Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Zurueck ins Glueck

Titel: Zurueck ins Glueck Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Suzanne Higgins
Vom Netzwerk:
senkte den Kopf und hing seinen Gedanken nach.
    Er hatte eine Liebesbeziehung in seinem Leben bislang nie vermisst. Auf solche Dinge legte er wenig Wert; er war mit seinem Dasein in jeder Hinsicht zufrieden. Er betrachtete das Meer als seinen Freund, und er konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als den Tag zusammen mit seinen Brüdern und seinem Vater draußen auf dem Wasser zu verbringen. Das sanfte Schaukeln des Bootes war ihm so vertraut wie sein eigener Herzschlag, der Rhythmus des Meeres glich dem Rhythmus seines Lebens. Er war es gewohnt, früh aufzustehen und fand seine Arbeit äußerst befriedigend, weil er jeden Tag die Früchte seiner Mühe vor sich sah. Den ganzen Tag in einem Büro gefangen zu sein, war seine ganz persönliche Vorstellung von der Hölle. Er hatte die Schule gehasst, nur Englisch und Kunst hatte er etwas abgewinnen können, und er las auch heute noch leidenschaftlich gern. Es amüsierte ihn, dass so viele Leute sich abrackerten, nur um immer mehr Geld zu scheffeln und sich immer größere und schnellere Autos zu kaufen, mit denen sie irgendwann einmal an einem Baum endeten. Wozu sollte das gut sein? Er kicherte in sich hinein. Was ihn betraf, so hatte er alles, was er wollte; er brauchte nicht viel. Seine Arbeit war sein Lebensinhalt, selbst wenn sie nicht viel einbrachte.
    Er musste lachen, als er an die widersprüchlichen Gefühle dachte, die sich am Abend zuvor auf Gillians Gesicht widergespiegelt hatten, als er ihr erklärt hatte, dass er kein reicher Mann war. Gillians schönes, lebhaftes Gesicht... noch nie hatte er eine so schöne Frau gesehen. Vom Moment ihrer ersten Begegnung an war er ihr verfallen
gewesen. Luke spürte, wie erneut Erregung in ihm aufstieg, und sog die kühle Nachtluft in tiefen Zügen ein, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
    Fiddler’s Point war seine Heimat, er hatte nicht vor, je von hier wegzugehen. Er schob die Hände tiefer in die Taschen seiner Winterjacke und beschleunigte seine Schritte. Gillian würde sich an das ruhige Leben hier gewöhnen, es würde ihr guttun. Er blickte sich in seinem geliebten kleinen Dorf um. Bestimmt würde sie sich in Fiddler’s Point bald genauso wohl fühlen wie er.
    Gott sei Dank hatte er ihr gleich zu Anfang gesagt, dass er nicht viel Geld verdiente. Sie wusste, dass er als Fischer arbeitete und ein einfaches, bescheidenes Leben führte, und trotzdem hatte sie den ersten Schritt getan. Da sie bezüglich seiner Person keine falschen Vorstellungen hegte, musste sie sich ebenfalls in ihn verliebt haben.
    Luke ging bis zum Ende der Promenade und dann zum Anchor Hotel hoch. Das Licht der noch geöffneten Bar lockte ihn an. Er könnte jetzt einen Whiskey vertragen, beschloss er. Einen Judge-Whiskey, eine Art Dank dafür, dass er durch diese Familie Gillian kennengelernt hatte.
    Er setzte sich in eine kleine Nische, wo ihn niemand beachtete, und nippte an seinem Drink.
    Gillians Bild stand ihm unablässig vor Augen. Sie besaß die Anmut eines Schwanes und das Feuer eines Lachses. Als er sie zum ersten Mal angesehen hatte, hatte er gemeint, jemand hätte in seinem Herzen ein Licht entzündet. So etwas hatte er noch nie erlebt. Die Liebe hatte ihn getroffen wie ein Blitz, und bereits jetzt betrachtete er Gillian als festen Bestandteil seines Lebens.
    Camerons unverhofftes Auftauchen gestern Abend im
Manor war ihm alles andere als gelegen gekommen, er hatte seine Bekanntschaft mit Gilly vertiefen wollen, es aber dennoch als seine Pflicht betrachtet, seinem alten Freund in seiner Lebenskrise zur Seite zu stehen. Das war natürlich vorher gewesen. Luke starrte blicklos ins Leere. Nun, wo Gillian und er ein Liebespaar waren, kam sie für ihn an erster Stelle. Er würde alles für sie tun.
    Es war ihm nichts anderes übrig geblieben, als den größten Teil der Nacht mit Cameron zu verbringen. Als Kinder waren sie gute Freunde gewesen, ihn aus seiner trüben Stimmung zu reißen, war das Mindeste, was er hatte tun können. Er wusste, dass er Cameron allein durch seine Gegenwart Kraft gab. Viele Worte hatte er noch nie gemacht, er sah wenig Sinn darin, Belanglosigkeiten von sich zu geben. Wenn er etwas zu sagen hatte, sagte er es, wenn nicht, schwieg er. Er war enttäuscht gewesen, dass die beiden Frauen ihnen nicht in der Bibliothek des Manor Gesellschaft geleistet hatten und hatte die Hoffnung schon aufgegeben, Gillian an diesem Abend noch einmal zu sehen. Allerdings hatte er beschlossen, am nächsten Tag ins Hotel

Weitere Kostenlose Bücher