Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der Nautilus-Plan

Der Nautilus-Plan

Titel: Der Nautilus-Plan Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gayle Lynds
Vom Netzwerk:
Kopfsteinpflaster. Der Friseur hatte Recht: Madame Pahnke und der Besuch des Mannes waren ein bisschen merkwürdig. Ihre nächtlichen Besucher ließen Malko an Drogen oder Diebesgut denken. Oder an Geheimagenten. An Unterwelt oder Spionage. Der Mann im Peugeot konnte in beiden Welten zu Hause sein.
    Das Schaufenster des Fotogeschäfts war inzwischen von einem Rollo verdeckt. Dahinter brannte kein Licht mehr, und an der Tür hing ein Schild. GESCHLOSSEN. Malko sah die Straße hinauf und hinunter, dann hielt er die Handflächen seitlich an die Augen und spähte an dem Rollo vorbei durch die Glastür. So viel er erkennen konnte, bewegte sich im Innern nichts. Nicht einmal das Flackern eines Schattens. Er schlenderte gemächlich ein paar Häuser weiter und ließ eine Reihe von Passanten vorübergehen. Dann holte er sein Einbruchswerkzeug aus der Tasche.
    Als er zu dem Fotogeschäft zurückkehrte, stellte er sich ganz dicht an die Tür, um zu verbergen, was er tat. Französische Schlösser waren zwar ziemlich schwierig zu knacken, aber trotzdem dauerte es nicht lang, bis er die Tür offen hatte. Vorsichtig schlüpfte er nach drinnen. Seine Kreppsohlen machten kein Geräusch. Aber es war vor allem sein dunkler Anzug, der seine Absichten verschleierte. Wer hätte von einem Mann in einem Anzug erwartet, dass er irgendwo einbrach?
    Er machte die kleine, aber starke Taschenlampe an seinem Schlüsselbund an und begann, die Schubladen des Ladentisches zu durchsuchen. Bis auf eine kleine Pistole vom Kaliber .22fand er nichts Interessantes. Aber auch das hatte noch nicht viel zu besagen. Die Inhaber kleiner Läden hatten zu ihrem Schutz häufig eine Schusswaffe. Er legte die Pistole an ihren Platz zurück. Der Strahl seiner Taschenlampe wies ihm den Weg, als er einen dunklen schmalen Flur hinunter ging und in eine Kammer, eine Toilette und eine Dunkelkammer schaute, die davon abgingen. Auch dort fiel ihm nichts Ungewöhnliches auf.
    Im Hinterzimmer schließlich fiel der Lichtkegel seiner Lampe auf einen Arbeitstisch und Regale voller Chemikalien und Fotopapier. Von mehreren quer durch den Raum gespannten Trockenleinen hingen Abzüge. Er sah sich gründlich um und kam schließlich zum Abfallkorb. Er leerte seinen Inhalt auf den Tisch. Alles, was er zunächst fand, war ein Durcheinander aus ausgemusterten Abzügen, Papiertüchern, zerrissenen Etiketten, einem leeren Kugelschreiber und Werbesendungen. Doch als er zum unteren Teil des Haufens kam, der sich im Korb obenauf befunden hatte, hielt er fasziniert inne.
    Er fischte drei aussortierte Abzüge von unterschiedlicher Qualität aus dem Haufen – einer war zu dunkel, die anderen zwei zu hell. Dennoch war zu erkennen, was darauf war. Auf einem der hellen Abzüge war eine Wand mit zahlreichen gerahmten Fotos zu sehen, von denen ihm vor allem eines in der rechten oberen Ecke sofort in die Augen stach. Es zeigte seinen Auftraggeber zusammen mit Baron de Darmond. Daraufhin sah er sich auch die zwei anderen Abzüge genauer an. Darauf waren Teile einer Bilanz zu sehen. Er kannte den Namen des Unternehmens. Zum Glück war es nicht das seines gegenwärtigen Auftraggebers. Aber es gehörte einem anderen Kunden – einem wichtigen Kunden.
    Als er sich wieder dem ersten Abzug zuwandte und die darauf abgebildeten Fotos eingehender betrachtete, entfuhr ihm ein leiser Fluch. Auf jedem Foto war Baron de Darmond abgebildet.
    Er hob den Kopf und dachte nach. Stammten diese Aufnahmen aus dem Château des Barons? Und was hatte der Mann mit dem Peugeot, wenn er diese Fotos aufgenommen hatte, sonst noch fotografiert? Was hatte er sonst noch gesehen?
    Mit kühler Effizienz steckte Malko die drei Abzüge in seine Anzugjacke, füllte den Müll wieder in den Abfallkorb und stellte diesen an seinen alten Platz zurück. Er sah sich ein letztes Mal um und vergewisserte sich, dass nichts sein Eindringen verriet. Dann ging er wieder nach vorn und verließ den Laden. Er musste dringend telefonieren.

SIEBENUNDZWANZIG
    Aus der Luft gesehen, erstreckten sich die glitzernden Lichter des nächtlichen Paris über den ganzen Horizont. Fasziniert blickte Sir Anthony Brookshire durch das Fenster seines Privatjets, der zum Landeanflug auf den Flughafen Charles de Gaulle ansetzte. Der Anblick rief Erinnerungen an seine Jugend in ihm wach, wenn er in den 50er-Jahren seine Mutter und seine Tante ab und zu nach Paris begleitet hatte, um dort einzukaufen und etwas Kultur und »Leben« zu schnuppern, wie sie es voller

Weitere Kostenlose Bücher