe hinunter stiegen, die sie bisher in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen hatten. Als sie auch den See zwischen den vier Bergen und die roten, weißen, gelben und blauen Fische darin erblickten, verwunderte sich der Sultan samt den Truppen und fragte sie und die anderen Begleiter: “Hat einer von euch früher diesen See hier gesehen?” Alle erwiderten: “Nein.” Darauf sagte der König: “Bei Allah, ich betrete nicht eher wieder meine Stadt und setze mich auf den Thron meines Reiches, bis ich weiß, wie es sich in Wahrheit mit diesem See und seinen Fischen verhält” und befahl den Leuten, rings um die Berge zu lagern. Als sie die Zelte aufgeschlagen hatten, ließ er seinen Wesir rufen, einen erfahrenen, verständigen, geschickten und kenntnisreichen Mann und sprach zu ihm: “Ich beabsichtige, etwas zu tun, was ich dir mitteilen will; ich habe mir nämlich vorgenommen, mich noch heute Nacht allein auf den Weg zu machen und über diesen See und die Fische Nachforschungen anzustellen. Setz du dich darum in den Eingang meines Zeltes und sprich zu den Emiren, Wesiren und Kämmerlingen: Der Sultan ist krank und hat mir Befehl erteilt, niemand den Eintritt zu ihm zu gestatten; keinem aber teile etwas von meinem Vorhaben mit.”
    Obwohl der Wesir ihm von seinem Vorhaben abzuraten suchte, vertauschte der König jedoch seine Kleidung, gürtete sein Schwert um und machte sich unbemerkt auf den Weg. Er wanderte den Rest der Nacht über bis zum Morgen und gönnte sich erst Ruhe, als ihm die Hitze lästig wurde. Dann wanderte er den Rest des Tages und die zweite Nacht über bis zum Morgen, bis er etwas Schwarzes in der Ferne schimmern sah. Erfreut rief er: “Vielleicht finde ich dort jemand, der mir über den See und die Fische Auskunft geben kann.” Als er nun dem schwarzen Gegenstand nahe gekommen war, sah er, dass es ein aus schwarzen Steinen erbautes und mit Eisenplatten bedecktes Schloss war, dessen einer Torflügel offen stand, während der andere verriegelt war. Hierüber erfreut, trat der König ans Tor und klopfte leise, doch vernahm er keine Antwort. Er klopfte ein zweites und ein drittes Mal, hörte aber nichts. Da klopfte er zum vierten Mal, dass es weithin hallte, aber niemand gab Antwort. Nun sagte er: “Zweifellos steht es leer” und schritt beherzt durch das Schlosstor in die Vorhalle. Hier rief er laut: “Ihr Schlossbewohner, hier steht ein fremder Wandersmann, habt ihr etwas Zehrung für ihn?” Zum zweiten und dritten Mal wiederholte er diese Worte; doch da er keine Antwort erhielt, stärkte er sein Herz, festigte seine Seele und trat aus der Vorhalle mitten ins Schloss ein. Auch dort fand er niemand, sah aber Teppiche ausgebreitet und in der Mitte einen Springbrunnen mit vier Löwen aus rotem Gold,

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