Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
THARKARÚN – Krieger der Nacht

THARKARÚN – Krieger der Nacht

Titel: THARKARÚN – Krieger der Nacht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
Vom Netzwerk:
Skrupel, den Schießbefehl zu erteilen. Andererseits hatte er auch nichts Gutes zu erwarten, wenn er sich ergab: In den vielen Jahren auf der Flucht hatte Pelcus zu viele Verbrechen begangen, um auf Gnade bei Gericht hoffen zu dürfen. Im günstigsten Fall erwarteten ihn für den Rest seiner Tage eine nach Schimmel stinkende Zelle und rachsüchtige Gefängniswärter. Ganz zu schweigen von den vielen Leuten, die zusammenströmen würden, sobald sein Aufenthaltsort öffentlich bekannt würde, weil sie ihn liebend gern umbringen würden. Wahrscheinlicher aber war es, dass er überhaupt nicht lebend aus Ulf Ghandars Händen entkommen würde. Nachdem er ihm so übel mitgespielt hatte, dürfte der Hass des Obersten in den letzten Jahren eher noch gewachsen sein. Vermutlich würde nur Pelcus’ langsamer und qualvoller Tod Ulf Ghandars Blutdurst befriedigen können, doch dem Schurken lag nichts daran, das herauszufinden. Sich auf einen Kampf einzulassen, grenzte allerdings ebenfalls an Selbstmord. Da standen fünfzig Mann, bewaffnet mit Bolas, Büchsen und Armbrüsten, ganz zu schweigen von der kleinen Kanone, mit der man leicht auch ein gepanzertes Schiff hätte versenken können. Außerdem gehörten alle der Steinwache an, einer Truppe, die ihren Namen auch ihrer sprichwörtlichen unerschütterlichen Härte verdankte. Pelcus dagegen war allein und außer ein paar Bolas, einer Spitzhacke und einem Säbel trug er keine Waffen bei sich, einmal abgesehen von dem Sprengsatz mit Kontaktzünder in der Tasche, der nach dem Lösen der Sicherung sofort explodierte. Doch der hatte zu viel Sprengkraft, um ihn hier im Raum zu benutzen – jedenfalls wenn man nicht in kleinen Teilen gegen die Decke geschleudert werden wollte. Daraus folgte: Solange sie sich unter
der Erde befanden, waren Ghandar und seine Soldaten zu stark für ihn. Er konnte nur hoffen, lange genug am Leben zu bleiben, um einen Fluchtversuch zu wagen, sobald sie ins Freie kamen.
    Pelcus schaute resigniert an die Decke und hob die Hände. Wie er das hasste! »Ich ergebe mich aus freiem Willen ohne Gegenwehr«, sagte er seufzend. »Das bedeutet, ihr dürft nicht auf mich schießen. Ich habe das Recht, alles zu sagen, was ich will, und auf meinen eigenen Beinen diesen Ort zu verlassen, wenn auch unter eurer Bewachung. Und jeder Übergriff gegen mich wäre ein Missbrauch eurer Macht, den ich sofort dem zuständigen Richter melden werde, falls ich je einen zu Gesicht bekommen werde.«
    »Das wird bald geschehen, da kannst du sicher sein«, kündigte ihm Ulf Ghandar mit einem Lächeln an, das Pelcus ganz und gar nicht gefiel. »Und da du mich so freundlich an meine Pflichten erinnert hast, hoffe ich, dass auch du so kooperativ sein wirst, jede Waffe abzulegen, die du besitzt. Und ich rate dir gut, nichts vor mir zu verbergen, weil ich dich durchsuchen lassen werde.«
    Schnaubend löste Pelcus den Gürtel und schleuderte ihn zu Boden, sodass sein Säbel und die Spitzhacke auf den Steinen klirrten. Die Bolas folgten umgehend. Doch den Sprengsatz ließ er, wo er war, in einer versteckten Tasche im Futter seines Wamses. Ghandar sollte schließlich nicht wissen, dass er etwas an der Mischung des Sprengstoffs verändert hatte …
    Ghandar nickte sichtlich zufrieden und gab einem mit einer Armbrust bewaffneten Zwerg, der neben ihm stand, ein Zeichen. »Durchsuch ihn«, befahl er.
    Der Zwerg folgte seiner Anordnung, und Pelcus war stolz auf sich, weil er es schaffte, seinem Gesicht einen Ausdruck empörter Missbilligung wegen dieses Mangels an Vertrauen zu verleihen, obwohl ihm insgeheim der kalte Schweiß ausbrach bei dem Gedanken, die versteckte Bombe könnte gefunden werden. Doch die Finger der Wache glitten über das Futter des Wamses hinweg, ohne die versteckte Tasche zu entdecken. Pelcus stieß einen
unhörbaren Seufzer der Erleichterung aus und beglückwünschte sich stumm.
    »Er ist sauber«, verkündete die Wache.
    »Kaum zu glauben«, sagte Ghandar. »Was ist los, Pelcus, siehst du etwa plötzlich eine Zukunft voller Anstand und Ehrbarkeit vor dir?«
    »Ich sehe nur ziemlich viel Ärger, Ghandar«, polterte Pelcus. Er war nicht nur äußerst wütend über seine Lage, sondern fand auch Ghandars säuerlichen Humor unerträglich. »Sei nicht so hart gegen mich, ja? Versetz dich doch einmal in meine Lage. Ich dachte, ich hätte hier leichtes Spiel, und dann stehe ich plötzlich vor einem Trupp Artillerie und muss mich fragen, was ich falsch gemacht habe.«
    Ghandar strich

Weitere Kostenlose Bücher