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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

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Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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Examinie-
    renden nur um die Erfüllung einer Form handeln
    könne, deren Innehaltung ihnen Verlegenheit berei-
    te«.

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    Marwitz blieb in Potsdam etwa anderthalb Jahre,
    vom Sommer 1811 bis zum Schluß des Jahres 1812.
    Wir können diesen Zeitraum, wie auch das
    Jahr 1813, das er draußen im Felde zubrachte, bes-
    ser überblicken als irgendeine andere Epoche seines
    Lebens und haben den Eindruck einer nicht länger
    ins Weite schweifenden Existenz. Die Richtung auf
    das »Immense« ist aufgegeben, und das Bestreben
    wird sichtbar, von einem bestimmten Punkt aus,
    nach der ihm gewordenen Kraft zu wirken und zu
    gestalten. Er hat nicht das Glück, aber doch Bescheidung und Ergebung gefunden ; die Leidenschaften
    sind gezähmt. Eine gerade in dieser Zeit besonders
    lebhafte Korrespondenz zwischen ihm und Rahel läßt
    uns Einblick in wenigstens eine Seite seines Tuns
    und Treibens gewinnen. Politische Dinge werden we-
    nig berührt, oder doch nur in philosophisch abstrak-
    ter Weise. Persönlichstes aber kommt ausführlich zur
    Sprache, und ästhetische Fragen werden mit Vorliebe
    behandelt. »Antworten Sie gleich, Ihre Briefe sind
    mir unentbehrlich«, schreibt Marwitz und fährt an
    einer anderen Stelle fort: »O wüßten Sie, wie ich
    Ihre Briefe empfange! Ich lese sie drei-, viermal hin-
    tereinander, und dann laufe ich im Zimmer umher
    und lasse den Inhalt Ihrer Zeilen in mir nachklin-
    gen.« Tagebuchartig werden die Briefe geführt, was
    der Tag bringt und verweigert, wird besprochen. »Mit
    welchem Herzensanteil verfolg ich Ihre Spaziergänge
    in Sanssouci, wie gerne nähme ich teil daran!«
    schreibt Rahel, und Marwitz antwortet: »Auf Sans-
    souci war ich lange nicht, es ist jetzt dort stürmisch
    und öde; öfters ging ich im Neuen Garten, wo der
    flutende See und die vielen dichten Tannengebüsche

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    es lebendiger machen und die Marmorhalle vor dem
    Hause mir ernste, rührende und schwermütige Ge-
    danken erweckt.« Immer wird von Berlin aus zur
    Arbeit ermutigt. »Nur ans Werk, wir warten hier auf
    Ihre Arbeit über die Propyläen und über die ›Politik‹
    des Aristoteles.« Daran schließen sich die Vorkomm-
    nisse der großen Stadt; Reflexionen ranken sich um
    Großes und Kleines. »Gern hätte ich Ihnen gestern
    schon geschrieben, wenn mich nicht die Nachricht
    von Heinrich Kleists Tod völlig eingenommen hätte.
    Ich kenne nicht die näheren Umstände seines Todes;
    aber es ist und bleibt ein Mut. Wer bangte nicht vor
    jenen ›dunkeln Möglichkeiten‹? Forsche ein jeder
    selbst, ob es viele oder wenige sind.« So schreibt
    Rahel, wohl in Vergessenheit, daß sie die Antwort auf
    diesen Brief vorweg empfangen hatte, als ihr Marwitz
    von Friedersdorf aus die schon zitierten Worte
    schrieb: »Mir ist der Selbstmord immer wie eine ver-
    ruchte Roheit vorgekommen.«
    So läuft das briefliche Geplauder zwischen den Be-
    freundeten, einmal heiter, einmal paradox, einmal
    tief, wie Stimmung und Ereignis das Wort gestalten.
    Jeden Abend schrieb er; aber der Tag gehörte den
    Studien. Die Marwitzsche Familie ist noch im Besitz
    umfangreicher Essays, kritischer Abhandlungen und
    Gutachten, die jener reifen Zeit ihre Entstehung ver-
    danken. Alle diese Memoires teilen sich in zwei
    Gruppen, in politische und staatswissenschaftliche.
    In den Charakter und die Eigenart Napoleons einzu-
    dringen, schien er sich zu einer besondern Aufgabe
    gemacht zu haben, und man erstaunt billig über die
    Reichhaltigkeit der zu diesem Zweck unternomme-

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    nen Studien. Alles, was erschien, wurde gelesen und
    exzerpiert und unter der Überschrift »Bonapartiana«
    zusammengestellt. Dazu gesellten sich mündliche
    Mitteilungen und Auszüge aus Briefen. Was der Tag
    brachte, ward in bunter Reihenfolge registriert, und
    Oberst Spiegel, Gentz, Brinkman, Fürst Liechten-
    stein, Oberst Bentheim, Itzenplitz, Müffling, General
    Krusemarck fanden sich hier auf denselben Blättern
    zusammen. »Chassez moi cette canaille là!«, so er-
    zählt Oberst Spiegel, donnerte Bonaparte einem sei-
    ner Kammerherrn zu, als er bei einer großen Cour
    jene dreizehn Kardinäle erblickte, die sich in der
    Scheidungs- und Wiedervermählungsfrage gegen ihn erklärt hatten. Und wenige Tage später – so fährt
    derselbe Oberst Spiegel fort – spuckte der Kaiser,
    mit unverkennbarer Absicht, mitten in die Reihe der
    Könige hinein, die bei der großen Vermählungszere-
    monie mit Marie Louise unmittelbar hinter ihm stan-
    den.
    Von

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