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Der Ring der Kraft - Covenant 06

Der Ring der Kraft - Covenant 06

Titel: Der Ring der Kraft - Covenant 06 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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barsch erfahren.
    »Zwei Tage«, gab Blankehans zur Antwort. »Vielleicht drei. Viel Pech wird vonnöten sein. Und das Werk selbst wird umständlich und mühselig sein.«
    Verdammnis! schimpfte Covenant insgeheim. Drei Tage. Aber er machte keinen Rückzieher. Er war Leprotiker; er wußte, wie unvernünftig es war, zu versuchen, die Zukunft zu erwerben, indem man die Gegenwart verkaufte. Grimmig wandte er sich nach Pechnase um. Die Erschöpfung schien die Deformationen des Riesen insgesamt zu unterstreichen. Die Verkrümmung seines Rückens erweckte den Anschein, als hätte das Gewicht seiner Gliedmaßen und des Kopfes ihn ihm gebeugt. Doch seine Augen glänzten, und seine Miene bezeugte beträchtliche Erleichterung. Er wirkte, als wüßte er, was der Zweifler zu äußern beabsichtigte, und als fände es seine volle Billigung. Covenant fühlte sich aus Versagen wie hölzern. Er hatte die Kapitänskajüte mit dem Entschluß aufgesucht, zur Rettung des Schiffs sein weißes Feuer einzusetzen; aber er war zu nichts anderem imstande, als seinen Gefährten Geduld zu bieten, die er gar nicht besaß. »Versuch's an einem Tag durchzuziehen«, meinte er leise zu Pechnase. Dann verließ er die Kajüte, um die Reaktion der Riesen nicht miterleben zu müssen.
    Pechnases Stimme tönte ihm auf den Gang nach. »Stein und See!« Der Riese lachte vor sich hin. »Das ist eine geringe Aufgabe. Wozu brauche ich einen ganzen Tag?«
    Covenant stierte ins Nichts und beschleunigte seine Schritte. Aber als er zur Leiter gelangte, die aufs Achterdeck hinaufführte, holte Linden ihn ein. Sie packte ihn am Arm, als hätte sich zwischen ihnen etwas verändert. Ihr eindringlicher Ernst wies keine Ähnlichkeit mehr mit ihrer früheren Strenge auf, und Nässe erfüllte ihre Augen. Ihr sanfter Mund, den er mit solchem Verlangen geküßt hatte, hatte die Form eines Flehens angenommen. Doch er hatte sich nicht verziehen; und einen Moment später ließ Linden ihre Hand sinken. In ihrem Blick setzte sich eine gewisse Zurückhaltung durch. Als sie sprach, geschah es im Tonfall einer Frau, die nicht recht wußte, welche Worte sie zu gebrauchen hatte.
    »Du überraschst mich immer wieder. Nie weiß ich, was ich von dir zu erwarten habe. Wenn ich gerade denke, du hast dich so weit von allem entfernt, daß du unerreichbar geworden bist, machst du so etwas. Wie das, was du für Sunder und Hollian getan hast.« Sie verstummte so plötzlich, als schmerze sie das Ungenügende dessen, was sie sagte.
    Am liebsten hätte Covenant aufgebrüllt. Seine Sehnsucht nach ihr war zu heftig, um sich ohne Leid ertragen zu lassen. Was an Glaubwürdigkeit zwischen ihnen existiert hatte, war längst von ihm pervertiert worden. Und sie war Ärztin, Heilerin. Sie hatte ein größeres Recht auf seinen Ring als er. Selbstabscheu machte ihn grob. »Bist du wirklich der Auffassung, mir wäre bloß daran gelegen, Energie durch die Gegend zu schleudern? Ist das deine Meinung von mir?«
    Linden zog die Schultern ein. Ihre Miene zeugte von Insichgehen, ähnelte dem Ausdruck eines unterdrückten Jammerns. »Nein«, antwortete sie gedämpft. »Nein. Ich habe nur versucht, deine Aufmerksamkeit zu erregen.« Sie hob wieder den Blick zu ihm. »Du hast mir einen Schrecken eingejagt. Wenn du dich sehen könntest ...«
    »Wenn ich mich sehen könnte«, schnauzte er, um der Versuchung, die Arme um sie zu schlingen, widerstehen zu können, »müßte ich wahrscheinlich kotzen.« Wild schwang er sich die Leiter hinauf, um sich Linden zu entziehen.
    Aber als er aufs Achterdeck, ins Freie und in die trockene Kälte gelangte, mußte er die Arme krampfhaft auf der Brust verschränken, um seinen Schmerz in Schach zu halten.
     
    Während er in der Kombüse ein Frühstück verzehrte, etwas von der Herdwärme in sich aufzunehmen versuchte, hörte er von draußen Geräusche, die verrieten, daß man sich an die Arbeit machte. Anfangs wechselten sich Derbhands Stimme und Windsbrauts Befehle ab. Der Ankermeister überwachte die Vorbereitungen auf dem Vordeck; die Lagerverwalterin leitete Matrosen beim Aufbrechen der Eisdecke an und erhob dann als erste ihre Stimme, als man während der Beisetzung der drei umgekommenen Besatzungsmitglieder die rituellen Lieder sang. Aber nach einer Weile konnte man durch das Getrampel von Füßen und das Klappern von Gerät, das harsche Knirschen und Dröhnen halb erstarrter Taue Pechnase hören. Sobald Covenant zusammengerafft hatte, was er noch an Mut besaß, ging er hinaus, um

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