Spiel mit dem Tod
angesprochen. Tatsache war, dass sie selbst mehr von sich erwartete.
Stacy stellte den Motor ab und stieg aus. Jetzt bemerkte sie, wie ausgelaugt sie geistig und emotional war. Vielleicht sollte sie das Ganze sein lassen. Leo sagen, sie hätte genug; die Polizei war inzwischen in die Sache eingeschaltet. Malone hatte sich als fähiger herausgestellt als vermutet.
Eine Bewegung auf der Veranda weckte ihr Interesse. Alice Noble saß auf ihrer Treppe.
Seltsam, sehr seltsam.
„Hallo, Alice.“
Das Mädchen erhob sich, die Arme wie zum Schutz um ihren Körper geschlungen. „Hallo.“
Stacy erreichte den Treppenabsatz. Sie lächelte dem jungen Mädchen zu. „Was gibt’s?“
„Ich habe auf Sie gewartet.“
„Das sehe ich. Ich hoffe, du musstest nicht zu lange hier sitzen.“
„Zwei Stunden.“ Sie hob das Kinn. „Nicht so wild.“
„Komm mit hoch. Die Bücher hier sind schwer.“ Stacy stieg die drei Stufen zur Veranda hinauf und ließ ihren Rucksack fallen. „Willst du was trinken?“
„Ich will, dass Sie mir die Wahrheit sagen.“
„Die Wahrheit“, wiederholte sie. „Worüber?“
„Sie helfen Dad nicht dabei, sein Buch zu schreiben.“
Stacy wollte nicht lügen. Das erschien ihr nicht richtig. Außerdem war Alice Noble zu alt und zu klug.
„Sie waren gestern Abend im Haus. Ziemlich spät. Mit zwei Typen. Polizisten, schätze ich.“
„Du musst mit deinen Eltern darüber reden. Nicht mit mir.“
Plötzlich wirkte sie besorgt. „Haben Mom und Dad irgendwie Ärger?“ Als Stacy nicht antwortete, ballte sie die Hände zu Fäusten. „Warum sagen Sie mir nicht, was los ist?“
Stacy streckte die Hand aus. „Es ist nicht mein Haus, Alice. Du bist nicht meine Tochter. Geh zu deinen Eltern. Bitte.“
„Sie kapieren das nicht! Die sagen mir nichts.“ Sie klang auf einmal viel erwachsener – und verbittert. „Ich werde immer noch behandelt wie ein Baby. Als wäre ich sechs und nicht sechzehn. Ich darf Auto fahren, aber wenn es um das richtige Leben geht, dann vertrauen sie mir nicht.“
„Das hat nichts mit Vertrauen zu tun“, sagte Stacy nachsichtig.
„Aber doch.“ Sie blickte Stacy direkt in die Augen. „Jemand ist gestorben, oder?“
Stacy blieb ruhig. „Wie kommst du darauf?“
„Das ist der ein zige Grund, warum Leute mit ten in der Nacht anrufen, oder nicht? Wenn sie schlechte Nachrichten haben, die nicht warten können.“ Alice griff nach Stacys Hand und drückte sie überraschend kräftig. „Wenn das Polizisten waren, was hat das zu bedeuten? Ist jemand umgebracht worden? Gekidnappt? Was hat meine Familie damit zu tun?“
„Alice“, sagte Stacy leise, „hast du gestern Nacht unser Gespräch belauscht?“
„Bitte sagen Sie es mir“, bat Alice leise. „Dad und Mom müssen es ja nicht erfahren.“
Stacy zögerte. Einerseits war Alice ein Teenager, zu alt, um im Ungewissen gelassen zu werden. Und ganz sicher zu intelligent. Sie schien mehr als in der Lage, damit klarzukommen; nach Stacys Meinung sollte sie zu ihrem eigenen Besten eingeweiht werden. Das Monster, das man kennt, ist weniger bedrohlich als das, das man nicht kennt.
Andererseits war Alice nicht ihre Tochter.
„Du bist hierher gefahren?“ fragte Stacy.
„Gelaufen.“ Sie schnitt eine Grimasse. „Wie gesagt, ich habe mein eigenes Auto, aber ich brauche eine Erlaubnis, um es zu benutzen. Und normalerweise muss ich wer weiß was anstellen, um die zu bekommen.“
„Hör zu, in diesem Fall bin ich mit dir einer Meinung. Aber ich habe nicht das Recht, dir irgendetwas zu erzählen. Ich kann mich nicht gegen die Wünsche deiner Eltern stellen.“
„Wie auch immer.“
Sie drehte sich um und wollte gehen. Stacy hielt sie am Arm zurück. „Warte. Ich fahre dich nach Hause. Wenn dein Dad da ist, werde ich mit ihm sprechen und versuchen, ihn davon zu überzeugen, dass er dich einweiht. In Ordnung?“
„Wenn es was nützt.“
Stacy ließ den Rucksack in der Wohnung und ging mit Alice zum Wagen. Sie fuhren schweigend, das Mädchen kauerte im Sitz, ein Bild des Jammers.
Stacy parkte vor der Villa, Alice wartete nicht auf sie, sondern stürzte ins Haus. Leo stand am Fuß der Treppe und blickte nach oben. Im ersten Stock schlug eine Tür zu.
Er sah Stacy verständnislos an. „Ich dachte, sie wäre in ihrem Zimmer.“
„Sie war bei mir.“
„Bei Ihnen?“ Er zog die Augenbrauen hoch. „Verstehe ich nicht.“
„Können wir uns unterhalten?“
„Sicher.“
Er führte sie in sein Büro, schloss
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