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Shardik

Titel: Shardik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Adams
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wie stark ein böser Mensch wird. Genshed ist stark, weil er böse ist. Das Böse schützt ihn, so daß er dessen Arbeit tun kann. In ein paar Tagen wirst du erkennen, was ich meine.« Nach einer Pause sagte er: »Aber Genshed ist nicht der einzige, der an unserem Elend schuld ist.«
    »Wieso – wer sonst?«
    »Der Feind; die Ortelganer, die den Sklavenhandel wieder eingeführt haben.«
    »Sie haben Genshed keine Genehmigung gegeben.«
    »Nein, aber was durften sie sich denn erwarten? Wenn du Hunde ins Haus nimmst, läßt du Flöhe hinein.«
    Kelderek blieb ihm eine Antwort schuldig, und sie gingen lange in ihrem schleppenden Schneckentempo hinter den Kindern her und bückten sich alle paar Meter, um die verhedderten Ketten freizumachen. Endlich sagte Radu: »Bist du sicher, daß General Santils Heer in Kabin ist?«
    »Ja – ich bin von dort gekommen.«
    »Und du hast tatsächlich meinen Vater gesehen?«
    »Ja.«
    Sie senkten die Köpfe, um an Bled vorbeizugehen, der mit gebeugten Knien und halb gehobenem Stock dort stand. Erst als der sie wieder überholt hatte und ein Stück weiter vorn war, nahm Kelderek das Gespräch erneut auf.
    »Es muß bald dämmern. Wann macht er gewöhnlich halt?«
    »Bist du müde?« fragte Radu.
    »Ich bin von meiner Kopfwunde noch benommen, und mein Finger schmerzt sehr. Genshed hat mich mit dem Messer unter dem Nagel gestochen.«
    »Ich habe schon oft gesehen, wie er das macht«, sagte Radu. »Laß es mich ansehen. Das muß man verbinden.« Er riß einen Streifen von seinen Lumpen und wand ihn um Keldereks Finger. »Vielleicht können wir ihn später waschen. Ich bezweifle, daß er heute abend noch viel weiter gehen wird.«
    »Hast du eine Ahnung, warum Genshed mich behalten will?« fragte Kelderek. »Du sagtest mir, er habe deinen Diener getötet und er handle nur mit Kindern. Hat er jemals, soviel du weißt, erwachsene Männer oder Frauen eingefangen?«
    »Nein, keinen einzigen. Aber es wird, was immer es ist, ein gerissener und böser Grund sein.«
    Bald darauf machten sie auf einem schlammigen Stück freien Landes halt, das sich rechts bis zum Telthearnaufer erstreckte. Kelderek rechnete, daß sie seit seiner Gefangennahme ungefähr zehn Kilometer zurückgelegt haben mochten. Er nahm an, daß Genshed nach Linsho kommen wollte, um dort, wenn er sich den Weg durch den Durchlaß erkauft hätte, zu Lande oder zu Wasser westwärts nach Terekenalt zu gelangen. Wenn es ihm selbst nicht glückte, zuvor zu entfliehen, wäre Melathys für ihn für immer verloren, und er würde höchstwahrscheinlich nie erfahren, was mit ihr oder der Tuginda geschehen war.
    Auf den Befehl anzuhalten, ließen sich alle Kinder, wo sie gerade waren, nieder. Einige schliefen sofort ein. Manche duckten sich zusammen und sprachen im Flüsterton miteinander. Keines außer Shara zeigte die geringste Energie oder Tatkraft. Sie war erwacht, wanderte umher und hob glänzende Blätter oder bunte Steine auf, die ihr gefielen. Radu machte ihr aus den Blättern ein Halsband in der Art einer Margeritenkette und hängte es ihr um den Hals. Kelderek saß daneben und versuchte, sich mit dem kleinen Mädchen anzufreunden – denn es schien von ihm ein wenig eingeschüchtert –, da plötzlich sah er Genshed, gefolgt von Schreihals und Bled, herankommen. Der Sklavenhändler trug ein Werkzeug, das in Fetzen gewickelt war. Die drei gingen hinter Kelderek vorbei, und er hatte sich wieder zu Shara gewandt, da spürte er, wie er an den Schultern gepackt und rückwärts zu Boden geworfen wurde. Seine Arme wurden nach beiden Seiten gezerrt, und er schrie auf, als Genshed und Bled sich auf seine Muskeln knieten. Der Sklavenhändler beugte sich über ihn und sagte: »Mund auf, oder ich schlage dir die Zähne aus!«
    Kelderek gehorchte keuchend, und dabei erblickte er Schreihals, der seine Fußgelenke festhielt und zu Genshed hinauf grinste. Der Sklavenhändler drückte Kelderek eine Handvoll Lumpen in den Mund und riß ihm den um den Kopf gewundenen Verband ab.
    »Vorwärts, ans Werk!« sagte er zu Bled. »Dreh seinen Kopf hier herüber!«
    Bled drehte Keldereks Kopf nach links, und der spürte sofort, wie sein rechtes Ohrläppchen gezwickt, dann zusammengedrückt und durchbohrt wurde. Ein akuter Schmerz durchzuckte ihn qualvoll vom Hals bis zu den Schultern. Sein ganzer Körper krampfte sich zusammen, fast hätte er die zwei Jungen abgeschüttelt. Als er wieder zu sich kam, hatten die drei ihn losgelassen und entfernten sich.
    Kelderek

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