Und taeglich grueßt die Evolution
fressen. Da bleibt nicht genügend Energie für einen großen Körper übrig. Im Unterschied zu den Weibchen müssen die Männchen in erster Linie einen großen Harem verteidigen, und dabei setzen sie auf körperliche Kraft. Ähnlich wie Paviane gehören auch Gorillas zu den Primatenarten, bei denen die Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern besonders drastisch sind.
Große Männer, kleine Frauen
Ganz so starke Kontraste gab es bei den frühen Menschenverwandten wohl nicht. Als eine der wenigen Arten, bei denen die Frauen deutlich zierlicher waren als die Männer, gilt der Australopithecus afarensis. Über diesen Vormenschen, der vor etwa 3,6 Mio. Jahren lebte, wissen Anthropologen vergleichsweise viel. In Hadar in Äthiopien und in Laetoli in Tansania wurden bereits in den 1970er Jahren Teile von Skeletten, gut erhaltene Schädel und sogar Fußspuren dieser Männer und Frauen gefunden. Zu Weltruhm brachte es ein vermutlich weibliches Exemplar aus Hadar, das seine Entdecker »Lucy« tauften. Nach einer Analyse der Beingelenke sollen Lucys männliche Verwandte im Durchschnitt um die 45 Kilogramm gewogen haben, Lucys Geschlechtsgenossinnen hingegen nur um die 30 Kilogramm. Damit wäre der Größenunterschied geringer als bei Gorillas und Orang-Utans gewesen, aber deutlich größer als bei heutigen Menschen. Allerdings gibt es auch Zweifel an diesem gängigen Bild. Eine Vermessung der Gelenkköpfe von Oberschenkelknochen deutet eher darauf hin, dass die Größenverhältnisse bei Australopithecus afarensis schon ähnlich waren wie beim heutigen Menschen. Und der Homo sapiens unserer Tage macht in puncto Körpergröße und Gewicht deutlich weniger Unterschiede zwischen Männern und Frauen als viele Tiere.
Die Entstehung der Geschlechter
Das Geschlecht jedes Menschen wird bei der Befruchtung durch kleine Strukturen im Erbgut festgelegt, die Biologen als X- und Y-Chromosomen bezeichnen. Frauen haben in ihren Zellen jeweils zwei X-Chromosomen, Männer dagegen ein X- und ein Y-Chromosom. Die Folgen dieser unterschiedlichen genetischen Ausstattung werden allerdings erst später deutlich. In den ersten Wochen seines Lebens ist ein männlicher Embryo nicht von einem weiblichen zu unterscheiden. Beide haben die gleiche frühe Form von Keimdrüsen, aus denen sich später entweder Hoden oder Eierstöcke entwickeln. Äußerlich ist zwar schon zu erkennen, wo später die Geschlechtsorgane wachsen werden, doch an dieser Stelle haben alle Embryonen zunächst eine kleine Aus- und eine kleine Einbuchtung. Erst gegen Ende des zweiten Schwangerschaftsmonats wird auf dem männlichen Y-Chromosom die Erbgutregion SRY aktiv, die für die Produktion des sogenannten »Hodendeterminierenden Faktors« sorgt.
Dieses Protein trägt seinen Namen nicht umsonst, denn es bringt die Entwicklung der Hoden in Gang. Der Embryo beginnt zudem das männliche Geschlechtshormon Testosteron zu produzieren. Das wiederum sorgt dafür, dass sich die Ausbuchtung nach und nach zum Penis entwickelt und dass sich die Einbuchtung schließt.
Bei den weiblichen Embryonen fehlt der Hodendeterminierende Faktor und die Steuerung durch die männlichen Geschlechtshormone. Die Keimdrüsen entwickeln sich zu Eierstöcken, die Ausbuchtung wird zur Klitoris, aus Hautfalten entstehen die großen Schamlippen. Die Einbuchtung bleibt offen, vertieft sich und bildet die kleinen Schamlippen und den Scheideneingang.
Die Zeit der Veränderungen
In den folgenden Wochen wachsen die Geschlechtsorgane, kurz vor der Geburt senken sich bei Jungen die Hoden in den Hodensack. Danach tut sich in Sachen Geschlechtsentwicklung erst einmal nicht mehr viel. In den ersten Jahren nach der Geburt haben Mädchen und Jungen einen ganz ähnlichen Körperbau – bis in der Pubertät die Geschlechtshormone das Regiment übernehmen. Mädchen bilden dann deutlich mehr weibliche Östrogene, bei Jungen überwiegen die Androgene. Diese unterschiedlichen Hormonpegel sorgen dafür, dass sich die sekundären Geschlechtsmerkmale ausbilden.
Bei Jungen vergrößern sich Hoden und Penis, im Schambereich, unter den Achseln, auf der Brust und im Gesicht sprießen Haare. Auch die Figur verändert sich deutlich: Der Brustumfang nimmt zu, die Schultern werden breiter als die Hüften und an Armen, Beinen und Schultern bilden sich mehr Muskeln. Zudem vergrößert sich der Kehlkopf, die Stimme wird tiefer.
Bei Mädchen fangen die Veränderungen der Pubertät mit dem Wachstum der Brüste an. Danach beginnen
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