Der Azteke
zu reden, werde ich bestenfalls einen schönen Traum zerstören. Schlimmstenfalls schreckt sie aber entsetzt davor zurück, dich oder überhaupt irgendeinen Mann zu heiraten. Dafür würdest du mir bestimmt nicht danken.«
»Doch würde ich das«, erklärte er. »Quequelmiqui verdient Besseres, als eine schlimme Überraschung in ihrer Hochzeitsnacht. Kommt sie zu dem Schluß, mir einen Korb zu geben, dann lieber jetzt als später. Ach, es würde mich vernichten, gewiß. Wenn die gute und liebende Quequelmiqui mich nicht haben will, dann bestimmt auch nie eine andere Frau. Dann werde ich mich freiwillig zu den Kriegern melden, irgendwo in den Krieg ziehen und darin fallen. Doch was auch geschieht, Mixtli – nie würde ich dir einen Vorwurf daraus machen. Nein, ich flehe dich an –, tu mir diesen Gefallen.«
Folglich berichtete ich Zyanya, nachdem er gegangen war, von dieser Neuigkeit und seinem Ansinnen. Sie rief Kitzlig aus der Küche, und das Mädchen kam, errötete bis unter die Haarwurzeln, zitterte und verschlang ihre Finger in den Blusensaum. Beide umarmten wir sie und gratulierten ihr, die Liebe eines so tüchtigen jungen Mannes errungen zu haben. Dann legte Zyanya ihr mütterlich den Arm um die Hüfte und führte sie nach oben, während ich mich bei meinen Farbtöpfen und dem Borkenpapier niederließ. Nachdem ich die Freilassungsurkunde ausgefertigt hatte, rauchte ich unruhig eine Poquiétl – mehrere sogar, bis Kitzlig wieder herunterkam.
War sie zuvor schon rot übergossen gewesen, so glühte sie jetzt wie ein Kohlenbecken und zitterte wie Espenlaub. Vielleicht machte ihre Aufregung sie noch hübscher, als sie es sonst war, doch ging mir offen gestanden zum erstenmal auf, daß sie in der Tat ein höchst reizvolles Mädchen war.
Vermutlich hat man nie recht ein Auge für das, was man täglich im Hause vor sich sieht, bis jemand von außerhalb kommt und einem zu etwas Bestimmtem beglückwünscht.
Ich reichte ihr das Papier, und sie sagte: »Was ist das, Herr?«
»Eine Urkunde, in welcher steht, daß die freie Frau Quequelmiqui nie wieder einen Menschen ›Herr‹ nennen muß. Versuch vielmehr, in mir einen Freund der Familie zu sehen, denn Cozcatl hat mich gebeten, dir einige Dinge zu erklären.«
Ich machte nicht viel Umschweife und ging, fürchte ich, nicht sonderlich zartfühlend vor. »Die meisten Männer haben etwas, was man Tepúli nennt, Kitzlig …«
Sie ließ mich nicht weiterreden, sondern sagte, freilich ohne den Kopf zu heben: »Ich weiß, was das ist, Herr. Ich habe Brüder gehabt in meiner Familie. Meine Herrin sagt, ein Mann steckt es in eine Frau hinein … hier.« Sittsam zeigte sie auf ihren Schoß. »Zumindest tut er das, wenn er einen hat. Cozcatl hat mir erzählt, wie er seinen verloren hat.«
»Womit er gleichzeitig die Fähigkeit verloren hat, dich jemals zur Mutter zu machen. Außerdem sind ihm damit bedauerlicherweise etliche Freuden der Ehe versagt. Was ihm jedoch nicht genommen werden konnte, ist sein Wunsch, dich diese Freuden kosten zu lassen – und seine Fähigkeit, sie dir zu schenken. Wenn er auch kein Tepúli mehr hat, dich mit ihm zu verbinden, gibt es andere Möglichkeiten, den Liebesakt zu vollziehen.«
Ich wandte mich ein wenig ab, um uns beiden die Peinlichkeit zu ersparen, zu sehen, wie sie womöglich noch flammender errötete, und bemühte mich, im gleichbleibenden, gelangweilten Ton eines Schulmeisters weiterzusprechen. Nun, Grundsätzliches läßt sich durchaus mit schulmeisterlicher Stimme vermitteln, doch – als ich bei den vielfältigen Möglichkeiten verweilte, die Brüste, das Tipili und insbesondere den empfindlichen Xacapíli mit Fingern, Zunge, Lippen, ja sogar mit den Wimpern zu reizen und zu befriedigen – nun, ich konnte einfach nicht umhin, mich all der Feinheiten und unterschiedlichen Arten zu erinnern, die ich früher und in letzter Zeit genossen und geschenkt hatte, so daß meine Stimme unsicher und brüchig wurde. Infolgedessen beeilte ich mich, zum Schluß zu kommen:
»Eine Frau vermag diese Freuden fast genauso befriedigend zu finden wie den üblicheren Liebesakt. Viele genießen sie sogar lieber, als einfach vom Tepúli eines Mannes gepfählt zu werden. Manche teilen sie sogar mit anderen Frauen und scheren sich dabei nicht im geringsten um das Fehlen eines Tepúli.«
Kitzlig sagte: »Das klingt …« – sagte das so sehr mit zitternder Stimme, daß ich mich ihr doch wieder zuwandte und sie ansah. Den Körper ganz steif, saß sie
Weitere Kostenlose Bücher