Schwarzwaelder Dorfgeschichten
ich mag. Ich kann's verlumpen. Alban, sei gescheit und folg' mir ohne Widerred'. Mit Einem Wort. Der Vinzenz kriegt den Hof. Punktum. Alban, jetzt folg' mir, ich will dich nicht verkürzen, er muß dir 'rausbezahlen, daß du dir einen Hof frei machen kannst. Sei brav und folg' mir, das Kind muß dem Vater gehorchen, so steht's geschrieben und so ist's von je gehalten worden. Alban, folg' mir oder ich renn' dir ein Messer in Leib und wenn ich selber darüber zu Grund geh. Da, gieb mir die Hand, die Hand her! Du fahrst mit dem Spitzgäbele 'nüber und machst, daß du den Hof kriegst. Mach mir keine Sprüng'! Du kennst mich noch nicht. Ich rück' die paar Jahr an dich, die ich noch zu leben hab', aber komm, du folgst mir. Punktum.«
Alban hatte die Hand dargereicht, sein Vater hielt sie fest umklammert wie eine Zange, sei es daß er der Betheuerung Nachdruck geben oder seine Kraft noch beweisen wollte. Der Vater sah schauerlich aus. Seine Lippen zogen sich völlig einwärts und seine Augen quollen weit heraus. Alban sah ihn so mitleidig und unterwürfig an, daß der Vater jetzt mit dem Kopf schüttelte und die Augen niederschlug. Alban war in diesem Augenblicke so von Kindesliebe und gewohntem Gehorsam überwältigt, daß er trotz des Sturmes, der in ihm waltete, dem Vater noch aufrichtig versprach, willfährig zu sein. Er hatte ihm Anfangs nur zum Schein und um ihn zu begütigen, gehorchen wollen, jetzt war es sein aufrichtiger Wille. Schweigend gingen Vater und Sohn bis zu dem Hof, der Alte hatte auf Einmal einen raschen festen Tritt. Alban hatte etwas von der Mutter geerbt im stillen Bewältigen störender Gedanken, er ließ es nicht in sich aufkommen, daß er ausgestoßen würde vom väterlichen Hause, so weit war es ja nicht; er war nicht umsonst in der Welt gewesen, er wußte, daß man auch anderswo leben kann, und es war seine Pflicht, einen Versuch zu machen, dem Bruder, der einem so traurigen Geschick verfallen war, das Gut zu überlassen und so ihm zu helfen; ja er dachte daran, daß der Schmalzgraf noch leben und ledig sein könnte und dann hätte er als jüngerer Bruder ja ohne Widerrede auf den Besitz des Hofes verzichten müssen.
Als man in den Hof eintrat, stand Vinzenz an die Stallthüre gelehnt und pfiff lustig. Alban glaubte in seinem Gesichte eine Siegesmiene zu finden, ja er bemerkte, daß Vinzenz den Vater fragend ansah und dieser mit dem Kopfe nickte. So war also was jetzt geschehen sollte, längst beschlossen, der Vater hatte das dem Einäugigen versprochen, und während Alban emsig und friedfertig daheim war, war er schon längst ausgestoßen? Grimmige Wuth erfüllte Alban, er wollte widerrufen, daß er dem Vater zulieb nur einen Schritt aus dem Haus thue. Schon zweimal hatte man ihn zum Essen gerufen, er stand wie festgewurzelt auf dem väterlichen Boden, den Blick zur Erde geheftet und die Fäuste geballt. Als endlich die Mutter kam und ihn lobte, daß er sich wieder als guter Sohn beweise, schaute er wie höhnisch auf, er verschloß aber seine Gedanken: man hatte ihn betrogen, er wollte Gleiches mit Gleichem vergelten; er faßte den Vorsatz, dem Vater zum Scheine zu willfahren, er kannte die unerschütterliche Oberherrlichkeit seines Vaters und wollte ihn nun auch überlisten und auf seinem Rechte bestehen. Bei Tische war Alles wohlgemuth und noch während des Essens kam der Kornmesser Spitzgäbele. Er drängte zur Eile und Vinzenz half selbst die beiden Fuchsen einspannen und der Vater gab Alban noch seinen eigenen neuen Mantel mit und befahl ihm wiederholt, etwas draufgehen zu lassen und sich als Sohn des Furchenbauern zu zeigen. Nur die Mutter sagte noch leise zu Alban:
»Vergieb dich nicht, du bist uns noch nicht unwerth und hast nichts zu eilen. In keinem Fall mach's fest, eh' ich sie auch gesehen hab'; ich kenn' die Familie wohl, aber das Weib kenne ich nicht. Fahr' auf dem Heimweg über Siebenhöfen und sieh was dein Bruderskind macht, kauf unterwegs was und bring's ihm.«
Lustig knallend fuhr Alban davon und der Furchenbauer, der ihm nachsah, sagte zu seiner Frau:
»Wenn ich ein' einzige Tochter hätt' und wüßt einen Burschen wie den Alban, ich thät nicht ruhen, bis er mein Schwiegersohn wär'.«
Fußnoten
1 Mulle ist ein Ausdruck beim Schmeicheln, Kuz beim Verscheuchen einer Katze.
Die Brautfahrt.
Alban fuhr indeß mit dem Spitzgäbele, einem lustigen alten Männchen mit lauter Falten im Gesicht, ruhig die Pferde lenkend den abschüssigen Weg hinab, dabei
Weitere Kostenlose Bücher