Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
Vom Netzwerk:
bitten. Und um Nahrung und Wasser. Und vielleicht auch um einen Stoßpanzer.
    Es wäre ohnehin kein guter Zeitpunkt für mich, irgendetwas zu rufen.
    Ich bin in der großen Halle der Götter auf dem Olymp e r schienen, und alle Götter scheinen hier zu sein – alle außer H e ra, deren kleinerer Thron mit schwarzem Trauerflor umwickelt ist. Zeus sitzt auf seinem goldenen Thron und sieht aus, als w ä re er fünfzehn Meter groß.
    Alle anderen Götter scheinen hier zu sein – sogar noch mehr als bei ihrem letzten großen Konklave, in das ich mit meinem unendlich komfortableren Hades-Helm hineinspaziert bin. Vi e le dieser Götter kenne ich nicht einmal, kann sie nicht identif i zieren, obwohl ich zehn Jahre lang täglich mit meinen Wor t steinen und meinen Meldungen vom Kampfgeschehen auf dem Olymp Bericht erstattet habe. Es sind viele hundert Götter hier, vielleicht sogar mehr als tausend.
    Und sie schweigen alle. Warten darauf, dass Zeus zu ihnen spricht.
    Ich bemühe mich, möglichst leise zu atmen und von der erst i ckenden Hitze in diesem gottverdammten Eidechsenanzug nicht ohnmächtig zu werden. Hoffentlich benutzt keiner dieser olympischen Unsterblichen Gravitationsradar oder verstärkte negative Wärmebildanalyse. Vollkommen reglos stehe ich da, fast in Tuchfühlung mit der Masse der Götter und Göttinnen, Nymphen, Erinnyen und Halbgötter, und warte darauf, was Zeus sagen wird.
     

74
    Noch bevor Harman den Bug des aufgegebenen Schiffes durch den klaffenden Riss im Rumpf betrat, hatte er eine ziemlich g u te Vorstellung davon, um was für einen Schiffstyp es sich ha n delte. Die DNA-gebundenen Proteindatenpakete in seinem Körper enthielten tausend Verweise auf tausend Typen se e tüchtiger Schiffe aus zehntausend Jahren der Menschheitsg e schichte. Nur auf der Basis des beschädigten Bugs, des Trü m merfelds um den Bug herum und eines Blicks auf die zerriss e nen Hüllen aus elastischem Sonar-Tarnmaterial, die den mo r phfähigen Smartstahl des eigentlichen Rumpfes umschlo s sen, konnte er den Schiffstyp zwar nicht eindeutig identifizi e ren, aber es war ziemlich klar, dass er ein U-Boot aus einem späten Jahrhundert des Untergegangenen Zeitalters vor sich sah – möglicherweise aus der Zeit nach der Freisetzung des Rubikon, aber bevor die ersten gentechnisch erzeugten Nac h menschen das Licht der Welt erblickt hatten. Aus dem Zeitalter des Wahnsinns.
    Sobald er drinnen war und einen nur leicht geneigten Korr i dor entlangging – er atmete durch seine Osmosemaske, obwohl dieser Teil des gesunkenen Schiffes nicht unter Wasser stand –, war er sicher, dass es ein U-Boot war.
    Harman stand in einem Raum, der nur um ungefähr zehn Grad von der Senkrechten abwich, aber der lange zurückli e gende Aufprall auf den Meeresgrund nur siebzig Meter unter der Wasseroberfläche – lange vor der Entstehung des atlant i schen Bruchs – hatte Metall zerknüllt und ein halbes Dutzend lange Behälter von ihren Borden purzeln lassen. Harman würde die Pistole, die er bei sich trug, nicht brauchen. Nichts lebte in diesem Schiffskörper. Er drückte die Pistole an den Haftflicken an seiner rechten Hüfte und zog ein Stück elastische Therm o haut darüber. Damit befestigte er sie so sicher, als trüge er eines der Halfter, die er in Büchern des kristallenen Schreins gesehen hatte.
    Er legte die gewölbte rechte Hand an den abgerundeten Rand eines heruntergefallenen Behälters. Ob seine Datensuchfunkt i on durch die moleküldünnen Thermohaut-Handschuhe arbe i ten würde?
    Das tat sie.
    Harman stand im Torpedoraum eines Kriegs-U-Boots der M o hammed-Klasse. Die KI im Lenksystem dieses speziellen Torp e dos – das Wort oder der Begriff »Torpedo« war ihm bis zu di e ser Millisekunde noch nie begegnet – war vor über zweitausend Jahren gestorben, aber die Speicher der toten Mikroschaltkreise enthielten noch einige Restdaten, und Harman erkannte, dass seine Hand Zentimeter über einem Atomsprengkopf in der Spitze eines fünfzehntausend Kilo schweren, selbstkavitiere n den Hochgeschwindigkeitstorpedos lag, der so lange jagen würde, bis er etwas tötete. Dieser spezielle Torpedosprengkopf – »Sprengkopf« war ein weiterer Begriff, dem er in diesem Moment zum ersten Mal begegnete – war eine simple Fusion s waffe mit einer Sprengkraft von 475 Kilotonnen, was 950 Mill i onen Pfund detonierendem TNT entsprach. Die Explosionshi t ze der perlengroßen Kugel ein paar Zentimeter unter seiner Hand würde binnen einer

Weitere Kostenlose Bücher