Schwert und Laute
dass das schon ein wenig peinlich ist.«
»Und in Gegenwart eines einzigen?«
Er zog mich an sich und küsste mich ungestüm.
»Komm mit«, sagte er und zog mich hinter sich her.
Ich folgte ihm blindlings einen Weg entlang, von dem ich vermutete, dass er in ein Waldstück führte. Die schmale Mondsichel erhellte den Pfad nur schwach. Nachdem wir eine Ewigkeit durch die Dunkelheit gestolpert waren, blieben wir am Ufer des Arkaig stehen. Hierher drang der Lärm des Gelages nur als dumpfes Murmeln. Liam stellte den Krug in einer Felsspalte ab, dann löste er seine Gürtelschnalle und ließ sein Plaid zu Boden gleiten.
»Was hast du vor?«, fragte ich verblüfft. »Wenn ich mich nicht irre, haben wir ein Zimmer, oder?«
»Ich nehme ein Bad, a ghràidh mo chridhe . Zieh dich aus.«
»Doch nicht hier! Du scherzt wohl. Angesichts dieser ganzen Männer in der Burg?«
Doch eigentlich fand ich die Vorstellung eines mitternächtlichen Bades äußerst anregend.
»Ach, die wissen bald nicht einmal mehr, wo es nach draußen geht.«
Er ließ sich ins Wasser gleiten, und ich folgte ihm, vor Kälte zitternd, kurz darauf. Ich stolperte über einen Stein, der aus dem Flussbett ragte, und fand mich plötzlich unter der Oberfläche des eisigen Wassers wieder. Doch ein eisenharter Arm legte sich um mich und zog mich hoch. Ich stieß einen Schrei aus, den Liam mit seinem Mund erstickte, und schmiegte mich an ihn, um ein wenig an seiner Wärme teilzuhaben. Langsam gewöhnte mein Körper sich an die Temperatur, und ich begann, das Gefühl der Strömung zu genießen, die meine nackte Haut angenehm liebkoste.
So verharrten wir eng umschlungen, bis unsere Zähne zu klappern begannen. Liam trug mich ans Ufer, wo wir uns mit dem Weinkrug in sein Plaid wickelten, schlotternd und kichernd wie Kinder. Wir hatten schon fast September, aber die Nacht war für diese Jahreszeit besonders mild.
»Wann brechen wir wieder auf?«
»Morgen früh. Wir kehren nach Glencoe zurück, um John Bericht zu erstatten.«
»Warum denn das?«
»Wir werden ihn über die Entscheidung, die wir getroffen haben, unterrichten.«
»Und wenn er nicht einverstanden ist?«
»Das wird er. Lochiel und Keppoch sind mit von der Partie, und dann ist da noch dieser Handel, den wir mit Breadalbane schließen werden.«
»Und wenn Breadalbane sich weigert?«
»Dann werden die Witwen der Tacksmen vor den Thronrat des Königs ziehen und die blutigen Hemden ihrer Männer auf Piken schwenken. Sie werden fordern, ihn mit Feuer und Schwert zu bestrafen, und Glenlyon wird geächtet werden. Breadalbane hat keine andere Wahl. Dieses Schwein von einem Campbell hat zwei Männer aus Lochiel und einen aus Keppoch getötet, gar nicht zu reden von Murdoch Macgregor und seiner Frau. Er hat mehr als fünftausend Pfund Sterling an Pachteinnahmen gestohlen, was ein kleines Vermögen darstellt. Entweder Breadalbane überlässt uns den Kopf dieses Bastards, oder ein Sept , ein Zweig des Campbell-Clans, wird geächtet. Und außerdem hat er schon immer seine persönlichen Interessen über alles gestellt...«
»Und die anderen Männer der Bande? Sie sind schließlich nicht alle Campbells!«
»Gebrochene Männer. Niemand wird einen Finger für sie rühren.«
Ich hatte aufgehört zu zittern; durch den Wein und den Kontakt mit Liams Haut hatte mein Körper sich wieder aufgewärmt.
»Eoghain Dubh ist ein sehr charmanter Mann«, meinte ich.
Etwas früher, vor dem Bankett, war ich dem ehemaligen Chief des Clans vorgestellt worden. Der Mann besaß eine machtvolle Ausstrahlung, obwohl er nicht wirklich stämmig oder hochgewachsen war. Seine Kraft beruhte vor allem auf seinem Charakter. Ewen Cameron war ein Mensch von scharfem Verstand, und obwohl er die sechzig schon überschritten hatte, war er mit seinem dunklen Äußeren und seinen leuchtenden schwarzen Augen
noch immer eine beeindruckende Gestalt und hatte den verwegenen Blick eines spanischen Freibeuters.
»Ja, vor allem bei hübschen Frauen«, gab Liam lachend zurück. »Und trotz seiner geringen Körpergröße ist er ein tapferer Soldat. Ich kann dir versichern, dass die Sassanachs ihn gefürchtet haben. Er hat einmal einen englischen Offizier nur mit seinen Zähnen getötet!«
»Nicht möglich!«, rief ich aus, verblüfft und entsetzt zugleich.
»Das geschah bei dem Aufstand von Glencairn, um das Jahr 1654. General Monk war mit seinen englischen Truppen in Inverlochy gelandet, um ein Fort zu errichten, das ausdrücklich die Aufgabe
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