Wanderungen durch die Mark Brandenburg
besonderem Interesse unter diesen Aufzeich-
nungen ist die Ansprache Napoleons an eine Deputa-
tion märkischer Stände, die, wenn ich nicht irre, zu
Dresden, auf sein spezielles Geheiß vor ihm erschie-
nen war. Der Kaiser, der sie durch liberale Phrasen kirren und an sich und seine Sache fesseln wollte, sagte mit jener rücksichtslosen Offenheit, die er ebensogut wie List und Verschlagenheit zu handhaben
wußte: »Vous êtes gouvernés que cela fait pitié.
Votre roi est... Si l'empereur Alexandre avait tardé
de trois jours de faire sa paix, j'aurais détrôné
votre..., et je vous aurais fait une constitution, qui
vous manque. Nous sommes tous des Romains, les
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Français, les Italiens et les Allemands, nous sommes
la même nation. Je vous aime, vous êtes de bons
enfants. Mais par exemple je ne fais pas cas de vos
militaires. D'un côté ils ne sont pas des héros, et de
l'autre ils ont marché sur les têtes des bourgeois . –
Je suis militaire, et ce n'est pas moi, qui voudra ja-
mais déroger aux privilèges du militaire, mais je ne
permettrai jamais que mes soldats traitent les ci-
toyens français comme les votres vous ont traités.«
Itzenplitz, der ein Mitglied der Deputation war, hat
diese Worte aufgezeichnet. Marwitz sammelte der-
gleichen zu doppeltem Zweck, zu seiner Instruktion
und zur Nährung seines Hasses.
Aber Hand in Hand mit diesen losen Kollektaneen,
bei deren Durchblätterung die ganze Epoche, der sie
angehören, wieder lebendig vor uns hintritt, gingen
abgerundete, tief durchdachte Arbeiten, von denen
uns wenigstens eine über die sogenannte »Separati-
on«, das heißt »die Teilung der Gemeinheiten«, in
aller Vollständigkeit aufbewahrt worden ist. Marwitz
ist gegen die Separation. Er sucht zu beweisen, daß die »Teilung der Gemeinheiten« und das sogenannte
»Abbauen der Dörfer« ein Fehler sei; ein Fehler des-
halb, weil es den Egoismus des einzelnen steigere,
statt ihn zu mindern. Dieser Egoismus erscheint ihm
als der Wurm, der den Geist der Nationen zerstört.
Lassen wir ihn selber sprechen.
»Die Nationalkraft ist der Urgrund alles Produzierens.
Selbst wenn unsere Zustände, wie sie jetzt sind, sich
befestigen sollten, selbst wenn wir Zeiten der Ruhe
entgegengingen, die einen ungestörten Auf- und
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Ausbau dessen zuließen, was ihr einzuführen ge-
denkt (Separation und Dörferabbau), so würde damit
wenig gewonnen sein. Die Welt hat solche Zeiten
schon einmal gesehen. Es waren die Zeiten der bes-
seren römischen Kaiser. Friede herrschte von den
Säulen des Herkules bis zu den Ufern des Euphrat;
das Recht war genau bestimmt und wurde strenge
gehandhabt, es wurden manche Roheiten der frühe-
ren Zeit verbannt durch die milde Gesinnung der
Herrscher und überhaupt alle Störungen entfernt, die
dem Wohlsein der einzelnen entgegenstehen moch-
ten. Und doch waren dies dieselben Zeiten, in denen
in den höheren Regionen des menschlichen Daseins
völlige Öde herrschte, Zeiten, in denen weder Wis-
senschaft noch Religion noch Vaterland die Menschen
begeisterte. Aber mehr denn das – mehr in den Augen derer, die sich durch die Erscheinung bestechen lassen –, auch der äußere Glanz verfiel. Schon unter Augustus verödeten ehemals berühmte Städte, und
unter Trajan, dem besten der Kaiser, wurden im
ganzen Peloponnes weniger Menschen gezählt als
früher in der einzigen Stadt Athen. So wahr ist es, daß nicht der einzelne produziert, sondern der Geist der Nationen , und daß, wo dieser erstorben und mit ihm Lebenslust und Freude an der Gegenwart entschwunden ist, auch das äußere Dasein allmählich in
eine kümmerliche und barbarische Entartung zurück-
sinkt. Auf den Gemeinsinn, auf die Gesamtkraft
kommt es an; diese zu wecken ist Aufgabe, und alles, was die Kleinheit der Gesinnung und den Egois-
mus nährt, das schwächt die nationale Kraft und
mindert dadurch den wahren und zuletzt auch den
alleräußerlichsten Reichtum des Landes. Wohin der
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Dörferabbau führt, das läßt sich nirgends besser stu-
dieren als im Oderbruch. Es gibt kaum ein ruchlose-
res Geschlecht. Weder vor göttlichen noch vor
menschlichen Dingen haben sie Ehrfurcht, weder den
Nachbarn wollen sie helfen noch dem Staate dienen.
Das letztere mit einigem Recht, denn sie verdanken
ihm nichts. Im Gegenteil, er hat sie ausgestoßen und
sie ihrer eigenen heillosen Hoheit preisgegeben.«
So waren Marwitz' Gedanken über diese
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