34 Kurz-Krimis (German Edition)
mit Linda, seiner jungen Frau darüber gesprochen, denn schließlich betraf die Sache auch sie. Brian hatte vor einiger Zeit einen Mann namens Fernandez festgenommen, der bei einem brutalen Raubüberfall auf eine Tankstelle zwei Menschen erschossen hatte.
Fernandez war ein psychisch kranker, wahnhaft gewalttätiger Mann, so hatte man bei Gericht festgestellt und daher war er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Seit einer Woche war er von dort ausgebrochen...
Schon bei der Gerichtsverhandlung hatte Fernandez wüste Drohungen gegen Brian ausgestoßen und angekündigt, ihn umzubringen. Am Montag war der Brief gekommen. Fernandez hatte ihn handschriftlich verfaßt, was seine Echtheit bewies.
"Ich werde Sie zuletzt töten, Sergeant! Zuerst werde ich Sie wahnsinnig machen vor lauter Angst.
Sie haben eine hübsche junge Frau, nicht wahr? Ich habe Sie beobachtet.
Sie heißt Linda, wenn ich richtig informiert bin. Vielleicht töte ich sie ganz plötzlich und vor Ihren Augen, Sergeant.
Vielleicht mache ich sie aber auch nur zum Krüppel... Die Ungewißheit ist das Furchtbarste, habe ich recht? Vielleicht haben Sie nun eine Ahnung davon, was Sie mir angetan haben!
Ihretwegen hätte man mich beinahe lebenslang in eine Irrenanstalt gesteckt, wäre ich nicht zu clever für diese Affen im weißen Kittel gewesen..."
Brian schauderte noch immer bei dem Gedanken an diese Zeilen, die in einer peniblen, sehr kleinen und sauberen Handschrift geschrieben worden waren.
Brian hatte Urlaub genommen und Linda dazu überredet, fürs erste mit ihm in ein einsam gelegenes Wochenendhaus in den Bergen zu fahren.
In der Stadt waren sie einfach nicht mehr sicher. Brian nahm den Haustürschlüssel und öffnete die Tür. Drinnen herrschte Halbdunkel.
"Bleib hinter mir", murmelte Brian an Linda gerichtet. Linda roch etwas, was ihr seltsam vorkam. Viel zu spät bemerkte sie, was es war: Die ziemlich aufdringliche Geruchswolke eines Tabak-After-Shaves.
"Brian!"
Mit weiten Schritten ging Brian durch den Raum, öffnete dann mit der Hand am Revolvergriff das Schlafzimmer.
Er kam nicht mehr dazu, seine Waffe zu ziehen.
Zuvor krachte es zweimal kurz hintereinander.
Brian wurde am Oberkörper getroffen und taumelte rückwärts, ehe er zu Boden sank. Linda rannte zur Tür. Sie hörte hinter sich undeutlich ein paar Schritte, aber im nächsten Moment war sie schon draußen. Sie rannte so schnell ihre ganz gut trainierten Beine sie tragen konnten. Zuerst wollte sie zum Wagen, aber dann fiel ihr ein, daß das sinnlos war. Brian hatte die Schlüssel in seiner Jackentasche. Also rannte sie in den Wald. Völlig außer Atem hielt sie schließlich an und blickte zurück. Das Haus war nicht mehr zu sehen. Sie war völlig allein, mitten im Wald. Gut so, dachte sie.
Dieser Wahnsinnige hatte Brian umgebracht.
Vielleicht gab er sich damit ja zufrieden, ging es Linda durch den Kopf.
Schließlich hatte er sie ja nur umbringen oder verletzten wollen, um damit Brian zu treffen. Linda überlegte, was sie tun konnte. In einiger Entfernung sah sie zwischen den Bäumen etwas Blaues hervorschimmern. Das mußte der nahe See sein. Also mußte die Straße in der anderen Richtung liegen. Sie mußte einen Wagen anhalten und hoffen, daß der Fahrer ein Funktelefon hatte. Dann zuckte sie plötzlich zusammen, als sie in ein Paar dunkelbraune Augen sah, die in der Mitte eines verzerrten, kantigen Gesichts saßen.
Der Mann hatte eine Pistole in der Hand und war blitzartig aus einem Gebüsch hervorgetaucht. In seinen Augen leuchtete der Wahnsinn. Linda erkannte das Gesicht von Fotos wieder, die Brian ihr im Polizeipräsidium gezeigt hatte. Es war Fernandez.
Er kam langsam auf Linda zu. "Rühren Sie sich nicht von der Stelle", zischte er.
"Hören Sie", begann Linda, aber Fernandez hob die Hand, so daß sie schwieg.
"Seien Sie still, Linda! So ist doch Ihr Name, nicht wahr?"
Er stand jetzt nahe bei ihr und sie fühlte den Puls bis zum Hals schlagen.
Aber im Angesicht des blanken Pistolenlaufs, der auf sie gerichtet war, konnte sie nichts tun. Nichts, als zu hoffen, daß irgend eine Art von Wunder geschah.
"Sie sind ziemlich jung für den Sergeant", knurrte er. "Wie alt sind Sie?"
"Fünfundzwanzig Jahre."
"Und Ihr Mann."
"Zweiundvierzig." Linda sagte das mit fast erstickter Stimme und fragte sich, was das ganze wohl sollte.
"Wie kommt eine junge Frau wie Sie an einen so alten Mann?"
Er verzog das Gesicht.
Linda schluckte.
"Warum quälen Sie mich?
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