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Der Mann im Schatten - Thriller

Der Mann im Schatten - Thriller

Titel: Der Mann im Schatten - Thriller Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Heyne
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Sie wissen schon, stehen wir als Lügner da. Im Grunde ist mir völlig egal, wie die Antwort lautet, sie muss nur nachprüfbar sein.«
    Nick Trillo wirkte besorgt. »Geht es hier um was richtig Ernstes?«
    Ich breitete die Hände aus. »Nicht, solange wir die Wahrheit sagen. Wir müssen einfach absolut sicherstellen, dass unsere Aussage den Tatsachen entspricht, wie immer sie auch ausfällt. Archie ist davon ausgegangen, dass Sie vielleicht noch Unterlagen besitzen, die bestätigen, ob er da war oder nicht.«
    Ich war nicht ganz aufrichtig zu diesem Mann, aber letztendlich fragte ich ihn lediglich nach der Wahrheit. Und nur daran würde er sich später noch erinnern können. Die subtilen Details meiner Äußerungen würde er längst vergessen haben.
    »Sind Sie so eine Art Strafverteidiger?«
    Ich zuckte mit den Achseln. »Ich mache eine Menge Sachen. Unter anderem auch Scheidungen.«
    »Ah, okay.« Er schien erleichtert. »Also handelt es sich um einen Scheidungsprozess oder so was?«

    Ich lächelte ihn an. »Ich glaube nicht, dass Archie möchte, dass ich diese Frage beantworte.«
    Ich wand mich wie ein Aal. Der Gitarrenlehrer ließ sich die Sache einen Moment durch den Kopf gehen, dann schien er zu beschließen, dass es sich wohl um einen Scheidungsfall handelte, bei dem Novotnys Aufenthaltsort in der betreffenden Nacht von Bedeutung war. Vielleicht ging es ja um den Vorwurf des Ehebruchs.
    Aber womöglich machte er sich auch gar keine großen Gedanken - jedenfalls schien er mich für Archies Anwalt zu halten und helfen zu wollen.
    »Also«, fuhr ich fort, »haben Sie irgendwelche Anwesenheitslisten?«
    Er überlegte und stieß dann einen tiefen Seufzer aus. »Na ja, wissen Sie, manchmal mach ich mir Notizen, aber die heb ich nie auf. Nein, meistens merk ich mir einfach alles im Kopf... aber ich sag Ihnen was. Wir könnten nachsehen, wie viel er gezahlt hat. Ja, das ginge. Waren Sie einen Moment.«
    Nick Trillo verließ den Raum, und ich blieb mit den Gitarren an der Wand zurück. Ich hätte Rockstar werden sollen. Abgesehen von der Tatsache, dass ich keinerlei Instrumente spielen konnte, beim Singen keinen geraden Ton herausbrachte, nicht sonderlich attraktiv war und mir jedes Gefühl fürs Songschreiben fehlte, hätte ich wohl das Zeug dazu gehabt.
    »Hier haben wir’s.« Trillo schleppte eine große Aktenkiste herein und ließ sie auf den Boden fallen, in Ermanglung einer anderen Abstellmöglichkeit. Er hockte sich hin und öffnete sie. »Monat September«, murmelte er. Ich blickte über seine Schultern auf die Unterlagen von 2006, die nach Monaten durchnummeriert waren. Er zog einen Ordner mit der
Aufschrift »9/06« heraus und schlug ihn auf. Er enthielt einige Dutzend Blätter. Es waren Fotokopien von Schecks.
    »Fünfundzwanzig Mäuse die Stunde«, sagte er. »Und normalerweise zahlen sie immer gleich nach dem Unterricht.«
    »Mit Scheck?«
    »Anweisung vom Boss«, erwiderte er. »Wir hatten früher mal einen Lehrer hier, der war nicht so ganz ehrlich mit dem Bargeld. Seitdem verlangt der Boss einen Scheck oder Kreditkarte.«
    Gut für mich.
    »7. September«, sagte Trillo und zeigte mir einen Scheck über fünfundzwanzig Dollar, den Archie Novotny unterschrieben hatte.
    Er blätterte weiter die Kopien durch. »Hier. 14. September.«
    Mich interessierte weder der 7. noch der 14. Mich interessierte ausschließlich der 21. September 2006.
    Trillo machte sich wieder an die Arbeit. Als Verteidiger betete ich um die Abwesenheit des Dokuments. Mir stockte der Atem, während er fortfuhr und sich dabei überproportional viel Zeit ließ. Ich spähte auf die Daten der kopierten Schecks, und mein Herz drohte kurz stillzustehen, als die Daten über den 21. September hinausgingen - immer vorausgesetzt, dass die Schecks überhaupt penibel chronologisch geordnet waren.
    »Okay. Das ist komisch.« Trillo hielt einen fotokopierten Scheck von Archie Novotny hoch. Er war vom 28. September und auf einen Betrag von fünfzig Dollar ausgestellt. »Er hat am 28. für zwei Stunden gezahlt.«
    Was wohl den 21. mit einschloss. Aber meine Augen waren auf den unteren Teil des Schecks fixiert, auf dem handgeschrieben die Worte »Ich bestehe darauf!« zu erkennen waren.
    Meine Knie wurden weich, und Adrenalin pumpte durch
meine Adern. Ich glaubte, zu begreifen, wollte aber, dass Trillo mir folgte. »›Ich bestehe darauf‹«, las ich laut.
    »Hm. ›Ich bestehe darauf.< Komisch, ja.«
    »Was bedeutet das? Auf was hat er

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