Wenn die Liebe erblueht - Im Rosengarten der Liebe
verlassen kann?â
Allmählich drangen seine Worte in ihr Bewusstsein vor. Wie ein Kind, das Lesen lernt, wiederholte Geraldine sie langsam und mühselig im Geiste, bis sie endlich begriff. Ihre Tränen versiegten, als ihr klar wurde, was Mitch Fletcher dachte. âNein, Sie verstehen überhaupt nicht â¦â, begehrte sie auf.
Aber Mitch lieà sie erst gar nicht ausreden, sondern fiel ihr grimmig ins Wort: âSogar jetzt versuchen Sie immer noch, ihn zu verteidigen! Obwohl Sie seinetwegen so leiden, behaupten Sie immer noch, dass Sie ihn lieben und er Sie liebt und dass nur seine Frau und seine Loyalität zu ihr Sie voneinander trennen. Begreifen Sie denn nicht â¦?â Er schüttelte den Kopf und beantwortete sich seine Frage selbst. âNein, Sie können oder wollen es nicht begreifen. Wenn ich Ihnen sagen würde, dass er von Ihnen vermutlich nur ein bisschen Abenteuer will ⦠das erregende Gefühl, auÃerehelichen Sex zu haben ⦠dann würden Sie es sofort abstreiten. Und wenn ich Ihnen sagen würde, dass Ihr Motiv vermutlich auch rein sexuell ist, wären Sie entsetzt und würden behaupten, ihn zu lieben. Aber wie können Sie jemanden lieben, der sich allein durch seine Treulosigkeit bereits dieser Liebe als unwürdig erwiesen hat? Wie können Sie jemand lieben, den sie wahrscheinlich gar nicht richtig kennen und auch nie wirklich kennenlernen werden?â
âDies hat überhaupt nichts mit Sex zu tunâ, bestritt Geraldine energisch und stand angriffslustig auf.
âSie wollen sagen, dass Sie bislang noch nicht miteinander im Bett waren?â, bemerkte Mitch skeptisch, ein neuerliches Missverständnis, das Geraldine verblüfftdie Sprache verschlug. âIch muss gestehen, das kann ich kaum glauben. Ich nehme an, Sie wissen genau, dass Sie eine sehr begehrenswerte Frau sind. Sie besitzen eine natürliche sinnliche Ausstrahlung, die einen Mann sofort daran denken lässt, was für eine Freude es sein muss, Sie zu lieben.â
âSie meinen, mit mir zu schlafenâ, verbesserte Geraldine ihn eisig, denn seine Beschreibung verunsicherte sie zutiefst, weil sie sich selbst nie für besonders reizvoll oder begehrenswert gehalten hatte. âImmerhin ist nach Ihrer Ansicht Sex doch alles, was ein Mann von mir wollen kann.â
âNicht jeder Mannâ, widersprach er sofort. âUnd ich wollte ganz bestimmt nicht andeuten, dass ⦠Ich wollte Ihnen nur vor Augen führen, dass ein Mann, der seine Ehefrau mit Ihnen betrügt, genauso fähig ist, Sie und Ihre Gefühle gleichermaÃen rücksichtslos zu behandeln.â
âViele geschiedene Männer und Frauen führen später eine sehr glückliche und treue zweite Ehe.â
âMancheâ, räumte er ein. âAber selten mit der Person, wegen der sie ursprünglich ihren ersten Ehepartner verlieÃen. Ist es das, worauf Sie hoffen?â, fügte er spöttisch hinzu. âDass er seine Frau verlässt und Sie heiratet?â
Geraldine wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie spürte, wie sie innerlich zitterte, und das nicht nur wegen des aufwühlenden Gesprächs mit ihrer Tante am Vormittag, sondern auch, weil ihr plötzlich klar wurde, wie tief sie bereits in ein Wirrwarr sinnloser, dummer Unwahrheiten verstrickt war. Schlimmer noch, sie vermutete, dass Mitch Fletcher ihr gar nicht mehr geglaubt hätte, wenn sie jetzt versucht hätte, ihm die Wahrheit zu erklären.
âDarf ich Ihnen einen Rat geben?â, sagte Mitch, als sie sich schweigend vom ihm abwenden wollte. âWeinen Sie nicht um ihn. Verheiratete Männer hassen es, wenn sie von ihren Geliebten gefühlsmäÃig unter Druck gesetzt werden.â
âUnd ich dachte, Männer würden es überhaupt hassen, Frauen weinen zu sehenâ, bemerkte Geraldine müde.
âNur wenn sie sich angesichts der Tränen hilflos fühlen, wenn sie nicht ihrem Instinkt folgen können und â¦â
Geraldine wollte an ihm vorbei, um nach oben zu gehen. Zwar hatte sie das Bett in dem Zimmer, das er beziehen würde, bereits am Morgen gemacht, aber sie musste noch einige frische Handtücher für ihn herauslegen. Vor allem drängte es sie, sich irgendwie zu beschäftigen, um wieder Ordnung in ihre chaotischen Gedanken zu bringen. Sein halb vollendeter Satz veranlasste sie jedoch, stehen zu bleiben.
âDem Instinkt folgen und
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