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Schwarz-Indien

Schwarz-Indien

Titel: Schwarz-Indien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jules Verne
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gelockt hatte? Es wäre schwierig gewe-
    sen, diese Frage zu entscheiden.
    Jedenfalls verdoppelten die Beamten, als sie einen Er-
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    folg zu erreichen glaubten, nur ihre Anstrengungen. Der
    Lichtschein, der sonst in einer Entfernung von ungefähr
    200 Schritt vor ihnen sichtbar war, hatte sich etwa bis auf
    50 Schritt genähert und wurde immer deutlicher. Auch der
    Träger der Leuchte war ein wenig zu erkennen. Manchmal
    wandte er den Kopf zurück, wobei das Profil eines Men-
    schenantlitzes unbestimmt sichtbar wurde, und wenn kein
    Berggeist diese Gestalt angenommen hatte, dann mußte Jack
    Ryan wohl oder übel zugeben, daß hier von einem überna-
    türlichen Wesen nicht die Rede sein konnte.
    Nun lief er selbst schneller und suchte die anderen an-
    zutreiben.
    »Schnell! Schnell!« rief er. »Wir erreichen diese Erschei-
    nung bald. Sie scheint zu ermüden, und wenn sie ebenso gut
    sprechen kann, wie sie bisher zu entweichen wußte, wird sie
    uns so manches mitteilen können!«
    Leider wurde die Verfolgung immer schwieriger. In der
    Nähe der letzten Ausläufer der Grube kreuzten sich enge
    Stollen wie die Irrgänge eines Labyrinths. Dieses Gewirr
    erleichterte dem Träger jenes Lichts die Flucht erheblich.
    Es brauchte es nur zu verlöschen und sich seitwärts in ir-
    gendeinem dunklen Gang zu verbergen.
    »Aber angenommen, er will uns entgehen«, dachte Sir W.
    Elphiston, »warum hat er es nicht längst getan?«
    Wenn das bisher nicht geschehen war, so verschwand
    doch in demselben Augenblick, als Sir W. Elphiston jener
    Gedanke kam, der Lichtschein, und die immer weitereilen-
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    den Beamten standen plötzlich am Ende eines Stollens vor
    einer engen Öffnung im Schieferfelsen.
    Schnell wurden die Lampen geprüft, und entschlossen
    drangen Sir W. Elphiston, Jack Ryan und ihre Begleiter
    durch diese Pforte. Kaum aber waren sie 100 Schritte weit in
    einer sich immer höher ausweitenden Galerie vorgedrun-
    gen, als alle plötzlich stehenblieben.
    Dicht neben der Wand lagen vier Körper – vielleicht vier
    Leichname, auf dem Boden.
    »James Starr!« sagte Sir W. Elphiston.
    »Harry! Harry!« rief Jack Ryan.
    In der Tat, hier lagen der Ingenieur, Madge, Simon und
    Harry Ford bewegungslos ausgestreckt.
    Bald aber regte sich der eine Körper und man vernahm
    die schwache Stimme der alten Madge.
    »Sie, sie sind es! Endlich!«
    Sir W. Elphiston, Jack Ryan und die Beamten suchten
    nun den Ingenieur und die anderen wieder ins Leben zu-
    rückzurufen und flößten ihnen einige erwärmende Tropfen
    ein. Bald erreichten sie ihr Ziel. Die seit 10 Tagen in New
    Aberfoyle eingeschlossenen Unglücklichen waren nah da-
    ran, vor Hunger zu sterben.
    Wenn sie während dieser langen Gefangenschaft noch
    nicht umgekommen waren, dann lag das – wie der Ingeni-
    eur Sir W. Elphiston mitteilte – einzig daran, daß sie drei-
    mal ein Brot und einen Krug Wasser in ihrer Nähe gefun-
    den hatten. Sicher vermochte das hilfreiche Wesen, dem sie

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    es verdankten, noch am Leben zu sein, nicht mehr für sie
    zu tun! ...
    Sir W. Elphiston fragte sich, ob es nicht dasselbe uner-
    reichbare Irrlicht gewesen sein mochte, das auch sie nach
    der Stelle geführt hatte, an der die Unglücklichen lagen.
    Wie dem auch sei, jedenfalls waren der Ingenieur, Madge,
    Simon und Harry Ford gerettet. Durch die enge Öffnung, zu
    der der Träger jenes Lichts Sir W. Elphiston offenbar hatte
    bringen wollen, begaben sich nun alle zum Cottage zurück.
    Daß James Starr und sein Begleiter den durch den Dy-
    namit gesprengten Ausgang nicht wiederfinden konnten,
    lag daran, daß er durch übereinandergehäufte Felsstücke
    verschlossen worden war, die sie in der Finsternis nicht be-
    seitigen konnten.
    Während sie also die weite Höhle im Innern untersuch-
    ten, hatte eine feindliche Hand jede Verbindung zwischen
    dem alten und dem neuen Aberfoyle absichtlich unterbro-
    chen.
    13. KAPITEL
    Coal City
    3 Jahre nach den bisher erzählten Ereignissen empfahlen
    die Reisehandbücher von Joanne oder Murray »als eine be-
    sondere Sehenswürdigkeit« den zahlreichen Touristen der
    Grafschaft Stirling einen mehrstündigen Besuch der Koh-
    lenbergwerke von New Aberfoyle.
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    Kein Bergwerk in irgendeinem Land der Alten oder
    Neuen Welt bot einen so bemerkenswerten Anblick.
    Überdies waren Einrichtungen getroffen, die Besucher
    der Grube ohne Gefahr oder Anstrengung bis zu ihrem
    Grund, 1.500 Fuß unter der

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