Vergeben, nicht vergessen
einmal tun.«
»Versuch es nur, du elender Wurm, versuch es.« Sie wollte noch etwas sagen, schüttelte jedoch nur den Kopf und wandte sich zum Gehen.
Ramsey machte zunächst keine Bewegung. Menschen fügten sich gegenseitig die unglaublichsten Verletzungen zu. Und er, Richter Hunt, ging, ohne im Geringsten zu zögern schnell den Flur hinunter auf Louey Santera zu, der immer noch dastand und abwechselnd auf Gunther und dann auf seine eigenen Fußspitzen blickte.
»Hey, Louey. Wie geht’s denn so?«
Louey hob mühsam den Kopf. »Was wollen Sie, Sie Wichser?«
Ramsey lächelte und sagte mit schmeichelnder Stimme: »Molly hat Sie gut eingeseift. Ich ahnte, dass sie stark ist, aber das war trotzdem eine angenehme Überraschung. Sie müssen sie wirklich ziemlich geärgert haben.«
»Wenn der Schlägertrupp ihres Vaters in der Nähe ist, fühlt sie sich mutig. Können Sie sich vorstellen, was Gunther wohl gemacht hätte, wenn ich auch nur mehr als heftig geatmet hätte? Das wusste sie. Und ich musste hier herumstehen und mich von ihr verprügeln lassen.«
Ramsey behielt weiter das Lächeln auf seinem Gesicht. Er hob Louey Santera am Hemdkragen hoch, schüttelte ihn und rammte ihm die Faust ins Gesicht. Louey jaulte auf und taumelte nach hinten. Ramsey ließ ihn los, und er fiel rückwärts gegen die Wand.
»Sie sind ein elender Wurm, Louey, wissen Sie das eigentlich? Darüber können Sie erst einmal ein wenig nachdenken. Ich kann es kaum erwarten, Sie endlich von hinten zu sehen. Und Molly hat Recht. Mason reißt jede Sekunde der Geduldsfaden. Wenn das passieren sollte, sind Sie meines Erachtens nach endgültig erledigt.«
»Sie sind ein verdammter Richter, ein gottverdammter Bundesrichter, und hören Sie sich mal zu! Ein Vertreter des Gesetzes! Ich werde Sie von Ihrem Berufsstand ausschließen lassen, Sie wegen Amtsmissbrauch anklagen, Sie Hund. Ich werde Sie erledigen.«
»Wollen Sie mich nicht jetzt gleich erledigen? Das würde mir sehr entgegenkommen, Louey. Wann auch immer Ihnen danach der Sinn steht, schauen Sie einfach bei mir herein.« Er schüttelte den Kopf. »Es sieht ganz danach aus, dass Sie einen Kinderschänder angeheuert haben, um Ihre Tochter zu entführen. Das war Ihnen vermutlich nicht bewusst, aber das zeigt nur, was für ein Waschlappen Sie sind. Dafür werden Sie bezahlen, Louey, wenn Sie in diese Sache verwickelt sind. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja in meinem Gerichtssaal wieder.«
»Sie sind in San Francisco, Sie Blödmann.«
»Stimmt, aber ich habe viele Freunde unter den Richtern.« Ramsey entfernte sich pfeifend. Über seine Schulter hinweg sagte er, an Louey gewandt: »Schlafen Sie gut, Louey. Morgen kommt noch früh genug.«
Er ging in sein Zimmer und machte sich nicht die Mühe, das Licht anzuknipsen, denn er kannte sich auch so gut aus. Er trat zum Bett, legte sich hin und starrte die schwarze Zimmerdecke an. War Louey tatsächlich in die Sache verwickelt? Das kam ihm ungeheuerlich vor. Andererseits schien der Mann keine Spur von Moral in seinem ausgemergelten Körper zu beherbergen.
»Du hast alles mitgehört, was er gesagt hat, nicht wahr?«
Er schnellte auf. »Molly? Warum bist du denn hier im Dunklen?«
»Ich habe auf dich gewartet. Ich habe zugesehen, wie du ihn hochgehoben und ihm einen Kinnhaken versetzt hast.«
»So wie wir beide auf ihn eingedroschen haben, wird er vielleicht noch ein Fitzelchen Menschlichkeit hochkotzen, obwohl er dazu wohl kaum fähig ist. Warum nur hast du jemals geglaubt, ihn zu lieben?«
»Ich war neunzehn Jahre alt und strohdumm.«
»Und er war der große Rockstar.«
»Ich war unglaublich beeindruckt. Ein gemeinsamer Freund hat uns einander vorgestellt. Du hast ihn ja selbst reden hören. Der einzige Grund, weswegen er mich zu sich eingeladen hat, war der, dass ich auf ihn wie die Unschuld vom Lande gewirkt habe. Am ersten Abend bin ich nicht mit ihm ins Bett gegangen, und das war vermutlich auch der Grund, weshalb er mich ein zweites Mal zu sich eingeladen hat. Ich bin überhaupt nicht mit ihm ins Bett gegangen, bis ich zu viel Marihuana geraucht und zu viel getrunken hatte - o mein Gott, das hört sich wirklich albern an. Dann jedenfalls bin ich zu ihm ins Bett geschwebt.« Bei der Erinnerung zitterte sie.
»Lassen wir es dabei bewenden, Ramsey. Immerhin hat er mir Emma gegeben. Ich hätte mit dem Teufel getanzt, wenn das Ergebnis Emma gewesen wäre.«
»Natürlich hättest du das«, erwiderte er und erhob sich vom Bett. Er
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