1469 - Der Köpfer holt sie alle!
nach.
Auch Sukos Nerven zeigten sich angekratzt. Eine innere Unruhe ließ sich nicht wegdiskutieren. Er war kein Mensch, der gern untätig herumsaß und nur warten wollte. Ihm ging es darum, endlich aktiv werden zu können. Natürlich hatte er mit dem Gedanken gespielt, zur Kirche zu fahren. Da hätte er sicherlich helfen können. Auf der anderen Seite war John Sinclair auf der blühenden Sommerwiese verschwunden.
Sie sah wieder normal aus. Auch die Schmetterlinge hatten den Weg wieder zurückgefunden. Aber sie würden sich bald zur Ruhe begeben, wenn sich die Dämmerung über das Land legte.
Sie war bereits da!
Suko schaute hoch. Er runzelte die Stirn. Es war Sommer, okay, aber die Dämmerung um diese Zeit, das musste er schon als sehr ungewöhnlich ansehen.
Keine Schmetterlinge mehr. Keine anderen Insekten, nur dieser graue Schleier.
Suko blieb nicht an seinem Platz sitzen. Er wollte sehen, ob ihn sein Instinkt nicht getäuscht hatte. Mit einer recht langsamen Bewegung stand er auf. Seine Hand glitt über den Griff der Dämonenpeitsche, die kampfbereit im Gürtel steckte.
Auch Tom Abel hatte die Veränderung bemerkt.
»Kommen sie wieder zurück?« flüsterte er.
»Ich weiß es nicht.«
»Aber es könnte sein – oder?«
Suko war bereits an der Tür. Er gab keine Antwort und trat mit einem langen Schritt nach draußen.
Es war schwül geworden. Die Luft stand, sie wurde von keinem Windhauch bewegt.
Sukos Blicke schweiften über die Sommerwiese hinweg, die ihre frischen Farben verloren hatte. Aber es war nicht die normale Dämmerung, die sich über sie gesenkt hatte. Hier hatte sich die andere Dimension gemeldet und ihren Boten geschickt.
Tom lief ebenfalls nach draußen und blieb neben Suko stehen. »Es geht wieder los, nicht?«
»Ich glaube auch.«
Beide schwiegen, und Suko sah, dass sie sich nicht geirrt hatten.
Innerhalb der grauen Fläche waren Umrisse zu sehen. Noch waren sie schwach und ohne Konturen, aber das würde sich ändern, und Suko war gespannt, was ihn in den nächsten Minuten erwartete.
»Gehen Sie lieber ins Haus, Tom!«
»Nein, ich bleibe. Ich bin hier aufgewachsen, ich gehöre hierher, und ich will den Toten endlich tot sehen.«
Nach diesem Satz lachte er schrill auf…
***
Ich lief zur Burg hoch.
Dass ich mich in der Vergangenheit befand, war kaum zu glauben.
Aber es war so, auch wenn die Sonne brannte und ich mich normal bewegte und dabei kräftig ins Schwitzen geriet.
Ich hatte einen Pfad gefunden. Der Boden war mit Hufabdrücken übersät. Dieser Weg war für die Pferde breit genug und für einen Menschen erst recht.
Bisher war ich noch gut drauf und kam auch gut voran, denn die Strecke war nicht zu steil. Weiter vor mir tauchten bereits die Mauern der Burg auf.
Ich hoffte stark, dass die Sippe der Abels es geschafft hatte, die Gegend zu verlassen. Dann dachte ich an die Toten, die ich auf mein Konto buchen musste. Wenn sie gefunden wurden, würde man sich darüber Gedanken machen, wie sie gestorben waren. Und man würde den beiden Zeugen, wenn sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwachten, kaum Glauben schenken und den Tod sogar für Zauberei halten.
Das letzte Stück wurde steiler. Ich roch den Staub, der hin und wieder in die Höhe gewirbelt wurde, wenn warme Windböen über den Boden strichen.
Alles war anders. Die Stille, die Hitze und die düsteren Mauern, die einen Teil der Wärme wieder abgaben, was ich merkte, als ich in ihre Nähe geriet.
Die Strecke war geschafft!
Ich warf einen Blick zurück und sah unterhalb der Burg die Hütte, die von hier oben aus richtig klein aussah. In ihrer Nähe bewegte sich nichts. Die beiden Schergen, die ich am Leben gelassen hatte, waren anscheinend immer noch bewusstlos.
Die hohen Mauern kamen mir unüberwindlich vor. Ich sah keine hohen Türme. Erst als ich weiter zurücktrat, entdeckte ich an der Westseite die beiden gedrungenen runden Türme mit ihren Kegeldächern, die im Licht der allmählich sinkenden Sonne rötlich schimmerten.
Das Bild beeindruckte mich nicht. Ich hatte andere Sorgen und suchte den Eingang. Den fand ich nicht auf der Hangseite. Deshalb ging ich davon aus, dass ich um die Burg herumgehen und dabei auf kleine Tore oder Zugänge achten musste.
Eines sah ich als positiv an.
Es gab in meiner Nähe keine Menschen, mit denen ich mich auseinander setzen musste. Keine Stimmen, kein Donnern von Pferdehufen, keine Staubwolken in der Luft.
Eine gewisse Beklemmung verspürte ich schon, wenn ich daran dachte,
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