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Mein Leben als Androidin

Mein Leben als Androidin

Titel: Mein Leben als Androidin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen Fine
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der Konnex, der die Entwicklung möglich machte – die Verbindung mit Fracass –, sich als vorübergehender Notbehelf erweist. Bis jetzt hat Fracass ansehnliches Kapital daraus geschlagen, im Vorfeld der Farce, die man sich als freie Wahlen zu bezeichnen erdreistet. Dank der Heirat mit Dir verkauft ihn die Presse neuerdings als ›sexy‹. Schlimmer noch, sein Heroismus während der Concordia-Tragödie hat ihn über die politische Arena hinaus in den Orbit eines Nationalhelden erhoben. Was – traurig genug – wieder einmal beweist, daß es nicht Besseres gibt als einen schön blutigen Terroranschlag, um einem Politiker auf der Erfolgsleiter voranzuhelfen. Und wie politisch ausbaufähig ist es doch, die eigenen Probleme dem unschuldigen Nachbarn in die Schuhe zu schieben! Damit meine ich Fracass' Erklärung – von Dir unterstützt, leider –, daß Horizont hinter den Terroristen stand. Erklärungen dieses Tenors sind unerträglich, und es tut mir leid, daß Du dazu gezwungen wirst. Wie es aussieht, müssen wir die Köpfe zusammenstecken, meine Liebe, und eine Flucht formatieren, womit ich beim eigentlichen Zweck dieses Briefes angelangt wäre.
    Nachdem ich den Underground-Skyway auf Deine Notlage aufmerksam gemacht habe, freue ich mich, Dir mitteilen zu können, daß ein paar unerschrockene Seelen bereit sind, etwas zu Deiner Rettung zu unternehmen. (Es sind nur ein paar, weil die Mehrheit partout nicht glauben will, daß ihre neue First Lady ein entlaufener P9 ist, wie sehr ich sie auch zu überzeugen versuche. Es ist zum Auswachsen, aber ich will Dich nicht mit dem internen Gerangel belästigen, das über das Kommunikationsnetz hin und her gegangen ist. Es soll genügen zu sagen, daß man Dich für ebenso bigott und verblendet wie schön hält.) Du brauchst nur Zeit und Ort mitzuteilen, und ich werde die Angaben weiterleiten. Ich bedaure, daß ich nicht persönlich zum Mars kommen kann, um die Operation zu beaufsichtigen, weil ich Armstrong nicht verlassen darf, bis mein Fall vor Gericht verhandelt worden ist. Tatsächlich kann ich froh sein, daß man mich gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt hat, da die übrigen bei der Razzia Festgenommenen noch immer einsitzen, darunter auch Tad. (Dahlia hat mir gesagt, daß sein Fall der komplizierteste ist, wegen der Einmischung seiner Mutter.) Da wir eben von Tad sprechen, ich bin sicher, er wäre längst per Jetpack in Deine Flitterwochensuite eingedrungen und hätte Dich entführt. Ich bezweifle, daß die Leute vom dortigen Skyway etwas ähnlich Spektakuläres planen, doch was es auch ist, es wird bestimmt gelingen, da wir alle in diesem Sinne imaginieren. Und da Du jetzt Bescheid weißt, hoffe ich, daß Du Deine Bemühungen mit den unseren vereinst. Gib mir unverzüglich Nachricht. Deine Dich liebende und reformierte Gebieterin, konvertierte Aquarierin und Freundin auf ewig,
    Lamaze
     
    P.S. Dahlia hat keine Neuigkeiten von Deinem Sohn in Hollymoon. Julia ist wohlbehalten in Horizont eingetroffen und wird gut versorgt.
     
     
    von:    Lady Blaine Fracass
    Mons Olympus Hotel, Penthouse
    Mons Olympus, Mars,
    an:      Gebieterin Lamaze
    Briefkastenspeicher, Esprie Distrikt
    Armstrong, Mond
    Datum: 4 Juni 2982, 15.43 Uhr MZ6
     
    Text: Verehrte Gebieterin Lamaze,
    Ihre Briefspule vom 3. des Monats war zu faszinierend, um sie zu ignorieren, wie ich es vielleicht hätte tun sollen, denn wiewohl absurd, hat sie mich sehr amüsiert. Nicht jede Braut erhält anläßlich ihrer Heirat derart eigenwillige Glückwünsche (und Verunglimpfungen ihres Gatten). Wären Sie ähnlich glücklich verbunden wie ich, hätten Sie gewiß freundlichere Worte für mich gefunden. Deshalb, meine mysteriöse Gebieterin Lamaze aus Armstrong, machen Sie sich keine Sorgen um mich, sondern kümmern Sie sich lieber um Ihre eigenen Probleme.
    Der Grund, weshalb ich mich zu einer Antwort entschlossen habe, obwohl ich mich weder an unsere Freundschaft noch an ein gemeinsames Format – nennt man das so? – erinnern kann, ist, daß mein Gedächtnis in letzter Zeit, genauer gesagt, seit dem Unfall im Raum, zu wünschen übrig läßt und daher die Möglichkeit besteht, daß wir uns in nicht allzu ferner Vergangenheit tatsächlich gekannt haben. Doch einer Sache bin ich mir hundertprozentig sicher: Weder bin ich jetzt noch war ich jemals ein Androide, wie Sie die Unverfrorenheit besaßen anzudeuten; vielmehr bin ich eine überzeugte Humanistin und ergebene Ehefrau. Des weiteren sind meine in der

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