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PopCo

PopCo

Titel: PopCo Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Scarlett Thomas
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Tassen.
    «Weiß einer von euch zufällig die genaue Anschrift hier?», frage ich.
    Ben schüttelt den Kopf. «Hare Hall», sagt er. «Mehr weiß ich auch nicht.» Er stellt das Tablett auf den Tisch.
    Esther wühlt erst in den Taschen ihrer Kapuzenjacke, dann in denen ihres Jeansrocks. «Hm, ich dachte, ich hätte noch eins
     von den Dingern», sagt sie. «Ach ja. Hier.»
    Sie reicht mir einen PopCo-Empfehlungszettel.
    «Da steht alles ganz genau drauf», sagt sie.
    ***
    Roxy bleibt nur noch eine Woche auf der Groveswood-Schule, und während dieser einen Woche heftet sie sich an unser Grüppchen
     wie ein hartnäckiger Virus an den bereitwilligen Wirt. Sie verbringt ihre Zeit mit Schmollen und Rauchen (doch, ganz im Ernst!)
     und gibt uns Tipps, wie man in Läden etwas klaut. Dann ist sie plötzlich weg. Später erfahren wir, dass sie an eine private
     Mädchenschule in der Stadt gewechselt ist. Ich bin neidisch, weil sie entkommen ist.
    Roxys Anwesenheit in dieser Woche kommt mir sehr gelegen, weil sie davon ablenkt, dass bei mir immer noch so gar nichts stimmt.
     Meine Großeltern geben mir jetzt jeden Tag ein Pfund fünfundsiebzig Essensgeld, das ich spare, indem ich behaupte, Diät zu
     machen, so wie Lucy und Michelle. Trotzdem glaube ich nicht, dass Lucy und Michelle mich mögen. Einmal kam ich erst ein paar
     Minuten nach den anderen in unseren Pavillon, da ist mir aufgefallen, dass sie alle aufhörten zu reden, als ich reinkam. Später
     wollte ich von Emma wissen, was sie denn gesagt hätten. «Ich habe dich verteidigt», hat sie ausweichend geantwortet. «Aber
     du weißt ja, wie sie sind.» Weiß ich das? Ich bin mir nicht so sicher. Ich weiß, dass sie über Mädchen lästern, die fett sind,
     schlecht riechen, die falschen Klamotten tragen, sich im Unterricht zu oft melden, sich nicht die Zähne putzen, sich nicht
     die Beine rasieren oder irgendetwas essen, das größer und geruchsintensiver ist als ein Schokoriegel, kein Deo benutzen und
     keine Dauerwelle haben odersonst eine aufwendige Frisur. Ich habe behauptet, eine Dauerwelle zu haben, das kam ganz gut an. Ich bin nicht fett, und ich
     rieche auch nicht komisch. Aber ich brauche dringend einen anderen Rock.
    Am Mittwoch teilt uns Mr.   Morgan in Mathe in Leistungsgruppen auf. Roxy sitzt einfach nur da, seufzt gelangweilt und lackiert sich die Nägel mit Tipp-Ex.
     Vielleicht weiß sie ja schon, dass sie die Schule wechseln wird. Wir haben keinen Einstufungstest für die Leistungsgruppen
     gemacht, wie in den anderen Fächern. Morgan (für mich immer noch Motzmann) nimmt einfach zwei Hausaufgaben und das allgemeine
     Verhalten im Unterricht als Grundlage. Emma und ich kommen in die Gruppe 2, zusammen mit vier anderen Mädchen, die wir alle
     nicht kennen. Unsere Freundinnen sind alle in Gruppe 4, bis auf Roxy, die ganz nach unten in Gruppe 5 gesteckt wird. Ich bin
     enttäuscht, es nicht in die beste Gruppe geschafft zu haben. Die Jungs aus der besten Gruppe sind natürlich alle im Schachclub
     und in der Computer-AG. Wahrscheinlich sind sie total klug. Aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, dass ich nicht
     in die beste Gruppe gekommen bin. Es wäre ziemlich schrecklich, das einzige Mädchen in der Klasse zu sein, ganz ohne Freundinnen.
     Eine der Lektionen, die ich in dieser Woche lerne, lautet: Je mehr Zeit man mit seinen Freundinnen verbringt, desto weniger
     Zeit haben sie, hintenrum über einen zu lästern. In der Schule muss man wirklich immer auf Zack sein. Und seit dem Vorfall
     mit dem Medaillon, der zwar insgesamt glimpflich verlaufen ist, mich aber trotzdem als potenziell komisch hingestellt hat,
     herrscht bei mir sowieso ständig Alarmstufe Rot.
    In Englisch bin ich zusammen mit Emma und Sarah in der besten Gruppe. Die Einteilung basiert auf einem Test, bei dem Rechtschreibung
     und Textverständnis geprüft wurden und wir einen kleinen Aufsatz zum Thema «Mein Lieblingsbuch»schreiben mussten. Mein neues Lieblingsbuch ist
Der Graf von Monte Christo
, das ich in der Bücherkiste meiner Mutter gefunden habe, und ich habe natürlich darüber geschrieben. Für den Aufsatz habe
     ich das wiederholt, was mir meine Großmutter über Rache erzählt hat:
Dieses Buch zeigt, wie fatal Rache sein kann.
Doch wie mein Großvater bin ich nicht ganz überzeugt, ob das stimmt. Ich will mich an Motzmann rächen und an Miss Hind und
     eigentlich auch an Lucy und Michelle. Mrs.   Germain, unsere Englischlehrerin, hat «Sehr reif» unter

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