Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Titel: Zigeunerstern: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Silverberg
Vom Netzwerk:
sehr dünnes Goldkleid, durch das eine aufreizende Rosigkeit leuchtete. Ein Goldband in das Goldhaar geflochten. Die Augenlider mit Gold bemalt. Die Lippen desgleichen. Sie sah himmlisch aus, hinreißend wie das Totenbildnis einer schlanken ägyptischen Königin.
    »Aber, was glaubst du denn, was ich sonst bin?«, fragte sie. Ihre Stimme klang ungewohnt sanft. Sonst liegt in Syluises Stimme stets eine gewisse Schärfe, geschmeidig zwar, aber eben doch eine Schärfe, etwa so wie man sie von der Schneide eines Dolches aus reinstem Gold erwarten würde. »Du glaubst, ich bin ein Gespenst? Eine Doppelgängerin? Hier, dann berühre mich doch, hier.« Und sie ergriff meine Hand und legte sie sich auf den nackten Arm. Ihr wisst ja, dass man Gespenster nicht berühren kann, die Hand gleitet einfach durch sie hindurch. Meine Hand dagegen ruhte jetzt auf ihrer zarten-zarten Haut. Es gibt Seide und Satingewebe, die sich gröber anfühlen. Glatt und fein, ja, doch ich fürchtete fast, mir die Finger zu verbrennen. Aha, jetzt sind wir so weit. Jetzt beginnt sie mich zu bearbeiten, und dann bin ich verloren. Wie kann ich sie abwehren? Verdammtes Weib, ich wollte mich nicht wieder von ihr manipulieren lassen! Aber sie legte es darauf an und schoss aus vollen Rohren. Sie nahm meine Hand und legte sie sich auf die Brust. Die zwei Halbkugeln schwangen sowieso schon wie Glocken unter dem Stoff. Und als ich die Brustwarzen berührte, wurden diese steif. Und ich, ich begann zu zittern wie ein dummer Schuljunge. Ich dachte daran, wie es vor nicht sehr langer Zeit zwischen Syluise und mir in diesen Xamur-Nächten voller Lachen und Lust gewesen war. Aber dennoch – etwas schien nun anders zu sein. Ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass die Berührung ihres Fleisches mich nicht erregt hätte, doch irgendwie gelang es mir, diese Erregung zu beherrschen. Für den Augenblick, immerhin. »Nun, fühlen sich so Doppelgänger an?«, fragte sie.
    »Die perfektesten davon schon.«
    »Ich habe noch keinen so guten zu spüren bekommen.« Sie ließ ihre Hände lustvoll über ihre eigenen Unterarme gleiten und lachte. Ihr goldenes Lachen. Wie sehr sie doch in sich selbst verliebt war. »Ach, Yakoub, wie lange gedenkst du eigentlich noch in diesem Loch auszuharren?«
    »Das wirst du besser Shandor fragen müssen.«
    »Hab ich. Er sagt, du kannst hier fort, wann immer es dir beliebt.«
    »Das hat er dir gesagt?«
    »Ja. Du brauchst nichts weiter zu tun als zu versprechen, dass du ihm nicht länger Hindernisse in den Weg legen willst.«
    »Die einzige Möglichkeit, die ich hätte, ihn nicht länger zu stören, wäre ein Einwegticket in die nächstgelegene Sonne.«
    »Nein, Yakoub.« Sie trat nun ganz dicht an mich heran. Viel zu nahe. »Du begreifst nicht. Du hältst Shandor für eine Bestie. Aber wie kannst du deinem eigenen Sohn gegenüber derartige Empfindungen hegen? Liebst du ihn denn kein bisschen?«
    »Was hat denn Liebe mit der Sache zu tun? Er ist von meinem Fleisch und Blut. Aber deswegen bleibt er dennoch eine Bestie. Ein gefährliches wildes Tier.« Ihr Parfüm raubte mir den Verstand. Sie verwendete keine künstlichen olfaktorischen Mittel, soviel wusste ich. Nein, dieser Duft, das war Syluises ganz eigener Körperduft. Und nun begriff ich auch, warum sie gekommen war, und ich hoffte, dass ich stark genug sein könnte, ihr auch weiterhin zu widerstehen. »Hat Shandor dich zu mir geschickt, damit du mich mürbe machen sollst?«, fragte ich.
    »Ich bin aus meinem freien Entschluss hier, Yakoub. Um dir zur Freiheit zu verhelfen.«
    »Indem ich Shandor gebe, was er verlangt. Meinen offiziellen Segen.«
    »Und wäre das denn so viel?«
    »Auf diese Weise aus der Haft befreit zu werden, das ist nicht Freiheit. Es ist Versklavung, Syluise. Weißt du, dass ich in meinem Leben schon viermal ein Sklave gewesen bin? Ich wurde in die Knechtschaft geboren, dann wurde ich zweimal in die Knechtschaft verkauft, und einmal, das letzte Mal, verkaufte ich mich selbst als Sklave. Aber ich werde nie wieder Sklave sein. Und ganz gewiss nicht der meines eigenen Sohnes.«
    »Er ist der König, Yakoub.«
    »Quatsch! Der König bin ich.«
    »Das sagst du immer wieder. Und dabei sitzt du hier in Haft.«
    »Was ist draußen los? Wissen die Menschen, wo ich bin?«
    »Sie erfahren es nach und nach, ja.«
    »Und?«
    »Es gibt viel Ärger und Unruhe.«
    »Gut«, sagte ich. »Genau, was ich brauche.«
    »Wie kannst du dir so etwas wünschen? Die Menschen leiden. Dein Volk

Weitere Kostenlose Bücher