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Tod Auf Dem Jakobsweg

Tod Auf Dem Jakobsweg

Titel: Tod Auf Dem Jakobsweg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Petra Oelker
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er nun umgehend tun. Er hasste es, nach einer Reise von Unerledigtem empfangen zu werden. Während seiner Abwesenheit sammelten sich genug neue Stapel von . Seine Urlaubstage waren so rasch und problemlos genehmigt worden, dass er überlegt hatte, ob er sich Sorgen um seine Karriere machen müsse. Er hatte sich dagegen entschieden, Obanos war trotz seines Berufs ein optimistischer Mensch mit einer Schwäche für das Positive.
    Das Hotelzimmer war reserviert, das Gepäck wartete im Auto im Hof. Als das Telefon klingelte, hob Obanos nur widerwillig ab. Bis er das Kommissariat verlassen hatte, bestand die Gefahr, dass ein lästiger neuer Fall einen Strich durch seine Extratour nach Santiago machte. Aber vielleicht war es Pilar, es konnte nicht schaden, ein bisschen Schmelz in die Stimme zu legen, auch eine altgediente Ehefrau (dass ihm dieses Attribut nur nie in ihrer Gegenwart herausrutschte!!) wollte umschmeichelt sein, wenn der Ehemann aus heiterem Himmel ein paar Tage für sich allein in Anspruch nahm. Sie hatte nicht protestiert, als er ihr seinen Entschluss mitteilte, aber ziemlich schmale Lippen gemacht. Mehr wäre gegen die Spielregeln gewesen. Beide fanden, ab und zu ein paar Tage Urlaub voneinander sei erfrischend, und erst im März hatte Pilar sich mit einer Freundin ein langes Wochenende in einem Wellness-Hotel gegönnt. Ein Vergnügen, das Obanos völlig unverständlich war. Er hatte nichts gegen Massagen, wenn die Masseurin hübsch war und sensible Hände hatte. Heiße Bäder, Schlammpackungen und kalte Güsse gehörten keinesfalls zu den Zielen seiner Sehnsucht.
    Am anderen Ende der Leitung war nicht Pilar, sondern Dr. Helada. Zwei Minuten später sauste Obanos aus seinem Büro, die Treppen hinunter und über den Parkplatz zu seinem Auto. Sonst eher ein gemächlicher Fahrer — für die Raserei war Subinspektor Prisa zuständig—, legte er den Weg zum hospital in Rekordzeit zurück.
    «Und? Was sagt er?», fragte er noch atemlos Dr. Helada, der ihm im Gang der Intensivstation entgegenkam.
    «Wenig, mein Lieber, sehr wenig. Er hat Durst, das ist klar, und er fragt nach seiner Verlobten das ist ebenso klar. Ich finde es ja auch seltsam dass die Señorita sich schon wieder ihrer Pilgergruppe angeschlossen hat. Allerdings — wenn sie nicht nur wandern will, sondern wirklich pilgert wie Señora Siemsen neuerdings behauptet, mag es hilfreich sein. Die Señora sagt, sie selbst habe Señorita Instein gedrängt, nach Santiago zu gehen. Ich fände es für den Zustand des Patienten förderlicher, sie wäre hier, aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Und unsere fromme Schwester Luzia, sonst ein Ausbund an Vernunft, ist natürlich ganz ihrer Meinung.»
    «Das ist alles? Dafür hetzen Sie mich hierher?»
    Dr. Helada hob bedauernd die Schultern. «Sie wollten, dass ich anrufe, sobald er aufwacht. Er ist aufgewacht, ich habe angerufen. Wer hat von hetzen gesprochen? Gehen Sie zu ihm, vielleicht sagt er jetzt mehr. Er bekommt starke Medikamente, die auch das Denkvermögen von Patienten beeinträchtigen, die nicht im Koma gelegen haben. Das sollten Sie bedenken. Seien Sie nett, Señora Siemsen ist so glücklich, das sollte man nicht dämpfen.»
    Ruth Siemsen saß wie seit Tagen am Bett ihres Sohnes, doch sie saß nun sehr aufrecht, auf ihrem erschöpften Gesicht lag etwas mädchenhaft Strahlendes. Luzia stand neben ihr, die Hände wie nach erfolgreich getaner Arbeit vor dem Bauch gefaltet, und blickte wachsam auf ihren Patienten hinab. Der lag in seinem Bett und sah kaum anders aus als bei Obanos’ letztem Besuch, was den Inspektor nicht wirklich überraschte, aber trotzdem enttäuschte.
    «Er ist wach», flüsterte Ruth Siemsen, als sie den Inspektor bemerkte. «Ich habe mich vorgestern nicht geirrt, da hat er schon die Augen aufgemacht, wenn auch nur kurz, jetzt ist er wirklich wach. Nein», erklärte sie leise lachend, es klang silbrig und nach einer Prise Übermut, «nicht jetzt im Moment, er ist gerade wieder eingeschlafen. Aber es ist nur Schlaf. Nicht wahr, Schwester Luzia, das hat Dr. Helada gesagt. Ein ganz normaler Schlaf, der ihm hilft, gesund zu werden.»
    «Glückwunsch», sagte Obanos und trat nah an das Bett. Benedikt Siemsen sah tatsächlich aus, als schlafe er nur wie ein Mann, der sich gründlich erholen muss. «Hat er irgendetwas gesagt? Ich meine, erinnert er sich an den Unfall?»
    Das Strahlen in Ruth Siemsens Gesicht erlosch. «Der Unfall», wiederholte sie. «Dazu hat er nichts

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