McQuade - Der Kopfgeldjäger, Teil 1-12 der Saga (Western) (German Edition)
Kopfgeldjäger.
»Wer will mit Mrs. Baldwin sprechen?«, fragte der Butler barsch und musterte McQuade mit einer Mischung aus Abneigung und Geringschätzigkeit.
»Mein Name ist McQuade.«
»Aaah, ich weiß Bescheid. Mr. Baldwin nannte Ihren Namen. Sie sind der Mann, der Jacks Mörder nach Phönix brachte. Okay, treten Sie ein. Ich werde Mrs. Baldwin informieren.«
In der Halle des Hauses befand sich eine Polstergarnitur, die um einen kunstvoll geschnitzten Tisch gruppiert war. An den Wänden hingen Ölgemälde. In einigen Glasvitrinen funkelten Gläser aus Kristall. Es gab einen offenen Kamin, über dem einige alte Gewehre und indianische Handarbeiten die Wand dekorierten.
»Warten Sie hier«, gebot der Butler, ohne McQuade einen Platz zum Sitzen anzubieten. Dann stieg er die Treppe hinauf.
Wenig später erschien Joana Baldwin. Es war eine schöne, eine ausgesprochen attraktive Frau. Dunkelblonde Haare rahmten ein ebenmäßiges Gesicht ein. Ihr Hals war schlank, die Linie des fein geformten Kinns makellos.
McQuade nahm seinen Hut ab und drehte ihn in den Händen.
Die schöne Frau kam die Stufen herab. Mit einer Hand raffte sie den Saum ihres knöchellangen Kleides. Der Blick, mit dem sie den Kopfgeldjäger musterte, war ernst. Unten angekommen schritt sie zu einem der Sessel und setzte sich. »Sie möchten mich sprechen?«
»Richtig, Ma'am.« McQuade nickte. »Zunächst will ich Ihnen mein Beileid ausdrücken.«
»Danke. Was führt Sie zu mir?«
»Ich habe Lester Quinn in die Stadt gebracht. Ihr Mann hat für seine Ergreifung eine Belohnung von tausend Dollar ausgesetzt.«
Joana Baldwin starrte ihn an. Von ihren Zügen war nicht abzulesen, was hinter ihrer Stirn vorging. Ihr Blick schien sich nach innen verkehrt zu haben. Plötzlich erhob sie sich, trat dicht vor McQuade hin und schaute hoch in sein Gesicht. »Sie bekommen von mir weitere tausend Dollar, wenn Sie mir den Mörder meines Mannes bringen.« Ihre Stimme klang fest und präzise. »Tausend Dollar für den Mörder meines Mannes!«, wiederholte sie und verlieh jedem Wort eine besondere Betonung.
»Zahlen Sie mir die tausend aus, die mir zustehen«, knurrte McQuade. »Und dann will ich über Ihr Angebot nachdenken, Ma'am.«
»Conrad!«, rief sie.
Der Butler erschien. »Zu Diensten, Mylady.«
»Holen Sie tausend Dollar aus dem Safe, Conrad, und geben Sie Mr. McQuade das Geld. Lassen Sie sich den Empfang bestätigen.« Sie konzentrierte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Kopfgeldjäger. »Denken Sie über mein Angebot nach, McQuade.« Nach dem letzten Wort setzte sie sich in Bewegung und ging zur Treppe.
Der Butler wies mit dem Kinn zur Tür. »Ich bringe Sie hinaus, McQuade.«
*
Nachdem sich der Kopfgeldjäger von Marshal Tom Benedikt die Bankanweisung abgeholt hatte, begab er sich in sein Zimmer, entledigte sich des Mantels und des Hutes und warf sich aufs Bett. Unschlüssig, ob er Joana Baldwins Angebot annehmen sollte, lag er mit geschlossenen Augen da. Wie ein Film liefen die Geschehnisse der vergangenen zwölf Stunden vor seinem geistigen Auge ab.
Als es klopfte, wurden die Gedanken des Kopfgeldjägers jäh unterbrochen. Er stand auf, ging zur Tür, blieb aber im Schutz der Wand daneben und fragte: »Wer ist draußen?«
»Carrie Sheldon.«
McQuade schloss auf und öffnete. Sein Blick traf sich mit dem der Sängerin. Und wieder sagte er sich, dass sie sehr schön war. Sie hatte etwas in den Augen, das ihn anzog. Ehe er etwas sagen konnte, erklang wieder die Stimme der jungen Frau. »Haben Sie ein paar Minuten Zeit für mich, Mr. McQuade.«
»Bitte«, murmelte er, »treten Sie ein.« McQuade ließ Carrie Sheldon an sich vorbei und drückte die Tür ins Schloss. Er wies auf einen der beiden Stühle, die bei einem Tisch standen. »Nehmen Sie Platz.« Er ging zum Bett und setzte sich. Als er sie anschaute, beinhaltete sein Blick die Aufforderung, zu sprechen. Es blieb Carrie Sheldon nicht verborgen.
»Sie waren bei Joana Baldwin«, begann sie, nachdem sie sich auf den Stuhl gesetzt hatte. »Haben Sie von ihr die Prämie erhalten, die James Baldwin ausgesetzt hat?«
»Warum interessiert Sie das?«
»Lester Quinn ist unschuldig. Der Beweis ist der Mord an James Baldwin. Erst musste Jack dran glauben. Er hat mir erzählt, dass sein Vater beim Friedensrichter ein Testament hinterlegt hat, das ihn zum Alleinerben bestimmt für den Fall, dass James Baldwin vor ihm ums Leben kommt. Joana hätte lediglich eine monatliche Rente
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