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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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Divisionen, die sich nicht mehr schlagen wollten. Die Urlauber kehrten nicht mehr zurück, Desertion griff reißend um sich, Ersatz aus der Heimat kam nicht. Alles betete dort zum Heiligen Wilson und war wütend, daß man nicht gleich die Flinte ins Korn warf. Die Oberförster im Phrasenwald pürschten deklamierend nach der sagenhaften weißen Hinde des herrlichen Weltfriedens und rührender Völkerversöhnung. Bloß die Alldeutschen sind Verbrecher, dagegen Briten und Franzosen allbekannte Verächter des Chauvinismus und Imperialismus, die uneigennützigen transatlantischen Meister wollen Deutschland liebevoll von seinen grausamen Machthabern erlösen, »das Volk von Tyrannen befreien«. So schlichen die Braven umher, den Dolch im Gewande, und die Kraniche des Ibykus krächzten unheilverkündend. Militärisch war die Lage nichts weniger als verzweifelt, politisch nur zu sehr. Wer sich mit Leichnamen wie Österreich und Türkei zusammenkoppelt, wird vom Leichengift angesteckt. Ohne Österreichs jämmerliches Verhalten, wo nur die Deutschen und besonders die mannhaften Tiroler ihre Pflicht taten und die ungarischen Divisionen vom Isonzo einfach nach Hause liefen – Ungarn hat ebenso bitter wie verdient gebüßt – ließ sich der Krieg hinfristen, sobald Deutschlands Volk das Beispiel des französischen 1792–97 unter noch größerer Drangsal nachahmte. Doch dazu fehlte jeder Wille, denn der Deutsche wird nur auf Kommando »Patriot«, und sobald die Staatskette sich lockert, fragt er mit Falstaff: was ist Ehre, was ist Vaterland! Daß der Friede entehrend sein werde, ließ ihn ganz kalt. Hätte man ihn gewarnt, daß er nicht bloß ideell, worauf das angebliche Volk der Idealisten pfeift, sondern materiell vernichtend sein werde, dann hätte vielleicht der Philister um die Futterkrippe gefochten. Indessen muß man die Leid- und Hungerpsychose berücksichtigen, es war den Leuten zu viel aufgebürdet, doch duldete Frankreich nicht auch ein Übermaß des Bittern und bewies sich nach allem deutschem Geschrei von »Durchhalten« mannhafter und entschlossener? Die elende Regierung und die possierliche Persönlichkeit des kaiserlichen Schlachtenbummlers, weit vom Schuß, waren freilich nicht danach, dem Volk den Nacken zu steifen. Uns kümmert hier nur die Frage, ob militärisch die Lage eine Waffenstreckung forderte.

IX. Oktober-Katastrophe
    Alle Anstrengungen Haighs besonders am 8. Okt. entrissen Cambrai nicht den Resten der 6., 133., sowie 5. b. D. (nur 500 Gew.). Bei St. Quentin brachten 29., 30. Sept., 1. Okt. langbohrende Stöße gegen 6. b., 231. D. bei Urvillers, wobei die Ingolstädter sich durchschlugen. Gegenstoß der 34. D. machte zeitweilig Luft, doch St. Quentin mußte geräumt und am 10. Abzug in die noch unvollendete Solesmes-Stellung durchgeführt werden, wobei die Bayern wieder 33, 1500 verloren, für 12 Kampftage nicht allzuviel. B. Kr. Arch. spricht von scharfen Maßregeln, die den Zusammenhang aufrecht hielten, was euphemistisch gesagt, daß man viele Ausreißer bändigen mußte. Mittlerweile erfolgte schon am 26. Sept. ein großer Schlag von Gouraud und Guillomat (an Stelle Berthelots) gegen 3. A. und Linke der 1. unter schrecklichem Trommelfeuer. Laut Regt. G. des 49. Art. wirkte besonders erschwerend Feuerüberfall von Fliegern, während kein deutsches abwehrbereites Flugzeug weit und breit zu sehen war. Mit zerschundenen Nerven in überfüllten deckungslosen Linien westlich Tahure gab b. Ers. D. nach, wobei 14., 18. R. samt ihrer Artillerie zu Grunde gingen, während 7. Magdb. D. rechts davon vor Navarin sich hielt. Links bei Tahure–Cernay mußten 42., 103., 202. D. weichen, doch 1. b. D. riß sie als Rückhalt wieder vor, 7., 209. D. fanden an 15. b. D. gute Hilfe, wobei 31. b. sich auszeichnete. Am 27. gingen aber »Bayernhöhe« und Sommepy verloren, 200. D. behauptete noch brav Marie à Py, der Kampf war überaus scharf. 15. b. D. wurde ebenso aufgerieben wie vorher die Ers. D., II/III/31. und ebenso I/II/30. wurden abgeschnitten, 32. im Verband von 7. D. südöstlich Sommepy ging ganz unter, wie links davon 1. b., das auf die Stärke einer Komp. schmolz. Doch die Franzosen litten noch mehr im Dormoisetal und bei Gratreuil, erst im Okt. hatten sie die Moronvillershöhen. Am 28. hielten sich, in 3. G. D. aufgenommen, alle Reste vorzüglich. Südöstlich davon am Straßenkreuz geriet 97. I. in Gefahr, doch 2. b. hielt aus, 42., 202. D. standen fest, 108. am

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