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Sternenlaeufer

Sternenlaeufer

Titel: Sternenlaeufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Melanie Rawn
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schon, worum es geht: Das freut mich. Er ist ein wertvoller Mann und ein guter Freund. Er hat um Erlaubnis ersucht, dir offiziell den Hof zu machen. Aber ich habe ihm erklärt, ich müsste erst mit dir darüber sprechen. Er ist zwar ein feiner Mann, und er wäre dir gewiss ein guter Gemahl, aber trotzdem würde ich nicht einmal Tallain meine Einwilligung geben, wenn du noch immer …«
    Die Bürste fiel auf den Teppich.
    »Du hast es also nicht gewusst?«
    Ihre Gedanken wirbelten durcheinander wie Jungdrachen, die durch die Himmel schossen. Tallain?
    »Er bewundert dich und würde dich gern besser kennenlernen. Nutze die Gelegenheit, ihn kennenzulernen! Wenn euch beiden gefällt, was ihr seht, und wenn ihr einander lieben könntet, dann wären deine Mutter und ich sehr glücklich mit dieser Wahl.«
    Es war beschämend, aber ihr erster zusammenhängender Gedanke war: Wenn ich will, kann ich ihn haben – damit könnte ich es Pol zeigen!
    »Er will einen Teil des Winters in Stronghold verbringen, damit er häufig nach Remagev kommen kann. Er wird dich nicht drängen, Liebes. Er weiß, dass du erst siebzehn bist, und gewiss wirst du beim nächsten Rialla unter noch mehr jungen Männern wählen können als in diesem Jahr.«
    Und da waren viele gewesen – aber Tallain war nicht darunter gewesen. Er hatte nur ein einziges Mal mit ihr getanzt. Schüchternheit? Das bezweifelte sie. Angst vor dem Wettbewerb? Nicht mit diesen Augen und diesem Haar und diesem Gesicht – ganz abgesehen von all dem Geld. Ganz plötzlich nahmen seine Worte über die Reichtümer, die man den Händlern aus Cunaxa abnehmen konnte, eine ganz andere Bedeutung an, und sie hätte fast gekichert. Geschickt von ihm, auf diese Weise anzudeuten, dass er ihre Mitgift nicht benötigte. Dann wurde sie wieder ernst und begriff, dass er auch auf ihre familiären Verbindungen zum Hoheprinzen nicht angewiesen war. Wenn er sie erwählte, dann ging es allein um sie. Sionell war gezwungen, seine Taktik zu bewundern. Seinen Verstand. Seinen Sinn für Humor. Und sein Aussehen.
    Er war nicht Pol – das konnte kein Mann jemals sein. Doch Pol würde niemals ihr gehören.
    So plötzlich, dass es ihr für einen Moment den Atem verschlug, fiel ihr die Unterhaltung mit Pol wieder ein. Er weiß Bescheid. Deshalb hat er all diese Dinge über Tallain gesagt. Er hat versucht, mich zu verheiraten!
    Ihr Vater redete wieder. Seine Stimme klang ein wenig nervös, weil sie stumm blieb. »Denk darüber nach, Ell. Du musst dich noch nicht entscheiden. Es ist noch viel Zeit.«
    »Ich brauche keine Zeit«, hörte sie sich sagen. »Tallain kann mich besuchen kommen, wenn er mag.« Nach einer kurzen Pause und mit leicht verzogenen Lippen fügte sie hinzu: »Aber das müssen wir ihm noch nicht sagen.«
    Walvis blinzelte. Dann lachte er. »Du lässt ihn rätseln, bis zu dem Augenblick, in dem du seinen Antrag annimmst, was?«
    Sionells einzige Antwort bestand in einem Achselzucken, aber dabei dachte sie: Ja, und wenn er glaubt, er müsste sich sehr anstrengen, um mich zu gewinnen, dann werden wir uns vielleicht beide verlieben. Nichts ist so interessant wie jemand, der unerreichbar ist. Ich weiß das sehr gut. Wenn ich Tallain heirate, dann tue ich das, weil ich mit ihm leben kann. Sie sah flüchtig Pol vor sich, wie er davoneilte, um sich mit der Dienerin zu treffen. Er würde jede Frau in der Welt anschauen. Nur nicht sie. Das hatte sie von Kindesbeinen an gewusst. Aber jetzt war sie auch davon überzeugt.
    Walvis erhob sich und fuhr ihr durchs Haar, als wäre sie noch immer zehn Jahre alt. Sie sei zu klug und das sei von Schaden für sie selbst, bemerkte er noch. Dann ging er wieder nach unten, um Feylin zu überreden, ihre Grübeleien über die Drachen einzustellen und ins Bett zu kommen.
    Sionell glättete ihr Haar und flocht es mit automatischen Bewegungen. Wenn nicht Tallain, dann jemand anders. Aber sie mochte ihn. Und es war tröstlich, von einem gut aussehenden, reichen jungen Herrn angebetet zu werden.
    »Lady Sionell von Tiglath«, flüsterte sie. Und dann, noch leiser: »Höchste Prinzessin Sionell.«
    Keine Entscheidungen heute Nacht, abgesehen von der einen, Tallain einen Versuch zu erlauben! Aber wenn er so war, wie sie glaubte, dann war es sicher nicht schwierig, ihn zu lieben. Nicht so, wie sie Pol liebte – geliebt hatte natürlich. Das würde Tallain wissen. Aber er würde niemals ein Wort darüber verlieren, genauso wenig wie Ostvel jemals zu Alasen ein Wort über

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