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Todesspiel

Titel: Todesspiel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: John Sandford
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Fetzen Papier mitgenommen. Sie haben den Schlüssel für ein Bankschließfach gefunden und holten meine Genehmigung zum Öffnen ein – ich bin Bobbys Testamentsvollstrecker -, aber sie fanden darin nur eine Schachtel mit alten Fotos, zwei alte Goldketten und die Tagebücher seiner Mutter aus der Zeit, als sie von Nashville hierher zog.«
    »Was wird, ehm, mit seinem Haus geschehen?«, fragte John.
    »Ich werde es verkaufen – wie gesagt, ich bin sein Testamentsvollstrecker. Nach der Bezahlung aller noch offenen
Rechnungen und des Begräbnisses geht der Rest des Geldes an den United Negro College Fund. Er sagte mir, seine Möbel und alles andere Zeug aus dem Haus könnte ich ja auf einem Trödelmarkt verramschen und das Geld aus dem Erlös behalten, ebenso alles Bargeld, das ich im Haus finden würd’, aber das war wohl nur ein Scherz. Die Feds sagten, sie hätten kein Geld im Haus gefunden, aber das ist mir egal. Ich bin einfach nur traurig über seinen Tod. Er war der gescheiteste Mann, den ich je getroffen habe.«
    »Ja, das meine ich eigentlich auch, aber ob er’s bis in die letzte Konsequenz war, muss sich noch zeigen«, sagte ich. »Haben Sie irgendeine Idee, was da gelaufen ist?«
    Er begann schon mit dem Kopfschütteln, als ich die Frage noch gar nicht beendet hatte. »Wenn die Feds mit der Todeszeit richtig liegen, habe ich Bobby noch zwei Stunden davor gesehen, und er war fröhlich wie immer.«
    »Bobby hatte ein perfektes Sicherheitssystem aufgebaut«, sagte ich. »Viele Leute haben seit langer Zeit versucht, hinter seine Identität zu kommen. Die Frage ist, wie man ihn jetzt aufstöbern konnte. Hat er in letzter Zeit sein Verhalten geändert? Hat er vermehrt Telefongespräche geführt oder persönlichen Kontakt mit jemandem aufgenommen?«
    Wieder schüttelte er sehr schnell den Kopf. »Er kam nicht mehr viel aus dem Haus. Ich brachte ihn zum Einkaufen, wenn er den Wunsch hatte, aber er ermüdete sehr schnell. Sein Leben kreiste um seine Computerarbeit, seine Filme und seine Musik. Er spielte Klavier, meistens Blues, aber auch anspruchsvollere Sachen. Er war früher wohl mal ein richtig guter Klavierspieler, aber dann ließ die Koordination der Bewegungen in der linken Hand nach, und er war sehr traurig darüber. Ich habe sogar mal gesehen, wie er deshalb fürchterlich geheult hat. Von sich aus hat er das Haus kaum mehr verlassen, redete nur noch selten mit jemandem, außer vielleicht
mal mit einem Nachbarn oder über den Computer. Natürlich weiß ich nicht, ob er in meiner Abwesenheit mehr als sonst telefoniert hat.«
    »Verdammt«, sagte ich zu John.
    John wandte sich an Baird: »Wenn Sie ein paar Minuten Zeit haben, würden wir gerne mal mit Ihnen durchgehen, was im Einzelnen letzten Monat oder so bei Bobby geschehen ist …«
    John ging mit ihm die vergangenen zwei Monate durch. Baird erinnerte sich an eine Abweichung von Bobbys Routineverhalten vor rund sechs Wochen, nur eine kleine Sache, aber …
    Bobby hatte sich schon immer bemüht, unterprivilegierten intelligenten schwarzen Schulkindern den Umgang mit Computern nahe zu bringen und ihnen dabei auch materiell unter die Arme zu greifen. Ich selbst erinnerte mich sehr gut an eine solche Aktion – im Zusammenhang mit dem Fall, der John, LuEllen und mich erstmals nach Longstreet geführt und John die Bekanntschaft Marvels eingebracht hatte. Ich hatte danach durch Freunde im Internet noch von anderen solcher Hilfsaktionen Bobbys erfahren, wenn auch meistens in Form von Gerüchten.
    Baird berichtete nun also vom letzten bekannten Fall dieser Art: Bobby hatte vor sechs Wochen von einem Computer-Kid in New Orleans gehört, einem genialen kleinen Mädchen, das sich durch nächtliche Einbrüche in seine Grundschule Computerzeit verschaffte, da es keinen eigenen Computer besaß. Bobby habe ein paar Mal mit dem Mädchen gechattet, sagte Baird, und ihr dann einen Laptop geschickt.
    Baird beschrieb den Ablauf der Aktion: Bobby hatte Baird zum nächsten CompUSA geschickt, um einen Laptop gegen Barzahlung zu kaufen. Dann hatte Bobby zusätzliche Software dazugepackt und Baird beauftragt, das Paket über FedEx an das Mädchen zu schicken. Baird hatte das getan und die
Versandkosten wiederum bar bezahlt. So hatten sie es immer gemacht, wenn Bobby Pakete irgendwohin zu schicken hatte, weil dann keine Lieferscheine oder Rechnungen existierten, die Bobby in Verbindung mit der Sendung bringen konnten.
    »Welche Absenderadresse haben Sie angegeben, als Sie das

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