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Alpendoener

Titel: Alpendoener Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Willibald Spatz
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gerade hier, waren dabei, einem Tier das
Leben rauszuschießen ? Waren sie besser? Steckte etwas
Dunkles in ihnen? Birne hatte noch nie geschossen, Birne war noch nie dabei
gewesen, als geschossen wurde. Aber was würde passieren, wenn der erste Schuss
gefallen war?
    »Haben sie Fingerabdrücke genommen?« Werner kam ihm auf
einmal wie besessen von dem Fall vor.
    »Sah so aus.« Birne fühlte sich von Ekel
übermannt. Er wollte jetzt keine Füchse mehr töten. Er wollte weit weg sein von
jedem Töten, das hatte er heute schon gehabt, als er nach Hause gekommen war.
Da hatten sie die arme Frau Zulauf in ihrer eigenen Wohnung abgestochen wie
eine Sau und in ihrem eigenen Blut gefunden. Birne hatte eine Weile herumstehen
müssen, bis er von den Beamten die Wahrheit erfahren hatte. Die hatten ihn
zunächst für einen Schaulustigen gehalten und ihn weg haben wollen, dann hatte
er ihnen aber verraten, dass er hier wohnte und der Frau geholfen hatte und
jetzt auch ihnen zur Verfügung stünde. Sie hatten genickt und ihn immer noch
weghaben wollen, allerdings jetzt mit dem Versprechen, auf ihn zurückzugreifen.
Er würde noch wichtig sein.
    »Du, jetzt pass auf«, sagte Werner. »Ich zeig dir jetzt was,
das ist in Deutschland verboten, das darfst du nicht überall rumerzählen , wo du hinkommst, nicht einmal einer Frau, wenn
du mal wieder eine haben solltest.«
    »Ehrensache.«
    Werner öffnete seinen Rucksack schwerfällig und suchte darin
herum. Schließlich holte er eine kleine Schachtel heraus, die ein eigenartiges
Rohr enthielt. Das schraubte er ebenfalls umständlich auf seinem Gewehr fest.
    »Weißt du, was das ist?«
    »Keine Ahnung.«
    »Jetzt pass auf.«
    Werner drückte einen Knopf und hielt das Gewehr aus dem Loch
hinaus. Die ganze Wiese war in ein giftgrünes Licht getaucht. »Was sagst du
jetzt?«
    »Nichts. Was ist das?«
    »Nachtsichtlicht, das ist in Deutschland verboten.«
    »Hilft dir ja auch nichts.«
    »Denkst du, aber für die Tiere – Füchse, Rehe, Hirsche,
Wildschweine, Hasen – ist es absolut unsichtbar. Und du schießt die weg. Bamm.
– Ich mach es jetzt wieder aus.«
    »Ja.«
    Sie saßen eine Weile im Dunkeln und sagten nichts.
    »Du«, blies Werner zum Aufbruch. »Ein Freund von mir
an dem Stammtisch, wo ich dich heute mitnehm , der ist
bei der Kripo, der weiß vielleicht mehr, das wird interessant, wenn der keine
Sonderschicht schieben muss.«
    Birne fühlte sich zwar als Zeuge erster Hand leicht
degradiert, war aber trotzdem froh, nicht mehr ansitzen zu müssen, sondern im
Warmen beim Weizen mehr über die Vorkommnisse in seinem Haus zu erfahren.
    Sie standen auf und gingen los, zunächst noch etwas steif vom
langen Sitzen.

     
    Der Korbinian war abends voller, und es wurde mehr geraucht und lauter geredet. Birne musste
fest schauen, um alles aufzunehmen, während er Werner folgte, der zielsicher zu
einem Tisch im Eck des zweiten Raums ging, wo ein Schild den Stammtisch
auswies, an dem bereits   drei Kameraden
saßen und etwas traurig in ihre Gläser schauten, weil nur einer zum Schafkopfen gefehlt hätte und es noch zu früh am Abend zum
Politisieren war. Birne erschrak etwas, als er seinen gestrigen Feind vom
Fitnessstudio, den Schnauzbart, erkannte. Er bekam ihn als Bruno, den Mann von
der Polizei, vorgestellt. Die anderen beiden waren Hans und Erwin, beide ein
bisschen jünger als Birne, beide sagten nicht viel, der eine, Erwin, erwies
sich als Norddeutscher. Mehr gab es über die beiden nicht zu sagen. Vielleicht
hätten sie Karten gespielt, wenn sie jetzt nicht zu fünft gewesen wären. Sie
hatten nicht von dem Mord gesprochen, sie hatten vielleicht auch nichts davon
gehört, und Bruno, der Kriminaler, hatte allein auch nichts davon gesagt. Oder
sie waren schon durch mit den Fakten. Werner fing an, bevor sie richtig saßen.
    »Du sag mal, da hört man ja nette Sachen von euch.«
    »Ja, ja.« Bruno sah aus, als wollte er ganze Romane
loswerden, tat aber so, als sei nichts Besonderes passiert. Arschloch, dachte
Birne.
    Hans hob einen riesigen Kopf und sagte unter einem braunen
Schnurrbart, für den er noch nicht alt genug war: »Was war denn los?«
    Werner: »Hast du es nicht gehört? Im Radio?«
    »Nein.«
    »Mord.«
    »Nein.«
    »Doch.«
    »Wer nachher?«
    »Eine alte Frau in dem Haus, wo mein Kollege wohnt. Jetzt,
Bruno, erzähl halt endlich was, lass dir nicht alles aus der Nase ziehen.«
    »Sie wohnen da? In dem Haus?« Bruno siezte

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