Vampire Academy 03 ● Schattenträume
hatte sie gelernt: Wenn sie nicht zu konzentriert an gewisse Dinge dachte, konnte ich sie nicht so leicht erahnen. Sie redete sich gern ein, dass sie mich manchmal zu überraschen vermochte. Der Versuch, große Themen oder Probleme vor mir zu verbergen, funktionierte jedoch niemals.
Wir gingen wieder in die Kälte hinaus, und Lissa ging voran. Sie brachte uns weg von den administrativen Gebäuden und hin zu einigen anderen, die am entgegengesetzten Ende des höfischen Geländes lagen.
„In diesem Bau lebt die Königin”, erklärte Lissa. „Es ist nicht gerade ein Palast, kommt dem aber so nahe, wie es uns möglich ist. Damals, als sich der Hof in Europa befand, lebten die Mitglieder der königlichen Familie in Burgen.”
Ich verzog das Gesicht. „So wie du das ausdrückst, klingt es nach etwas Gutem.”
„Steinerne Mauern? Türmchen? Selbst du musst zugeben, dass das ziemlich großartig klingt.”
„ Ja , aber ich wette, sie hatten einen miserablen Internetzugang.”
Lissa sah mich kopfschüttelnd an, lächelte und würdigte meine Bemerkung keines Kommentars. Wir kamen an einigen anderen Gebäuden vorbei, deren Mauern genauso kunstvoll wirkten wie die anderen, aber diese Gebäude waren hoch und in einem Stil erbaut, der mich an Apartmenthäuser erinnerte. Sie bestätigte meine Vermutung.
„Das sind Stadthäuser, in denen Leute leben, die das ganze Jahr hier verbringen.”
Ich betrachtete sie und fragte mich, wie sie von innen aussehen mochten. Dann durchzuckte mich ein glücklicher Gedanke. „Meinst du, wir werden dort auch leben?”
Die Frage überraschte sie, aber sie war schon bald genauso aus dem Häuschen wie ich. Auch ihr gefiel die Vorstellung, unsere eigene Wohnung zu haben, mit der Möglichkeit, sie nach unserem Geschmack einzurichten und zu kommen und zu gehen, wann wir es wollten. Mir gefiel die Idee recht gut, dass auch Dimitri bei uns wohnen würde, aber liier bei Hof würde er nicht vierundzwanzig Stunden am Tag sieben Tage die Woche bei ihr sein. Was das betraf, auch ich würde sie nicht rund um die Uhr bewachen müssen. Würde man mir erlauben, mit ihr zusammen zu wohnen? Oder würde dies eine weitere Gelegenheit sein, mir zu zeigen, dass ich nicht gebraucht wurde?
„Ich hoffe es”, sagte sie. Sie ahnte nichts von meinen Sorgen. „Oberstes Stockwerk mit Aussicht.”
Ich brachte ein neuerliches Lächeln zustande. „Und mit einem Pool.”
„Wie kannst du bei diesem Wetter an einen Pool denken?”
„He, wenn wir uns hier schon in Fantasien ergehen, können wir die Sache auch gleich bis zu Ende planen. Ich wette, Tatjana hat einen. Ich wette, sie trägt einen Bikini und lässt sich von heißen Typen mit Sonnenlotion einreiben.”
Ich erwartete, dass sie einmal mehr die Augen verdrehte, aber Lissa grinste nur, während sie mich in ein Gebäude führte, das in der Nähe der Stadthäuser lag. „Komisch, dass du das erwähnst.”
„Was?”, rief ich. Sie stand kurz davor, mit ihrem Geheimnis herauszuplatzen. Ich war so nahe dran, es aus ihrem Geist zu ziehen. Und es wäre mir auch gelungen, wäre ich von unserer Umgebung nicht so überwältigt gewesen. Es war eine sensorische Überlastung: sanfte Musik, Springbrunnen, Pflanzen, Leute in weißen Roben, und alles war glänzend und silbern.... Es war ein Kurhotel, ein ausgewachsenes luxuriöses Kurhotel, hinter der Fassade eines Baus, der sich äußerlich nicht von den anderen hier unterschied. Wer hätte das gedacht? Ein langer, granitener Empfangstisch bewachte den Eingang, sodass wir nur einen eingeschränkten Blick hatten. Aber was ich sehen konnte, war ziemlich umwerfend.
Frauen saßen an einer Wand und ließen sich mit Pediküren und Maniküren verwöhnen. Moroi ließen sich die Haare schneiden und färben. Im hinteren Teil des Salons befand sich etwas, das aussah wie ein Labyrinth von Fluren, mit einem Hinweisschild, auf dem Pfeile den Weg zu anderen Bereichen wiesen: Massage, Sauna, Gesichtsbehandlungen etc.
Lissa grinste mich an. „Was denkst du?”
„Ich denke, Adrian hatte mit der Behauptung recht, bei Hof gäbe es alle möglichen Geheimnisse.” Ich stieß einen gespielten Seufzer aus. „Und ich hasse es, zugeben zu müssen, dass er recht hat.”
„Du warst zu niedergeschlagen wegen des Praktikums und.... anderer Dinge.” Sie brauchte Masons Tod und den Kampf mit den Strigoi gar nicht zu erwähnen. Ich las in ihren Gedanken. „Ich fand, du könntest eine Belohnung gebrauchen. Während du bei der Königin
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